Terrorexperte Neumann warnt: IS ist noch nicht besiegt

Epoch Times29. January 2018 Aktualisiert: 29. Januar 2018 20:04
Immer wieder tauchen Meldungen aus Syrien und dem Irak auf, die behaupten, die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) sei besiegt. Andere Stimmen lassen verlauten, dass sie wieder im Vormarsch ist. Wie sieht es tatsächlich aus?

Dr. Peter Neumann, Anti-Terror-Beauftragter der OSZE und tätig am King´s Collage zur Untersuchung der Ursachen für Radikalisierung und Terrorismus sagt, dass die Extremisten der IS keinesfalls besiegt seien. Sie hätten eine schwerwiegende Niederlage erfahren, der Aufbau ihres Kalifats sei misslungen. Doch schätzungsweise 3.000 Kämpfer, die zum harten Kern gehören, seien noch übrig.

Die Kämpfer ziehen sich aus vielen besetzten Gebieten zurück, „so wie sie das vor zehn Jahren schon einmal gemacht haben“. „Mitte der 2000er war der IS bereits sehr aktiv und breitete sich aus. Dann wurde er besiegt und trat erst 2013 wieder in Erscheinung.“

Der IS hat noch 3.000 Kämpfer

Auf dem Höhepunkt des Kalifats habe der Islamischer Staat 30.000 bis 40.000 Kämpfer gehabt, jetzt seien es schätzungsweise 3.000. Allerdings sei dies der harte Kern. Einige von ihnen seien schon dabei gewesen, bevor 2014 das große Kalifat ausgerufen wurde. Dazu gehören auch viele Kämpfer aus dem Ausland, die im Laufe der Jahre nach Syrien und in den Irak gekommen sind.

Unklar ist, was aus dem selbst ernannten „Kalifen“ Abu Bakr al-Baghdadi wurde. „Die Jagd nach ihm läuft. Wir gehen nicht davon aus, dass er schon tot ist. Das hätte ISIS verkündet und gleichzeitig seine Nachfolge mitgeteilt, um Streitigkeiten und Machtkämpfe innerhalb der Gruppe zu vermeiden“, erläutert Neumann. Was ein Wiedererstarken des IS in Syrien betrifft, so schließt der Terrorexperte dies nicht aus. „Die Lage dort ist noch immer ungewiss und aus chaotischen Konfliktsituationen hat der IS immer wieder in der Geschichte Kapital geschlagen“, so Neumann.

Der IS verstärkt Selbstmordanschläge

Momentan ist auffallend, dass die IS verstärkt Selbstmordanschläge als gezielte Angriffe einsetzt. Am Montag wurden mindestens 15 Menschen bei einem Anschlag auf eine Militäreinrichtung in der afghanischen Hauptstadt Kabul getötet. Bereits Samstag starben dort mindestens 40 Menschen durch eine Bombe eines Selbstmordattentäters in einem Rettungswagen.

Auch in der irakischen Hauptstadt Bagdad kam es zu mehreren Selbstmordanschlägen. Mitte Januar wurden hier durch zwei Selbstmordattentäter 31 Menschen getötet. Zudem meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte Anfang Januar, dass der IS seit Oktober 2017 40 Dörfer in der Provinz Hama, im Nordwesten Syriens, unter seine Kontrolle gebracht hat. Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netzwerk von Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite allerdings nur schwer überprüft werden.

(er)

Themen
Panorama
Newsticker