Tod einer jungen Frau durch Folter in China

Von 23. Juni 2005 Aktualisiert: 23. Juni 2005 8:25
„Die Anordnungen kommen von ganz oben“

Am 16. Juni starb die 37-jährige Gao Rongrong in der Medizinischen Universitätsklinik von Shenyang, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Liaoning. Alle Türen und Eingänge der Klinik wurden in den Tagen vor ihrem Tod von Sicherheitsbeamten in Zivil und in Uniform bewacht. Die Eltern wurden erst an das Krankenbett der Tochter gerufen, als diese schon bewusstlos war und nur noch durch ein Beatmungsgerät am Leben erhalten wurde. Die Familie wurde zur sofortigen Verbrennung des Leichnams aufgefordert, um die Spuren der Folter zu verwischen. Hier der Leidensweg von Gao Rongrong entsprechend vorliegenden Berichten und Zeugenaussagen.

Gao Rongrong praktizierte Falun Gong und ist seit 1999 das 54. Todesopfer durch Folter in Shenyang. Angeordnet hatte der ehemalige chinesische Staatspräsidenten Jiang Zemin diese Kampagne. Er hatte im Juli 1999 die Verfolgung der Falun Gong-Praktizierenden gefordert mit dem Befehl: „Zerstört ihren Ruf, ruiniert sie finanziell und vernichtet sie physisch.“

Nach siebenstündiger Folter durch Brandwunden zur Unkenntlichkeit entstellt

Gao war Buchhalterin an der Luxun Fachschule für Bildende Kunst in Shenyang und verlor ihren Arbeitsplatz, weil sie Falun Gong praktizierte. Sie wurde im Juli 2003 bei einem legalen Appell gegen die Verfolgung festgenommen und kam in das Longshan Arbeitslager. Dort wurde sie vom Lagerpersonal der Prügelstrafe unterzogen. Am 7. Mai 2004 gegen 15 Uhr wurde sie zu Tang Yubao, dem Chef der 2. Brigade, und dem Gruppenführer Jiang Zhaohua gerufen und von ihnen sieben Stunden lang mit Elektrostäben misshandelt. Ihre Mithäftlinge konnten sie danach kaum noch erkennen wegen der Verbrennungen im Gesicht, am Kopf und Nacken. Sie war zur Unkenntlichkeit entstellt, mit vielen Brandblasen und blutverklebtem Haar, die Augen waren kaum noch im geschwollenen Gesicht wahrnehmbar.

Noch am Abend des gleichen Tages sprang Gao aus einem Fenster im 2. Stock des Wachgebäudes, um ihren Folterern zu entgehen. Sie erlitt dabei einen doppelten Beckenbruch, einen Bein- und einen Fersenbruch. Aufgrund dieser Verletzungen wurde sie zunächst in das örtliche Militärkrankenhaus und später in das Polizei-Krankenhaus von Shenyang gebracht. Am 18. Mai wurde sie auf Bitte der Familie zur Behandlung in die Erste Medizinische Uni-Klinik überwiesen, in das Zimmer 0553 im 5. Stock der Abteilung Orthopädie. Wegen ihres geschwächten Zustands konnten die Ärzte keine Operation durchführen.

Rettung durch eine Gruppe von Falun Gong-Praktizierenden

Drei Monate später, am 9. August, wurde Blut in ihrem Urin festgestellt, Gao konnte keine Nahrung und keine Flüssigkeit mehr aufnehmen und war bedenklich abgemagert. Obwohl laut ärztlicher Aussage todkrank, verweigerte das Rechtsbüro von Shenyang ihre Entlassung. Während der rund fünf Monate im gleichen Raum in der Klinik stand die Kranke immer unter Bewachung, durfte weder Anrufe erhalten noch tätigen, ihre Post wurde zensiert, Besucher mussten eine Erlaubnis beim Rechtsbüro der Stadt einholen. Wie durch ein Wunder konnte sie am 5. Oktober 2004 von einer Gruppe von Falun Gong-Praktizierenden aus dem Krankenhaus gerettet werden. Ihre Fotos kamen ins Internet und erregten weltweit Empörung.

Eines der ranghöchsten Regierungsmitglieder überwacht den Fall persönlich

Von da an wurde Gao Rongrong zum „Fall Nr. 26“ und Luo Gan, der Leiter des „Büros 610“ (siehe weiter unten) und Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros der KP Chinas, befasste sich persönlich mit dem Fall, mehrere Behörden arbeiteten zusammen, um zu verhindern, dass Informationen über Gao Rongrong an die Öffentlichkeit drangen. Praktizierende, die der Mitarbeit an der „Entführung“ aus dem Krankenhaus verdächtig waren, wurden festgenommen und gefoltert, um Geständnisse von ihnen zu erpressen. Einer der Beteiligten der Rechtsabteilung sagte: „Die Anordnung kommt von Luo Gan. Er sagte, die Sache habe schon zu große internationale Auswirkungen. Wir müssen sorgsam damit umgehen (was soviel bedeutet wie, die weitere Verfolgung sollte geheim weitergehen).

