Ist „Liebe“ wirklich die Urquelle des Kosmos? Dialog zwischen Naturwissenschaft und Religion

Das Buch „Liebe – Urquelle des Kosmos“ erlebt eine Neuauflage im Topos Verlag. Herausgegeben von Roland R. Ropers zeigt der Dialog zwischen dem Religionsphilosophen Raimon Panikkar und dem Physiker Hans-Peter Dürr eine gemeinsame Erkundung der inneren Welt aus verschiedenen Blickwinkeln.

Wir leben in einer Zeit, in der unsere Fundamente ins Wanken geraten. Immer öfter laufen wir Scheinwerten wie Erfolg und materiellem Wohlstand hinterher und merken nicht, dass das, was uns fehlt, in der äußeren Welt nicht zu finden ist.

Papst Franziskus hat Recht mit seiner Analyse, in der er in seiner Neujahrsmesse sagte, dass das  „Fehlen von physischen und nicht virtuellen Kontakten unsere Herzen stumpf werden lässt und wir unsere Fähigkeit, Mitleid und Mitgefühl zu verspüren verlieren.” Vielleicht ist dieses „Abgestumpftsein“ die „natürliche“ Gegenbewegung zu einer Gesellschaft, in der unsere Sinne überflutet werden, vielleicht eine Folge der Medien, die uns täglich Horrormeldungen aus aller Welt servieren.

Möglicherweise hat auch das mangelnde Fundament dazu beigetragen, denn ohne festes Fundament bilden sich Risse und es kann das entstehen, was wir in den letzten Jahrzehnten immer häufiger beobachten können: Eine Erosion des „Wir-Gefühls“ infolge einer Überbetonung des „Ich“ und zunehmender emotionaler Gleichgültigkeit.

Dieses Buch – Liebe – Urquelle des Kosmos – kehrt zurück zu den essenziellen Fragen unseres Lebens und versucht Antworten zu finden:  Was macht unser Leben wirklich lebenswert?

Wie kann man diese Welt in eine Richtung lenken, in der wir wieder mehr nach innen blicken und die spirituelle Dimension neu entdecken?

Es ist ein sehr anspruchsvoller Dialog zwischen Naturwissenschaft und Religion, der zum Kern der Dinge vordringen will. Denn „hinter unseren Sorgen, Vorhaben, Ängsten, hinter den Wellen liegt das Wasser des Ozeans. Erst wenn die Welle erfährt, dass sie das Wasser des großen Ozeans ist, schwinden alle Ängste.“ Lange Zeit verfangen wir uns jedoch im Wellenbereich. „Das bedeutet Leid, Enttäuschung, Angst und Unsicherheit.“

Wir hoffen, dass irgendeine Welle doch endlich die Erfüllung bringt, bis wir erkennen, dass das nicht geschehen kann. Erst wenn wir lernen, uns frei zu machen von jeglichen Erwartungen, Projektionen und Wunschvorstellungen, die uns suggerieren, wie die Dinge zu sein haben, damit wir endlich glücklich sind, werden wir wirklich Erfüllung und Zufriedenheit finden.

Vielleicht sind wir auch allzu oft wie der Fischer in der kleinen Geschichte in diesem Buch, der seine Welt – den Ozean – erforschen will.

Er fährt aufs Meer hinaus und fängt Fische. „Nach vielen Fischzügen und sorgfältigen Überprüfungen seiner Beute gelingt ihm die Entdeckung des ersten Grundgesetzes. Alle Fische sind größer als fünf Zentimeter! Er nennt dies ein Grundgesetz, weil er bei keinem Fang jemals einen Fisch fand, der kleiner als fünf Zentimeter war.

Auf dem Heimweg trifft er seinen besten Freund, den ich den Philosophen nennen will, und erzählt ihm von seiner großen wissenschaftlichen Entdeckung. Der entgegnet ihm: ‚Das ist doch gar kein Grundgesetz. Dein Netz ist einfach so grob, dass dir die kleineren Fische stets durch die Maschen gehen.’“

Womöglich machen wir es uns ja – wie der Fischer in dieser kleinen Geschichte – manchmal zu einfach mit unseren Betrachtungen und Schlussfolgerungen und fischen mit zu grobmaschigen Netzen.

Werfen wir also beherzt die vorhandenen Netze über Bord und tauchen mit dem Herausgeber Roland R. Ropers, dem Quantenphysiker Hans-Peter Dürr und dem Religionsphilosophen Raimon Panikkar hinab zum Grund der Dinge. Sie werden sehen, es lohnt sich, denn da ist so viel mehr, als Sie es vielleicht bis dato für möglich erachtet haben.

Raimon Panikkar & Hans-Peter Dürr

Liebe – Urquelle des Kosmos

Hrsg. Roland R. Ropers

237 Seiten

Verlag: Topos plus (1. Juli 2017)

ISBN-10: 3836700271

Euro: 17,95