E-Autos mit Batterien laden – E.ON und Volkswagen kündigen flexible, ultraschnelle Ladestationen an

Von 13. Februar 2020 Aktualisiert: 13. Februar 2020 14:44
E.ON und Volkswagen wollen in den nächsten Monate die deutschen Ladesäulen für E-Autos aufmischen. Die ultraschnellen, mobilen Ladestationen sollen ohne Tiefbau und Netzanschluss auskommen und in 15 Minuten für bis zu 200 km Reichweite sorgen.

Noch immer schrecken viele deutsche Autokäufer vor der geringen Reichweite von E-Autos zurück. Eine schlecht ausgebaute Ladeinfrastruktur und lange Ladezeiten sind dem Ziel „Eine Million E-Autos bis 2022“ ebenfalls nicht zuträglich. E.ON und Volkswagen wollen das ändern und kündigten an, alte Batterien aus E-Autos als neue flexible und ultraschnelle Ladestationen aufzustellen.

„Der Aufbau eines dichten, öffentlichen Netzes mit ultraschnellen Ladestationen für E-Fahrzeuge kann deutlich rascher Realität werden als bislang angenommen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Autoherstellers. Gemeinsam mit dem Energieversorger aus Essen möchte man in den nächsten Monaten eine Alternative zu Teslas Superchargern oder Ionity-Schnellladesäulen schaffen. Ganz ohne Tiefbauarbeiten und wenn nötig ohne Stromanschluss.

200 km in 15 Minuten ohne Netzanschluss

Die neuen Ladepunkte sollen dort aufgestellt werden, wo sie tatsächlich gebraucht werden. Besonders von Stadtwerken und Kommunen sowie von Tankstellen und Raststätten verzeichnet E.ON ein hohes Interesse an einer flexiblen Lösung, schreibt VW weiter. Die „Welt“ berichtet zudem, dass „die Kästen unabhängig vom Netz […] aufgestellt werden“ können und mit (ausrangierten) Batterien des ID.3 ausgestattet sein sollen.

Die alten Akkus von E-Autos hätten nach einigen Jahre noch „70 bis 80 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität“, so der ADAC. Damit könne man zwar nicht mehr mit vernünftiger Reichweite fahren, für eine wenige anspruchsvolle Nutzung seien die Akkus aber noch geeignet, bevor sie schließlich recycelt werden.

Bislang gibt es noch keinen Akku ohne Leistungsverlust. Mit 90 Prozent Wirkungsgrad gehören Lithium-Ionen-Akkus zu den besten Energiespeichern. Durch das kaskadenartige Laden – von Ladesäule zu E-Auto – und den geringen Verlusten des Elektromotors sinkt der Gesamtwirkungsgrad zwischen Steckdose und Rad auf unter 80 Prozent.

Sofern vorhanden kann der in der Ladesäule verbaute Akku über einen herkömmlichen Stromanschluss von 16 bis 63 Ampere dauerhaft laden. Sollte dies nicht möglich sein, könnten die Ladestationen am Abend von einem LKW zum Nachladen abgeholt oder ausgetauscht werden. Unter dem Namen E.ON Drive Booster sollen die neuen Ladesäulen ab der zweiten Jahreshälfte testweise an sechs Autobahntankstellen stehen.

Eine Million Ladestationen bis 2030

Installiert werden die Säulen laut VW nach dem Plug & Play-Prinzip: Hinstellen, Anschließen, online Konfigurieren. Das Schnellladesystem kann parallel zwei E-Autos mit bis zu 150 Kilowatt Leistung laden. Damit sind in 15 Minuten etwa 200 km zusätzliche Reichweite möglich. Updates, Fernwartung und Abrechnung der Ladesäulen erfolgen über die zentrale Software-Plattform von E.ON.

Thomas Schmall, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Group Components, sagte: „Die von uns entwickelte flexible Schnellladesäule ist ein wichtiger Baustein zum Ausrollen der Elektromobilität. Durch ihren innovativen Ansatz des schnellen und einfachen Aufbaus [erfüllt sie] die Bedürfnisse der Kunden.“

E.ON Vorstandsmitglied Karsten Wildberger ergänzte: „E.ON ist schon vor Jahren in der Elektromobilität vorangeschritten und hat eigene ultraschnelle Tankstellen an die Autobahnen von Europa gebracht. […] Durch das Bündeln unserer Kräfte können wir unseren Kunden nun ultraschnelle Ladesysteme anbieten, die schneller, einfacher und günstiger sind als herkömmliche Lösungen und zur Sektorkopplung beitragen.“

Derzeit gibt es in Deutschland etwa 24.000 öffentliche Ladesäulen für E-Autos, jedoch ist nur etwa jede zehnte für das schnelle Laden geeignet. Bis spätestens 2030 soll die Anzahl auf eine Million Ladepunkte steigen.

(Mit Material von VW)

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