US-Regierung will neue Atomwaffen mit geringer Sprengkraft

Die US-Regierung will die Entwicklung neuer Atomwaffen mit einer geringeren Sprengkraft vorantreiben. Die Veränderungen sollten vor allem der Abschreckung dienen.

Die US-Streitkräfte wollen ihr Atomwaffenarsenal modernisieren: Neue Nuklearwaffen von kleinerer Größe sollen entwickelt werden und in erster Linie der Abschreckung dienen.

Mittels dieser sogenannten taktischen Atomwaffen solle auf die Ausweitung der russischen Nuklearwaffenkapazitäten geantwortet werden, heißt es in einem Pentagon-Papier zur US-Atomwaffendoktrin, das am Freitag vorgestellt wurde.

Durch die neuen Bomben soll das US-Atomwaffenarsenal zwar nicht ausgeweitet werden – sie sollen bisherige Sprengkörper ersetzen.

„Die Strategie entwickelt Fähigkeiten mit dem Ziel, den Einsatz von Atomwaffen weniger wahrscheinlich zu machen“, erklärte Trump am Freitag. Zugleich werde die Abschreckung vor Angriffen gegen die USA und ihre „Verbündeten und Partner“ vergrößert.

Das Pentagon argumentiert in dem 75-seitigen Papier, dass die strategischen Atomwaffen mit ihrem gigantischen Zerstörungspotenzial zur Abschreckung nicht reichten. Russland setzt demnach womöglich darauf, dass die USA diese Waffen niemals einsetzen würden – da das Risiko wegen eines zu befürchtenden atomaren Gegenangriffs von ähnlicher Dimension und der damit drohenden Vernichtung von großen Teilen der Menschheit zu hoch sei.

Die neuen kleinformatigen Atomwaffen – allgemein als „Mini-Nukes“ bezeichnet – sollen das Abschreckungspotenzial des US-Atomwaffenarsenals erhöhen. Rivalisierenden Staaten werde dadurch ihr „irregeleitetes Vertrauen“ genommen, dass sie bei einem Einsatz ihrer eigenen kleinen Atomwaffen nicht mit einem atomaren Gegeneinsatz der USA rechnen müssten.

Der Experte Greg Weaver vom Generalstab der US-Streitkräfte trat jedoch Berichten entgegen, dass das Pentagon mit den neuen Atomwaffen die Schwelle für den Einsatz von Atomwaffen absenken wolle. Der Zweck dieser Waffen sei es, eine US-Antwort auf den Nuklearwaffeneinsatz durch andere Staaten „glaubhafter zu machen“. Es gehe jedoch nicht darum, den Ersteinsatz von Atomwaffen durch die USA wahrscheinlicher zu machen.

In dem Pentagon-Dokument werden zwar auch die Sorgen der US-Regierung hinsichtlich der Atomprogramme in Nordkorea, dem Iran wie auch China unterstrichen. Doch der Schwerpunkt liegt klar auf Russland. „Die russische Annexion der Krim-Halbinsel und nukleare Drohungen“ gegen Verbündete der USA stellten Moskaus „Rückkehr zum Wettlauf der Großmächte“ dar, schreibt Verteidigungsminister Jim Mattis.

Kritiker befürchten allerdings, dass die US-Pläne einen neuen atomaren Rüstungswettlauf in Gang setzen. Zudem weisen Experten darauf hin, dass die USA bereits Atomwaffen mit vergleichsweise begrenzter Sprengkraft in ihrem Arsenal haben. Dabei handelt es sich um die 150 B-61-Bomben, die in Europa gelagert sind.

Auch die kleinformatigen Atomwaffen haben immer noch eine enorme Sprengkraft, insofern ist die Bezeichnung „Mini-Nukes“ verharmlosend. Die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki würden nach heutiger Definition als „Mini-Nukes“ eingestuft werden. Sie hatten eine Sprengkraft von etwa 15 und 20 Kilotonnen. Als kleine Atomwaffen gelten heute solche mit einer Sprengkraft von bis zu 20 Kilotonnen.

Die Vereinigten Staaten haben derzeit geschätzte rund 7000 Atomsprengköpfe in ihrem Arsenal, Russland einige hundert mehr. (afp)

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