Aus wirtschaftlicher Sicht können viele Brücken nicht mehr saniert werden.Foto: Jan Woitas/zb/dpa/dpa

Sanierungsstau bei der Bahn: Mehr als 1000 Brücken marode und nicht mehr sanierbar

Epoch Times6. April 2020 Aktualisiert: 6. April 2020 6:56
Eine Zugfahrt kann länger dauern als nötig, wenn Brücken nur eingeschränkt befahren werden können. Die Bahn kämpft deshalb gegen den Sanierungsstau. Doch von heute auf morgen wird es nicht besser.

In Deutschland sind 1004 Bahnbrücken nicht mehr wirtschaftlich zu sanieren und können nur noch ersetzt werden. Das geht aus Angaben des Bahnbeauftragten der Bundesregierung, Enak Ferlemann, hervor.

Würden sie alle nun in Angriff genommen, lägen die Kosten bei 7,3 Milliarden Euro, antwortete Ferlemann auf eine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Die Infrastruktur der Bahn gilt als marode, weil jahrelang zu wenig investiert wurde. Mehr als die Hälfte der gut 25.700 Eisenbahnbrücken wurde vor Ende des Zweiten Weltkriegs gebaut, 45 Prozent sind älter 100 Jahre.

Der FDP-Obmann für Verkehr, Torsten Herbst, sprach von einem bedenklichen Zustand. Nicht nur fehlendes Geld, sondern auch lange Genehmigungszeiträume hätten zum Modernisierungsstau geführt.

„Eine zügige Sanierung der Eisenbahnbrücken ist dringend geboten“, forderte Herbst. Könnten sie nur eingeschränkt befahren werden, wirke sich das auf das ganze Netz aus. Wenn Sanierungen weiter verschleppt würden, erhöhe sich der Aufwand.

Die Bahn unterteilt die Brücken je nach Zustand in vier Kategorien. 1004 fallen in die schlechteste Kategorie vier. Die Bahn betont: „Selbst Brücken der schlechtesten Zustandskategorie sind für die Nutzung des Eisenbahnbetriebs sicher, sonst würde kein Betrieb zugelassen.“

Die meisten schlechtesten Brücken stehen in NRW

Mit Abstand die meisten Brücken der Kategorie vier stehen im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen (257). Es folgen Baden-Württemberg (114) und Bayern (113). Die drei Länder haben gleichzeitig die meisten Brücken im Bestzustand.

Relativ gesehen hat Brandenburg die meisten Brücken der schlechtesten Kategorie, es sind neun Prozent. Berlin und das Saarland folgen mit sieben Prozent. Je nach Schadensbild könne eine Brücke 15 Jahre in der Kategorie vier bleiben, erklärt die Bahn.

Insgesamt hatte der Staatskonzern von 2015 bis 2019 gut 900 Brücken für rund drei Milliarden Euro erneuert, mehr als die Hälfte davon in den vergangenen beiden Jahren.

Bis 2029 sollen 2000 weitere vollständig oder teilweise erneuert werden, teilt die Bahn in einem Faktenblatt mit. Dafür solle die Rekordsumme von rund neun Milliarden Euro investiert werden, hatte der Konzern zu Jahresbeginn mitgeteilt.

Ferlemanns Angaben zufolge ist die Zahl 2000 aber differenziert zu betrachten: In der neuen Finanzierungsvereinbarung mit dem Bund hat sich die Bahn demnach verpflichtet, 1200 Brücken voll oder teilweise zu erneuern.

Bei weiteren 300 soll es Instandhaltungsmaßnahmen geben, die die Brücke in eine bessere Zustandskategorie hieven. Bei den übrigen 500 genügt es, wenn bis 2030 eine Entwurfsplanung für eine Vollerneuerung entsteht. (dpa)


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