Bildung unserer Kinder in Gefahr? – Extremer Lehrermangel in Deutschland und Österreich

Es ist Ferienzeit. Die Schüler erholen sich vom Lernen, die Lehrer vom Unterrichten. Doch könnte es passieren, dass das neue Schuljahr in weiten Teilen Deutschlands und auch Österreichs nicht ganz entspannt anläuft – es herrscht Lehrermangel - fast überall.

Es ist Ferienzeit. Die Schüler erholen sich vom Lernen, die Lehrer vom Unterrichten. Doch könnte es passieren, dass das neue Schuljahr in weiten Teilen Deutschlands und auch Österreichs nicht ganz entspannt anläuft – es herrscht Lehrermangel – fast überall.

In Bayern, aber auch in anderen Bundesländern, ist die Lage brisant. Der Bedarf an Lehrern kann besonders in diesem Jahr kaum gedeckt werden. Im Freistaat hat dieser Umstand inzwischen dazu geführt, dass auf Grund der Bewerberflaute an Grund- und Mittelschulen viele Pädagogen zunächst nicht mehr vorzeitig in Rente gehen dürfen.

Der Grund: Wenn an den Schulen im kommenden Februar mehrere hundert Lehrer in Pension gehen, gibt es niemanden, der übernehmen könnte, denn erst im Sommer 2018 werden wieder junge Lehramtsanwärter mit der Ausbildung fertig.

Aus diesem Grund sollen auch Anträge für den Auslandsschuldienst und Beurlaubungen abgelehnt werden, Fachkräfte in Teilzeit sollen zukünftig mindestens 21 Stunden arbeiten.

2017 das schlimmste Jahr seit Dekaden

Die Schulleiter sprachen von 2017 als dem schlimmsten Jahr seit Dekaden, in dem wochenlang nicht an normalen Unterricht zu denken gewesen sei. Von 30 000 Klassen mussten 1000 anderweitig versorgt werden, weil auch die Mobile Reserve, also Lehrer, die bei kurzfristigen Ausfällen einspringen, bereits fest verplant war, schreibt dazu die „Süddeutsche“.

Auf einen Schlag waren im Februar 400 Stellen neu zu besetzen, mehr als 300 davon aufgrund von Pensionierungen. Drei Viertel der Pensionisten waren früher in Ruhestand gegangen. Im Februar 2018 dürfte es ähnlich sein, denn nur an Gymnasien werden auch zum Halbjahr Referendare fertig und Lehrer eingestellt.

Leider hat das System der Nachqualifizierung auch nicht ausreichend Abhilfe geschaffen. Nach diesem wurden bereits 880 Gymnasial- und Realschullehrer im Schnelldurchlauf parallel zum Unterricht an den Volksschulen umgeschult. Im neuen Schuljahr soll diese Maßnahme auch auf die Grundschulen ausgeweitet werden, ganz ohne Beschränkung von Plätzen oder Noten. Jeder wird geprüft, egal was er studiert hat.

Berlin löst das Problem über ein höheres Gehalt für Grundschullehrer

Berlin hat ähnlich massive Probleme und hofft nun darauf, die deutsche Hauptstadt für Grundschullehrer attraktiv machen zu können. Daraufhin hat die Stadt jetzt angekündigt, neue Grundschullehrkräfte künftig nach A13 bezahlen zu wollen. Dort war zuletzt nur noch jeder fünfte neue Grundschullehrer tatsächlich auch ein solcher.  „Die Höhergruppierung der Grundschullehrkräfte ist eine Würdigung der pädagogischen Arbeit an den Grundschulen“, sagte der Vorsitzende der GEW Berlin, Erdmann. „Schule ist  längst nicht nur ein Ort der fachwissenschaftlichen Wissensvermittlung, sondern auch ein Ort des ganzheitlichen Lernens, der hohe pädagogische Anforderungen an die Lehrkräfte stellt. Diesen Anforderungen wird das Land Berlin mit der Aufwertung seiner Grundschullehrkräfte endlich gerecht“.

Hessen und Nordrhein-Westfalen versuchen derzeit den Lehrermangel dadurch zu lösen, indem sie Pensionäre anschreiben, um sie für den Schuldienst zurückzugewinnen.

Sachsen lockt Gymnasiallehrer in Grund- Förder- und Oberschulen

In Sachsen gibt es offenbar mehr Gymnasiallehrer als diesbezüglich freie Stellen. Um aber auch den Lehrerbedarf an Grund-, Förder- und Oberschulen zu decken, macht man den Gymnasiallehrern nun ein Einstellungsangebot. Die Bedingung dabei ist, man verpflichtet sich für drei Jahre an einer der eben genannten Schulen. Bezahlt wird nach Entgeltgruppe für Gymnasiallehrer. Bisher wurden ausgebildete Gymnasiallehrer bei Bedarf für fünf Jahre an Grund-, Förder- oder Oberschulen eingestellt und erhielten damit gleichzeitig vertraglich die Garantie, nach dieser Zeit an ein Gymnasium zu wechseln. Nun soll das einheitlich für alle auf drei Jahre gekürzt werden.

In Österreich gehen fast 50 Prozent der Lehrer in Pension

In Österreich könnten bis zu 10.000 Lehrerstellen in den nächsten Jahren unbesetzt bleiben. So gehen bis 2025 österreichweit 60.000 bis 70.000 Lehrer – Landes- und Bundeslehrer – in Pension.

Hinzu kommt das Problem der steigenden Geburtenrate, sowie eine verlängerte Lehrerausbildung.

Während Lehrer für Hauptschulen bzw. Neue Mittelschule bisher drei Jahre lang an den Pädagogischen Hochschulen (PH) ausgebildet wurden, müssen sie jetzt vier Jahre an der Uni studieren – einen Unterschied zwischen AHS- und Hauptschullehrer wird es nicht mehr geben. Dadurch wird es ein Jahr lang keine Absolventen geben.

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