„Kann Schulz Merkel stürzen?“: So heiß wurde SPD bei Maischberger diskutiert

SPD versus CSU im "Maischberger" Talk: „Nach dem spektakulären Führungswechsel herrscht Euphorie“, meint SPD-Frau Dreyer und wird sofort von CSU-Mann Scheuer zurück auf den Boden der Tatsachen geholt: „Der Kandidat Martin Schulz ist das letzte Aufgebot der 20-Prozent-SPD. Es wird aber nicht helfen."

„Wir haben schon viel erlebt“, sagt „Stern“-Journalist Hans Ulrich Jörges bei „Maischberger“ im letzten ARD-Talk. Diskutiert wurde die Frage: „Alles auf Schulz: Kann er Merkel stürzen“? Aus aktuellem Anlass hatte die ARD das ursprüngliche Thema „Sind Polizisten die Prügelknaben der Nation“ fallen gelassen und mit dem kurzfristig neu angelegten Thema auf den Verzicht Sigmar Gabriels auf die Kanzlerkandidatur und den SPD-Parteivorsitz reagiert.

Mit von der Partie unter anderen die „Linke“-Parteivorsitzende Sahra Wagenknecht, CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Kult-Putzfrau Susi Neumann.

„Nach dem spektakulären Führungswechsel herrscht Euphorie“, meint SPD-Frau Dreyer und wird sofort von CSU-Mann Scheuer zurück auf den Boden der Tatsachen geholt: „Der Kandidat Martin Schulz ist das letzte Aufgebot der 20-Prozent-SPD. Es wird aber nicht helfen. Als die Nachricht kam, lief die SPD wie ein Hühnerhaufen herum.“ Und weiter über Gabriel: „Wir reden über einen neuen Außenminister in dieser angespannten weltpolitischen Lage, der mehr Zeit für seine Familie haben will!“ Das sei doch eine „hanebüchene Begründung“.

„Innenpolitisch hat Schulz keine Kompetenz“

Hoffnungen, der CDU gefährlich zu werden, könne sich Schulz „nur mit einem Linksabbiegen“ machen“, so Scheuer. Und: „Innenpolitisch hat Schulz keine Kompetenz. Schulz kann nur Kanzler werden mit Rot-Rot-Grün. Wenn er Kanzler wird, wird Sahra Wagenknecht Finanzministerin und Claudia Roth Außenministerin.“

Für Wagenknecht ist klar, „es gibt keinen Grund mehr, die SPD zu wählen“. Die Partei stehe für nichts mehr, für das sie mal gegründet wurde. Die Freude in der SPD über die Schulz-Kandidatur sei nichts weiter als die Erleichterung, dass Gabriel endlich geht. „Das ganz große Desaster wurde abgewendet“, so die Linke.

„Die SPD ist nicht im Keller, weil Sigmar Gabriel unbeliebt ist“, so Wagenknecht weiter. „Warum sollten Leute die SPD wählen, die dank der Partei in Werksverträgen und Leiharbeit festhängen und Angst vor Altersarmut haben?“

„Focus“ schreibt: „Vielleicht mal zwei Fakten, die zu diskutieren gewesen wären. Erstens: Nach dem ARD-Deutschland-Trend würden 41 Prozent Schulz zum Kanzler wählen, wenn man diesen direkt wählen könnte. Ebenso viele wie Angela Merkel. Gabriels Entscheidung scheint zumindest für den Augenblick richtig gewesen zu sein. Warum ist das so? Zweitens: Die Partei konnte den Vorstoß von Gabriel bezüglich der Vierfach-Entscheidung über Kanzlerkandidaten, Parteivorsitz, Wirtschafts- und Außenminister in der Eile der Zeit – und froh darüber, dass der alte SPD-Boss ins Glied rückt – kaum mehr als abnicken. Basisdemokratie ist anders. Warum macht er das so?“

„Weil wir den Irrsinn hier nicht haben wollen“

Und dann wieder CSU-Scheuer: „Schulz steht für mehr Europa und nicht weniger und Schulz steht für die Schulden-Union.“ Journalist Jörges hält dagegen: „Schulz hat ein hohes Ansehen. Schulz ist nicht mit Europa gleichzusetzen, weil er sich auch kritisch zu Europa geäußert hat.“ Und fügt an: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass Geert Wilders in Holland, Marine Le Pen in Frankreich und die AfD in Deutschland verlieren werden – und zwar wegen Donald Trump. Weil wir diesen Irrsinn hier nicht haben wollen.“

Aber: „Wir haben schon viel erlebt“, rudert Jörges dann wieder ein Stück zurück. „Den Brexit und die Trump-Wahl. Seien wir also mal vorsichtig. Die Sehnsucht der Menschen nach Veränderung im starren Parteiensystem ist groß.“