Europas ältestes Schlachtfeld befindet sich in Deutschland

Im Tollense-Tal (Mecklemburg-Vorpommern) liegt Deutschlands ältestes Schlachtfeld. Die Schlacht fand vor mehr als 3.000 Jahren statt und forderte unzählige Tote.

Bereits in den 1980er Jahren wurden die ersten Funde im Flusssediment rund um das Tollensetal entdeckt. Dabei handelt es sich um Menschenschädel sowie Dolche, Messer und anderen Waffen aus Bronze. Doch zu dieser Zeit ahnte noch niemand, dass diese Funde zu dem bisher ältesten bekannten Schlachtfeld Europas gehörten.

1996 entdeckte ein Hobbyarchäologe einen aus dem Boden herausragenden Armknochen, der mit einem Pfeil durchbohrt wurde. Allerdings sollte es noch mehr als 10 Jahre dauern, bis das gesamte Ausmaß dieser Fundstelle erkannt wurde.

Die ersten systematischen Erkundungen begannen 2007

In den letzten 10 Jahren haben Archäologen ein wahres Schlachtfeld aus dem Jahr 1250 v. Chr. entdeckt. Es erstreckt sich entlang des Tollense-Ufers etwa 120 Kilometer nördlich von Berlin.

Bis heute fanden die Forscher die Skelette von 140 Personen, meist Männer zwischen 20 und 40 Jahren. Unter den Überresten aus dem ehemaligen Sumpf wurden auch militärische Ausrüstung und Pferdeknochen entdeckt.

Den Archäologen fehlten bisher die Beweise für große Schlachtfelder aus der Bronzezeit in Europa. Trotz Funden von Metallschwerter, Hügelfestungen, Gewaltdarstellungen und beschädigten menschlichen Skelette aus dieser Zeit gab es keine genauen Hinweise.

Im Tollense-Tal fand mit eindeutiger Sicherheit eine Schlacht statt

Der deutsche Archäologe Thomas Terberger und sein Team untersuchten den Fundplatz im Tollense-Tal. Sie sind sich sicher, dass es sich hier um ein wahres Schlachtfeld handelt.

„Wir sind sehr zuversichtlich, dass die menschlichen Überreste mehr oder weniger in der Position liegen, in der sie gestorben sind“, sagte Terberger vom Niedersächsischen Landesamt für Kulturerbe dem Live Science.

„Was bisher im Tal gefunden wurde, stellt vermutlich nur einen Bruchteil des Gemetzels dar“, fügte Terberger hinzu. Die Gewinnerseite hat vermutlich Waffen von den gefallenen Feinden geplündert. Zudem wird davon ausgegangen, dass die meisten ihrer toten „Kameraden“ für eine respektvollere Beisetzung vom Schlachtfeld getragen wurden.

Der Archäologe schätzt, dass mehr als 2.000 Menschen in den Kampf verwickelt gewesen sein könnten.

„Dies ist jenseits der lokalen Dimension eines Konflikts“, sagte er. Was bedeutet, dass dies eine große Schlacht in der Region war und nicht ein Kampf zwischen Nachbarn.

Sensationelle Funde belegen kriegerische Auseinandersetzungen

Archäologen fanden im Uferbereich mehr als 50 Pfeilspitzen aus Bronze. „Das sind doppelt so viele wie in ganz Mecklenburg-Vorpommern“, sagt die Grabungsleiterin Jana Dräger von der Universität Greifswald.

Um die Wirkung von Pfeil und Bogen als Kriegswaffe zu simulieren, führte der Experimentalarchäologe Harm Paulsen im August 2013 Versuche durch. Für diesen Zweck wurden die Flint- und Bronzepfeilspitzen aus dem Tollensetal nachgebildet.

Bei Schüssen aus zwölf Meter Entfernung durchschlugen beide Projektile mühelos die anvisierten Schweinehälften. Die Ergebnisse waren zwar nicht einheitlich, doch einige Schnittspuren am Schweineskelett ähnelten denen an den bronzezeitlichen Menschenknochen.

Im August 2011 entdecken Archäologen hier den ältesten Zinnfund Deutschlands. Die zwei Spiralfingerringe aus vier Millimeter dickem Draht sind rund 3300 Jahre alt. Jeder Ring bringt 22 Gramm auf die Waage.

In all den Jahren wurden Gold- und Bronzeringe, Pfeilspitzen und mehrere Einbäume gefunden. Doch die größte Fundmenge bildeten Knochen, jede Menge Knochen: Schädel, Kniescheiben, Rippen, Fußknochen, Unterkiefer. Alle ohne Bissspuren von Tieren, was darauf hindeutet, dass sie in kurzer Zeit, von Sedimenten zugedeckt wurden.

