Kolumne vom Freischwimmer: Der kleine Gerüstbauer und die imaginäre Weltverschwörung

Von 10. Mai 2020 Aktualisiert: 10. Mai 2020 21:45
So, liebe Leserinnen und Leser, heute möchte ich Sie wieder einmal nach Leibeskräften mit einer kleinen Geschichte aus meinem Leben langweilen.

Es war Mitte der 80er als ich, der kleine Freischwimmer, in die Welt hinaus wollte. Ich wollte mir gern einmal New York City anschauen, wollte die Menschen in Buenos Aires mit meiner Anwesenheit beglücken und in Liverpool den ortsansässigen Fußballverein anfeuern. Doch das war mir als DDR-Bürger nicht gestattet. Als „Zoni“ durfte ich nun mal nicht ins kapitalistische Ausland fahren.

Das fand ich blöd. Deshalb stellte ich einen sogenannten „Ausreiseantrag“, um den SED-Unrechtsstaat verlassen zu können.

Darüber waren die Genossen jedoch nicht wirklich entzückt.

Eine der bezaubernden Drangsalierungen, welche sich der kommunistische Staat für mich ausgedacht hatte, war, mich von meinem eigentlich erlernten Beruf zu „entfernen“ und mich zum Gerüstbau zu „versetzen“.

Im Nachhinein könnte man es wohl als eine Art „Beugehaft“ bezeichnen.

Jeden Morgen war es bei den Gerüstbauern üblich, das Frühstück gemeinsam in „Brittas Imbissbude“ einzunehmen. Diese Gaststätte war etwas größer, sodass viele Handwerker darin Platz fanden. Meist nach Gewerken geordnet.

So ergab es sich, dass an einem Tisch die Gerüstbauer, am nächsten die Klempner, daneben die Maler und am folgenden die Maurer saßen. Das war nicht nur hübsch anzusehen – in unserer Stadt gab es bis dahin nämlich nur hübsche Handwerker – sondern war auch noch äußerst praktisch. Hatte nämlich ein Maurer zuhause ein Problem mit seinem tropfenden Wasserhahn, brauchte er nur an den Nachbartisch zu gehen, um sich einen Rat vom Klempner zu holen. Wusste ein Gerüstbauer nicht, welcher Kleber am besten für seine Tapete und seine Wand geeignet war, brauchte er sich nur am Nachbartisch bei den Malern die entsprechenden Infos zu holen.

Soweit so gut.

Das kann bis hierher wohl auch jeder nachvollziehen.

Die Jahre strichen ins Land, die DDR verging und ich konnte nun reisen, wohin ich wollte.

Nun war alles gut.

Doch leider gab es nach und nach in allen Teilen unseres Heimatlandes Spitzbuben, die brave Mitbürger mit sogenannten „Verschwörungstheorien“ belästigten.

Von einer angeblich angestrebten Weltregierung einer herrschenden Elite, bis hin zur Steuerung eines globalen Weltmarktes von nur einigen wenigen einflussreichen Personen, wurde mir von diesen Schlawinern berichtet.

Ich fand das unglaublich und konnte diese Informationen überhaupt nicht richtig einordnen.

Und es machte mich wuschig.

Zu ungeheuerlich war die Vorstellung, dass unsere schöne Welt von ein paar skrupellosen, machtgierigen Eliten regiert werden würde.

Aber wie sollte ich Licht ins Dunkel meines Verstandes bringen?

Ich hätte doch nicht einfach bei den Bilderbergern anrufen können, um sie zu fragen „gibt es euch wirklich“?

Ich konnte doch auch nicht bei der größten und einflussreichsten Banker-Familie klingeln und sie fragen, ob die Gerüchte stimmen würden, dass sie gemeinsam mit den Ölmagnaten eine Weltherrschaft planen.

Was konnte ein unscheinbarer Gerüstbauer wie ich denn schon tun, um Gewissheit zu bekommen?

Das beschäftigte mich sehr.

Außerdem gibt es laut Aussagen vieler Politiker auch keine Verschwörung.

Eine New World Order schon gar nicht.

Tja, Sie ahnen es wahrscheinlich schon, dass wieder mal der Zufall eine große Rolle spielte. Völlig gelangweilt surfte ich eines Tages im Internet und bei einer weltweit operierenden Firma fand ich einen Herrn Sowieso von der „XY- Bank“ im Vorstand.

Komisch.

Nun suchte ich mir wahllos große Konzerne heraus und bei denen, bei denen ich den Vorstand finden konnte, waren ebenfalls Vertreter einer Bank mit im Vorstand.

Ulkig – und reiner Zufall.

Nun nahm das Ganze Gestalt an.

Jetzt fiel mir auch plötzlich wieder ein, dass viele der einflussreichsten Politiker der Welt auf einigen wenigen „Elite-Universitäten“ studiert hatten. Diese wiederum wurden von Familien gegründet welche ……. (recherchieren Sie bitte selbst).

Des Weiteren fiel mir auf, dass besagtes Klientel sich auch noch in Urlaubsorten vergnügt, die sich aufgrund der exorbitant hohen Preise kein normaler Bürger leisten kann.

Also auch hier waren sie wieder unter sich.

Auch die „Söhne und Töchter des Geldes“ wurden wiederum oft mit den „Söhnen und Töchtern des Geldes“ verheiratet.

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Die „oberen Zehntausend“ kennen sich also untereinander sehr gut, sitzen gegenseitig in den Aufsichtsräten und sie feiern ihre Feste zusammen. Falls der Eine also einmal die Hilfe vom Anderen brauchen würde …… so wäre es in Aspen wahrscheinlich ähnlich wie in „Brittas Imbissbude“.

Nein, jetzt bin ich mir ganz sicher, Verschwörungstheorien sind alle nur Mumpitz.

Niemand kann sich auf hohen Ebenen absprechen.

Das dürften die ja eigentlich auch gar nicht!

Und außerdem sitzen in allen Regierungen ausschließlich nur Ehrenmänner und redliche Frauen, und Lobbyisten – wie zum Beispiel aus Pharmakonzernen – gibt es ja auch nicht.

Deshalb kann es eigentlich nur eine Schlussfolgerung geben: Verschwörungstheorien sind alle nur an den Haaren herbei gezogen und demnach alle falsch.

Quod erat demonstrandum!

Das weiß ich doch sogar, als kleiner, ungebildeter Gerüstbauer.

„Wir suchen die Wahrheit, finden wollen wir sie aber nur dort, wo es uns beliebt“. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Und:

„Wenn du das Unmögliche ausgeschlossen hast, dann ist das, was übrig bleibt, die Wahrheit, wie unwahrscheinlich sie auch ist“. (Sir Arthur Conan Doyle)

Ahoi

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