Fang Bin – Gefährliche Recherche in Wuhan: Acht Leichensäcke und plötzlicher Besuch am Abend (Teil 1)

Von 3. Februar 2020 Aktualisiert: 12. Februar 2020 9:20
Wie gefährlich die Coronavirus-Recherche sein kann, merkte auch "Bürger-Journalist" Fang Bin, als er mehrere Krankenhäuser im abgeriegelten Wuhan besuchte. Am Abend standen plötzlich mehrere Männer vor seiner Haustür und verlangten Eintritt.

Fang Bin ist ein sogenannter „Bürger-Journalist“, ein Vertreter des Graswurzel-Journalismus in China. Seit einigen Tagen berichtet er aus der abgeschotteten Stadt Wuhan, deren Einwohner er ist. Auf seinem Weg, die Wahrheit über den Coronavirus in Wuhan zu berichten, riskiert er bei seiner Recherche nicht nur Leben und seine Gesundheit angesichts des Virus, sondern auch die Verhaftung durch die Polizei.

Am Samstagabend, 1. Februar, gegen 19 Uhr, wurde Fang Bin abgeholt. Männer in Schutzanzügen standen vor seiner Wohnungstür. Sie verlangten Eintritt unter dem Vorwand, seine Körpertemperatur messen zu wollen. Dann brachen sie die Tür auf und nahmen ihn mit, samt seinem PC und seinem Laptop.

Doch was war es, dass Fang Bin an diesem Tag gesehen und im Internet veröffentlicht hatte? Fang Bin war an diesem Vormittag aufgebrochen, einige Krankenhäuser zu besuchen…

Samstag, 1. Februar, Undercover in Wuhan

Die Geschichte begann am 1. Februar, morgens, mit dem Besuch von drei Krankenhäusern in Wuhan: dem Hankou-Krankenhaus, dem Xiehe-Krankenhaus und dem 5. Krankenhaus von Wuhan. Anschließend wollte der „Bürger-Journalist“ noch zum Wuhan International Expo Center, um einem Gerücht über zurückgehaltene Schutzbekleidung nachzugehen.

Fang Bin: Wo sind die großen Medien?

Als Fang Bin auf seiner Recherche-Tour das Hankou-Krankenhaus in Wuhan besucht hatte, nahm er anschließend ein Video im Auto auf:

Ich bin Fang Bin. Heute ist der 1. Februar, kurz nach 11 Uhr. Ich habe mir gerade das Hankou-Krankenhaus angeschaut. Das Krankenhaus ist sehr, sehr voll. Viele Menschen liegen im Flur, einige sind am Sterben. Eine Person war schon gestorben.“

Ein Arzt sagte ihm, er solle nicht länger hier herumschauen und das Krankenhaus sofort verlassen. „Die bereiten gerade vor, die Leichen wegzubringen. Vielleicht werden die Leichen zum Bestattungsinstitut gebracht.“

Doch wo sind die großen Medien, die über die Realität in den Krankenhäusern berichten sollten? Dies fragte sich der „Bürger-Journalist“:

Nur ich, Fang Bin, allein. Ich fahre immer zu Krankenhäusern. Ich kann einige Fotos oder Videos von der Front aufnehmen.“

Der „Bürger-Journalist“ fragte sich, wo sie denn seien, die großen Medien, „die ganz viel Geld haben, die großen Nachrichtensender, wie Xinhua, Peoples Daily, CCTV, Hubei TV, Wuhan TV … Ihr habt alle so viel Geld. Warum kommt ihr nicht an die Front in die Krankenhäuser und berichtet von hier?“

Vielleicht sind eure Familienangehörigen nicht gestorben. Wenn diese Menschen hier sterben, ist es euch sowieso egal. (…) Warum kommt ihr nicht? Ihr lasst sie einfach,  die Ärzte, die Krankenschwestern im Krankenhaus, die Menschen, die jetzt erkrankt sind, die betroffenen Familien … Habt ihr überhaupt noch ein Gewissen?“

Xiehe-Krankenhaus und die Expo

Anschließend fuhr er zum Xiehe-Krankenhaus. Er war vor der Sperrung Wuhans schon einmal in diesem Krankenhaus. Es habe dort sehr, sehr viele Menschen mit Fieber gegeben, die sich dort angemeldet hatten. Doch inzwischen hatte er erfahren, dass man dort keine Patienten mehr aufnehme, weil auch viele Ärzte selbst infiziert seien.

Ob es Aufnahmen von Fang Bin aus diesen beiden Krankenhäusern gibt, konnte die Epoch Times bisher noch nicht in Erfahrung bringen. Allerdings wurden die folgenden Aufnahmen aus dem 5. Krankenhaus weit verbreitet.