Totale Überwachung – Folter von Beteiligten an der Rettungsaktion

Von da an setzte die Polizei in Shenyang alle ihre Mittel ein, Abhören von Telefonanrufen, Überwachung, Ermittlungen, Verfolgung von örtlichen Falun Gong-Praktizierenden. Feng Gang und die Gruppe der Praktizierenden, die Gao befreit hatte, wurden festgenommen und im Zhangshi-Arbeitslager in Shenyang der Gehirnwäsche unterzogen. Feng Gang wurde nach dreizehn Tagen Hungerstreik in das Masanjia Arbeitslager gebracht. Ein anderer aus dieser Gruppe, Sun Shiyou, wurde ebenfalls festgenommen und auf der Tiexi Kriminalpolizei-Station im Intimbereich mit Elektrostäben misshandelt. Zitat eines Beamten: „Verwundungen an anderen Körperteilen würde man sehen, deshalb ist Dein Intimbereich dran.“ Ihm wurden auch 2,5 cm lange Nadeln unter die Fingernägel gestochen. Seine Ehefrau, seine Schwägerin und seine Schwiegermutter wurden ebenfalls festgenommen, sie befinden sich zur Zeit im Gehirnwäschekurs des Zhangshi Arbeitslagers.

Erneute Festnahme, Hungerstreik und Tod

Seit dem 6. März 2005 wurde Gao Rongrong vermisst. Später wurde ihre Festnahme zur Gewissheit. Sie ging in Hungerstreik, im wegen seiner Brutalität berüchtigten Masanjia Arbeitslager wurden ihr angemessene Medikamente verweigert, auch die Bitte der Eltern um Zusatz-Ernährung wurde abgelehnt. Am 6. Juni wurde Gao wegen ihres bedenklichen Zustandes vom Masanjia Arbeitslager in die Medizinische Uni-Klinik verlegt. Als ihre Eltern am 10. Juni im Lager um ihre Freilassung ersuchten, wurde ihnen die Überweisung ihrer Tochter ins Krankenhaus nicht mitgeteilt. Stattdessen sagte ihnen Wang, der Direktor des Arbeitslagers: „Wir wollten sie von Anfang an nicht hier haben. Aber wir wurden von oben gezwungen. Sie entscheiden auch über Besuche und über ihre Freilassung.“

Am 12. Juni erhielten die Eltern die Aufforderung, ihre Tochter im Krankenhaus zu besuchen. Bei Ankunft der Eltern war Gao bereits bewusstlos und an ein Atemgerät angeschlossen. Nach knapp zwei Jahren Verfolgung war sie nur noch Haut und Knochen. Zeugen berichteten, dass viele fremde Personen in der Zeit ständig alle Türen und den Haupteingang des Krankenhauses bewachten, dass Sicherheitsbeamte in Uniform und in Zivil sich laufend fragten: „Wann wird sie sterben?“

Am 16. Juni starb Gao Rongrong auf der Intensiv-Station der Medizinischen Universitätsklinik in Shenyang im Alter von 37 Jahren.

Das „Büro 610“ – eine Art chinesische Gestapo

Ihre Verfolgung unterstand dem „Büro 610“, das auch für den Tod von weiteren 2536 Falun Gong-Praktizierenden seit 1999 verantwortlich ist. Es ist eine Art Geheimpolizei ähnlich der Gestapo unter Hitler. Das „Büro 610“ wurde im Jahr 1999 auf Anordnung des seinerzeitigen Staatschefs Jiang Zemin gegründet, es untersteht direkt den Regierungsorganen und entzieht sich somit allen rechtlichen Ebenen. Seine Aufgabe war zunächst einzig die Überwachung der Durchführung der Verfolgung von Chinesen im In- und Ausland, die Falun Gong praktizieren. Im Jahr 2004 wurde es zusätzlich mit der Überwachung weiterer religiöser Gruppen betraut. Die Organe des „Büros 610“ ziehen sich durch alle Verwaltungs- und Parteiebenen, von der Regierung bis zur kleinsten Dorfgemeinde. Die Arbeit des „Büros 610“ stützt sich auf ein System von Quoten und Prämien bei den Beamten, auf Gehirnwäsche, Erpressung und Folter bei den Betroffenen. Zu Beginn der Verfolgung gab es in China laut Medienschätzungen etwa 100 Millionen Chinesen, die Falun Gong übten. Hunderttausende von ihnen sind und waren inzwischen in Arbeitslagern. Obwohl das Vorgehen des „Büros 610“ in allen westlichen Staaten bekannt ist und von ihnen verurteilt wird, haben noch immer keinerlei Proteste ein Ende der Verfolgung bewirken können.



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