Euro retten auf Kosten der Sparer: Draghi stellt Nullzins auch langfristig in Aussicht

Von 28. März 2019 Aktualisiert: 28. März 2019 17:31
Mit seinem Entgegenkommen an die Banken im Bereich der Negativzinsen beschert EZB-Chef Mario Draghi den europäischen Geschäftsbanken fürs Erste einen Kurssprung. Der Preis dürfte jedoch eine dauerhafte Nullzinspolitik sein, die vor allem die Sparer trifft.

Die gute Nachricht: Die jüngste Ankündigung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, dürfte die lautesten Kassandrarufe rund um einen möglichen Krieg gegen das Bargeld erst einmal verstummen lassen, die sich infolge eines Anfang des Jahres veröffentlichten IWF-Thesenpapiers verbreitet hatten.

Es wird entgegen den Befürchtungen nicht nur keine zusätzlichen Negativzinsen geben, die Geschäftsbanken werden vielmehr zum Teil sogar entlastet, indem sie nicht mehr auf sämtliche Einlagen, die sie bei der Notenbank haben, Strafzinsen zahlen müssen. Vielmehr, so berichtet „Die Welt“, soll es ein gestaffeltes System wie im Fall der Bank of Japan geben.

„Falls nötig, müssen wir über mögliche Maßnahmen nachdenken“, so Draghi, „wie die positiven Effekte der negativen Zinsen für die Wirtschaft beibehalten und gleichzeitig die Nebenwirkungen, falls vorhanden, gemildert werden können.“

Die schlechte Nachricht folgt auf dem Fuß: Mit diesem Schritt hat die Führung der EZB die bereits seit mehreren Jahren praktizierte Null-Zins-Politik auf unbestimmte Zeit fortgeschrieben – und dies bedeutet, dass eine Zinswende weiter in die Ferne gerückt ist.

Konservative Geldanlagen verlieren weiter an Attraktivität

Leidtragende werden einmal mehr die Sparer sein, und dabei vor allem jene in Deutschland und Österreich, wo konservative Anlagestrategien vorherrschen und neben Tagesgeld und Sparbuch auch bei langfristigen Anlageformen Kapitallebensversicherungen und ähnliche Produkte im Vordergrund stehen, die vorwiegend auf festverzinsliche Wertpapiere bauen.

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen fiel nach Bekanntgabe der neuen Strategie mit minus 0,09 Prozent auf den tiefsten Stand seit 2016. Bankaktien erlebten demgegenüber ein Kursfeuerwerk, von dem jedoch noch nicht abschätzbar ist, wie dauerhaft es bleiben wird. Pikanterie daran: Es ist äußerst ungewöhnlich, dass sich die Kursentwicklung von Bankaktien gegenläufig zu jener von Renditen der Bundesanleihen entwickelt.

Noch im Februar hatten die IWF-Ökonomen Ruchir Agarwal und Signe Krogstrup vor dem Hintergrund einer drohenden Rezession über eine mögliche Teilung der Geldmenge in Buchgeld und Bargeld spekuliert. Immerhin hatten weder Geschäftsbanken noch Unternehmen angesichts zunehmender Belastungen und Regulierungen bislang die Nullzinsphase für verstärkte Aufnahme von Krediten oder größere Investitionsvorhaben genutzt.

US-Banken mit Wettbewerbsvorteil

Mittels einer Leitzinssenkung in einer Größenordnung zwischen drei und sechs Prozent hätte demnach ein ambitionierter Anlauf zur Belebung der Konjunktur in Angriff genommen werden sollen. In weiterer Folge hätten sie Bargeldbestände eine Abwertung im gleichen Ausmaß wie die Zinsen erfahren müssen, um die Bürger daran zu hindern, ihre Guthaben abzuheben.

Zu dieser Form der Enteignung von Bargeldbesitzern wird es nun nicht kommen. Die Negativzinsen hatten vor allem bei den Großbanken für erheblichen Unmut gesorgt, die allein schon kraft ihrer systemerhaltenden Funktion selbst darauf angewiesen sind, liquide Bestände in angemessener Höhe zu halten. Die „Welt“ verweist auf den Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Stefan Schneider, dessen Berechnungen zufolge das von der EZB induzierte System die starken Banken rund acht Milliarden Euro im Jahr koste.

Während europäische Geschäftsbanken unter Negativzinsen stöhnten, würden US-Banken, die ihre Überschussliquidität bei der US-Notenbank anlegen, diese gar mit etwa 40 Milliarden US-Dollar verzinst bekommen – ein erheblicher Wettbewerbsnachteil für europäische Banken.

Nun wird in der EZB über ein Modell nachgedacht, das eine Art Freibetrag festschreibt, bis zu dem dann wahrscheinlich zumindest ein Zins von Null für eingelegte Liquiditätsreserven bei der Notenbank gelten würde. Erst für höhere Anlagebeträge wären dann Strafzinsen in Höhe von derzeit 0,4 Prozent fällig. Diese Staffelung der Zinsen brachte auch EZB-Chefvolkswirt Peter Praet am Donnerstag (28. März) gegenüber Bloomberg als Option ins Spiel. Das „Handelsblatt“ berichtete.

„Mit der Geldpolitik der Bundesbank wäre der Euro Geschichte“

Die Politik der EZB, die vor allem Sparer auf die Palme treiben und Großschuldner mit hohem Bestand an Sachwerten begünstigen, verfolgt vor allem ein Ziel: den Zerfall der Eurozone zu retten.

Kapitalmarktstratege Stefan Riße erklärt entsprechend gegenüber der „Welt“, ohne die unorthodoxe Geldpolitik der EZB hätte es den Euro nicht mehr gegeben:

Mit der Geldpolitik der Bundesbank würde dieser nicht mehr existieren.“

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Österreich und Deutschland zahlen die Zeche dafür. Nur etwas mehr als die Hälfte der Familien besitzt dort ein Eigenheim, die Verschuldung unter den Verbrauchern ist überschaubar. Niedrige Zinsen helfen dort kaum jemandem, erst recht nicht risikoaversen Sparern, die schon zu Blue-Chip-Aktien oder namhaften Investmentfonds auf Distanz gehen.

In Spanien mit einem Drei-Viertel-Anteil an Immobilienbesitzern innerhalb der Gesamtbevölkerung oder im stark von Privatverschuldung geprägten Frankreich nimmt hingegen kaum jemand an niedrigen Zinsen Anstoß.