Auf dem Weg zum 5. Krankenhaus von Wuhan

Auch im 5. Krankenhaus, dem nächsten auf seiner Route, soll die Situation sehr schlimm sein, hatte Fang Bin gehört. Es sollen sogar Ärzte dort gestorben sein.

Die Videos, die er dort drehte, brachten ihn noch am selben Abend in Schwierigkeiten. Gleichzeitig rettete ihn offenbar die Verbreitung der Videos anschließend wieder aus der Polizeihaft.

Das 5. Krankenhaus, das dritte auf seiner Route, liegt auf der anderen Seite des Han-Flusses. Fang Bin wusste zunächst nicht, ob er bis dorthin durchkommen werde oder ob der Tunnel gesperrt sei. Doch alles lief gut.

Leichen in Säcken und Medizin gegen Bezahlung

Es war nach 12 Uhr, als Fang Bin dort ankam. Vor dem Krankenhaus stand ein Transporter des Wuchang-Bestattungsinstituts. Sie waren gerade dabei, Leichen einzuladen.

Im Krankenhaus selbst sprach Fang Bin mit einem älteren Herrn, als er bemerkte, dass Patienten dort medizinische Versorgung mit Geld bezahlten: „Im Fernsehen wurde doch gesagt, dass alle Menschen eine kostenlose Behandlung bekommen? Warum müssen sie jetzt bezahlen?“ Der Mann antwortete Fang Bin: „Es ist nicht so. Hier nicht. Nur die Leute im Jinyintan-Krankenhaus werden kostenlos behandelt.“

Bald schon waren es acht Leichen in Säcken, die im Transporter des Wuchang-Bestattungsunternehmens lagen. Nur fünf Minuten waren vergangen. Zuvor, in der Klinik traf Fang Bin noch auf einen völlig aufgelösten Mann am Handy. Sein Vater lag in einem der Betten und war gerade gestorben.

Fang Bin muss bedrückende Erlebnisse verarbeiten

Als Fang Bin nach dem Besuch im 5. Krankenhaus von Wuhan im Auto zum Wuhan International Expo Center fuhr, um es zu besichtigen, nahm er ein Video auf. Er sprach über seine gerade im 5. Krankenhaus gewonnenen Eindrücke, die ihn offensichtlich ziemlich mitgenommen hatten. Er erwähnte noch, dass beim Verlassen des Krankenhauses die Bestattungs-Leute immer noch nach weiteren Leichensäcken riefen. Er vermutete, dass hier viele Leute sterben. Doch die Medien würden in ihren Nachrichten nicht darüber berichten.

Schließlich wollte er noch zum Wuhan International Expo Center fahren. Es werde erzählt, dass dort die gespendeten Schutzmasken und andere medizinische Spenden vom Chinesischen Roten Kreuz gesammelt werden, so der „Bürger-Journalist“. Aber sie sollen angeblich nicht verteilt werden. Die Krankenhäuser würden melden, dass sie zu wenig Schutzbekleidung haben. Das wollte Fang Bin mit eigenen Augen prüfen. Ob ihm dies gelungen ist, konnte bisher nicht bestätigt werden.

Wuhan: Schlimmer als alle Vorstellungen

Nachdem Fang Bins Video aus dem 5. Krankenhaus im Internet verbreitet worden war, schrieb ein Internetuser mit dem Pseudonym Vincent198964: „Um die Situation des Transports von Fang Bins Leichensäcken zu verstehen, kontaktierte ich heute einen Mitarbeiter vom Wuhan Yi Funeral Home, die Aussage war wie folgt: 7-8 Leichen pro Fahrzeug, 10-15 Autos pro Tag. Ich arbeite seit 28 Jahren und habe zum ersten Mal Angst! Die Situation in Wuhan ist viel schlimmer als wir dachten“.

Festnahme am Abend

Als Fang Bin an diesem Abend nach Hause kam, dauerte es nicht lange, bis an seiner Tür geklopft wurde. Es war gegen 19 Uhr. Mehrere Männer in weißer Schutzbekleidung standen vor der Tür. Sie forderten ihn auf, die Tür zu öffnen, damit man bei ihm Fieber messen könne. Sie gaben an, Mitarbeiter vom Wuhan-Zentrum für Seuchen-Prävention und Kontrolle.

Schließlich brachen sie mit Gewalt die Tür zur Wohnung auf und nahmen Fang Bin mit. Wie sich später herausstellte, waren sie von der Polizei.

Anm. d. Red.: Wir behalten das Thema weiter im Auge und werden weiterhin über und von Fang Bin berichten.