Daher schließen die Wissenschaftler aus, dass sie auf ein Gräberfeld gestoßen sind. Auch die große Zahl von Skeletten im Vergleich zur geringen Bevölkerungsdichte und das weitgehende Fehlen von Grabbeigaben sprechen gegen eine Bestattung.

Diskutiert wurde auch die Existenz eines Opferplatzes. Aber warum sollten die Knochen Kampfspuren aufweisen? Wie der Schädel mit eingeschossener Bronzepfeilspitze, der bei einem Tauchgang 2013 aus dem Fluss geholt wurde.

Doch wer waren die Toten überhaupt Einheimische?

Um sich ein besseres Bild davon zu machen, wer in der Schlacht gekämpft hat, beschlossen Terberger und seine Kollegen, eine chemische Analyse der Skelette durchzuführen.

Die Forscher suchten nach Elementen wie Strontium. Dies ist ein natürlich vorkommender Mineralstoff in Nahrungsmitteln, der eine geographisch spezifische Signatur in den Knochen hinterlässt. So hat jemand, der den größten Teil seines Lebens in Skandinavien verbracht hat, eine andere Strontium-Signatur als eine Person aus Spanien.

Die Ergebnisse der Studie wurden im August in der Zeitschrift Archäologische und Anthropologische Wissenschaften veröffentlicht. Sie zeigten, dass es eine große, vielfältige Gruppe von Nichtheimischen an der Schlacht beteiligt war.

So habe sich eine Menschengruppe hauptsächlich von Hirse ernährt. Die Anderen ernährten sich von einheimischen Meeresfrüchten.

„Leider sind Strontiumanalysen nicht so genau, dass Archäologen auf eine Karte zeigen und sagen können: Sie kamen von dort“, sagte Terberger.

Die Ergebnisse deuten zumindest darauf hin, dass viele dieser Ortsfremden aus dem Süden und somit vielleicht aus Süddeutschland stammen. Laut Terberger stimmt diese Interpretation mit einigen archäologischen Funden überein. So wurden auf dem Schlachtfeld mitteleuropäische Pfeilspitzen und Fibeln gefunden, die nirgendwo sonst in Norddeutschland vorkommen.

Parallelen zu einem Massengrab aus dem 17. Jh.

In ihrem chemischen Profil ähneln die Toten aus dem Tollensetal den getöteten Soldaten in einem nahegelegenen Massengrab am Wittstock. „Dieses Grab ist viel jünger. Es wurde 1636 während des brutalen Dreißigjährigen Krieges gefüllt. Aber es könnte auch für die Bronzezeit relevante Parallelen geben“, argumentierten Terberger und seine Kollegen.

Archäologen wissen aus historischen Berichten, dass in Wittstock Söldner aus ganz Europa kämpften.

„Wenn die Kämpfer in der Schlacht bei Tollense ebenfalls multiethnische Ursprünge hatten, könnte es Folgendes bedeuten. Diese Männer waren Krieger, weil sie zu Kriegern ausgebildet wurden. Mit anderen Worten: Sie waren Profis und nicht nur Dorfbewohner, die ihre Gehöfte in einem lokalen Streit verteidigten“ so Terberger.

Warum fand diese Schlacht statt? Worum haben die Männer gekämpft?

Die Archäologen suchen nach wie vor nach Antworten auf das Geheimnis im Herzen der Schlacht. Terberger und sein Team wollen in der weiten Landschaft nach weiteren Hinweisen suchen werden.

Der Tollense Fluss war ein wichtiger Knotenpunkt für den Nord-Süd Handel. Dies belegt eine erstaunliche Konzentration von wertvollen Artefakten, wie Goldringe und Schmuck, die im Tal gefunden wurden.

Die Schlacht fand um einen schmalen Abschnitt des Flusses statt. Hier fanden Archäologen einen hölzernen Weg, der auf 1900 v. Chr. datiert wird. Dies war möglicherweise eine Brücke, die beide Seiten des Flusses verband.

„Es war wahrscheinlich eine wichtige Kreuzung in der Landschaft“, sagte Terberger.

Um 1300 v. Chr. war auch Mitteleuropa von kulturellen Umwälzungen geprägt. Mit dem Beginn der Urnenfelderkultur kamen aus dem Mittelmeerraum neue Ideologien nach Mitteleuropa. Diese Kultur ist benannt nach der Art und Weise, wie die Toten beerdigt wurden.

„Es ist kein Zufall, dass unser Schlachtfeld genau auf diese Zeit datiert“, sagte Terberger.

Quelle: Europe’s Oldest Battlefield Yields Clues to Fighters‘ Identities

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