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Immer mehr und immer härtere Kritik an der Politik in China taucht in den Medien auf.
Immer mehr und immer härtere Kritik an der Politik in China taucht in den Medien auf.
Foto: Justin Sullivan / Getty Images

Die Medien schlagen zurück

Gleichschaltung der Medien in China durchbrochen

von Ying Hartmüller, Dienstag, 15. Januar 2013 09:50

 

Die Auswirkung des Aufstands der chinesischen Zeitung Southern Weekly gegen die staatliche Zensur scheint mit dem Wiedererscheinen dieser Zeitung nicht beendet zu sein. Ganz im Gegenteil, immer mehr und immer härtere Kritik am Propagandaministerium sowie an der Politik in China tauchen in den Medien auf. Was diese ungewöhnlich öffentlichen Kritiken dem Land bringen werden, ist bis jetzt noch unklar. Die Gleichschaltung der Medien in China scheint im Moment durchbrochen zu sein.

Nach Berichten der chinesischsprachigen Epoch Times, Dajiyuan, hat eine Zeitschrift aus Hongkong die Einmischung des Propagandaministeriums bei den Medien kritisiert und eine andere Zeitung aus Festlandchina hat ein Buch über das „China-Modell" verrissen und dadurch indirekte Kritik geäußert. Ein Direktor einer Parteischule der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) habe sogar offen gegenüber einer Zeitschrift gemeint, dass die Neugründung von China durch die Partei nicht als „Wiederbelebung" von China bezeichnet werden dürfe. Auch bei den staatlichen Medien scheint diese Affäre ungewöhnliche Auswirkungen zu haben. Auf der Webseite der staatlichen Nachrichtagentur Xinhua seien Fotos von Mao Tse-tung veröffentlicht worden, auf denen er ungepflegt aussah. Dajiyuan meinte, dass diese Fotos von Mao seiner bisherigen Vergötterung durch die KPCh widersprechen.

Nach Berichten von Dajiyuan hat die Zeitschrift ISun Affairs aus Hongkong am 10. Januar einen Artikel mit dem Titel „Konter gegen das Propagandaministerium" veröffentlicht. In diesem Artikel sei gesagt worden, dass die Macht des Propagandaministeriums uneingeschränkt sei und dass viele dunkle Geheimnisse verborgen gehalten werden. Die Arbeit des Ministeriums folge keinen Regeln und die persönlichen Interessen des jeweiligen Verantwortlichen spielten eine große Rolle für die Medien. Nach Meinung dieser Zeitschrift habe der Protest der Zeitung Southern Weekly große Bedeutung. Dadurch könne man sehen, welches absurde Ausmaß die Medienkontrolle in China erreicht habe.

Inzwischen beschränken sich die Kritiken nicht mehr auf die Medienkontrolle und das Propagandaministerium. Laut Dajiyuan hat die Zeitung Southern Metropolis Daily aus der Stadt Guangzhou am 13. Januar in einer Buchbesprechung das „China-Modell" kritisiert. Das Buch, in dem das China-Modell hoch gelobt wurde, sei in diesem Artikel nach allen Regeln der Kunst verrissen worden. Die Zeitung Southern Metropolis Daily habe gemeint, dass das China-Modell, wie es in diesem Buch beschrieben wurde, weder Hand noch Fuß habe. Es fehle an Daten und Fakten und die Analysen seien nicht schlüssig.

Die Zeitung Southern Metropolis Daily hat möglicherweise ihre Kritik an der Politik in China weniger explizit ausgedrückt. Viel klarere Worte fand Zhou Tianyong, der Direktor einer Parteischule der KPCh, bei einem Interview mit der Zeitschrift Zhong Guo Min Shang. Dajiyuan berichtete am 13. Januar, dass diese Pekinger Zeitschrift das Interview veröffentlicht hat. Zhou habe gesagt, dass die Neugründung von China durch die KPCh nicht als Wiederbelebung von China bezeichnet werden dürfe. Er begründete sein Statement dahingehend, dass China nach 1949 30 Jahre lang weder gesellschaftliche noch technische Fortschritte gemacht hat. Grund waren die immer wieder aufflammenden politischen Bewegungen, die ihren Höhepunkt in der Kulturrevolution fanden. Seiner Meinung nach sei das System des heutigen China auch kein System für ein modernes Land.

Auch bei der staatlichen Nachrichtagentur Xinhua sind ungewöhnliche Stilblüten zu finden. Nach Berichten von Dajiyuan seien in den Foren von Xinhua am 13. Januar Fotos von Mao Tse-tung erschienen, auf denen er ungepflegt aussah. Nach Angaben der Webseite stammen diese Fotos von privaten Internetnutzern. Möglicherweise leistete sich das Parteiorgan Xinhua durch den Verzicht auf Zensur dieser „die rote Sonne" herabsetzenden Fotos eine indirekte Kritik an seinen Kollegen aus dem Propagandaministerium. Die Fotos waren am 15. Januar immer noch auf dieser Webseite zu finden.

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