Färöer Delfinmassaker: Grausame Volksfeste in Nordeuropa färben das Meer blutrot

Von 1. Juni 2019 Aktualisiert: 1. Juni 2019 11:21
Mehrmals jährlich stürmen die Färinger an den Strand, nachdem Fischer ganze Delfingruppen eingekreist und in seichte Ufer getrieben haben. Dort wartet ihr grausamer Tod.

Tradition für die einen, Mord für die anderen. Die blutigen Spektakel auf den Färöer-Inseln haben sogar die Reederei TUI Cruises im November 2017 veranlasst, die Inseln ab 2019 offiziell aus ihrem Reiseprogramm zu nehmen. Zuvor hatten viele andere Reiseveranstalter ebenfalls verkündet, dass sie die Inseln nicht mehr anfahren wollen. Anlass sind die grausamen Delfinfänge.

Wir verurteilen die Ausübung der dortigen Waljagd aufs Schärfste. Hierfür ist in unseren Augen eine Aufklärung der Bevölkerung vor Ort viel entscheidender“, teilte TUI Cruises laut „Spiegel“ mit.

Er wird im Internet als „ungerecht, herzlos, unnötig, sinnlos, unmenschlich und beschämend“ beschrieben. Doch für die Einwohner der Faröer-Inseln, die Färinger, hat der Delfinfang Tradition.

Jährlich ziehen hunderte Grindelwale, die zur Familie der Delfine gehören, an der Insel vorbei. Mit ihren Kälbern machen sie sich auf den Weg und ziehen aus den warmen Gewässern in Richtung Arktis. Doch sobald sich eine Delfingruppe der Küste nähert und von Fischern entdeckt wird, beginnt der Kampf um Leben und Tod.

Treu bis in den Tod

Bei der sogenannten „Grindadrap“ (Grindelwaljad) werden hunderte Delfine, die an den dänischen Färöer-Inseln vorbeiziehen, von Boten umringt und in seichtes Wasser getrieben. Dabei wird den Tieren ihr soziales Wesen zum Verhängnis. Treu folgen sie dem Leittier und weichen auch verletzten Spielgefährten nicht von der Seite. Kein Tier flieht. Gemeinsam ziehen sie in den Tod.

Denn an Land warten bereits die Einwohner, darunter auch Kinder. Mit Messern, Haken und Seilen bewaffnet greifen sie die gestrandeten Tiere an. Sie werfen ihre Haken in das Blasloch der Delfine, damit diese ihre Orientierung verlieren. Sobald sie an den Strand gezogen werden, werden mit dem Grindmesser Rückenmark und Schlagader durchtrennt. Das Blut ergießt sich ins Meer und färbt es blutrot.

Tierschutzorganisationen kämpfen für einen Wandel

Seit Jahren kämpfen Tierschutzorganisationen wie „Sea Shepherd“ gegen diesen grausamen Mord. Auch der Geschäftsführer des Wal- und Delfinschutz-Forum „WDSF“, Jürgen Ortmüller, bemüht sich seit Jahren, das Abschlachten von Grindwalen und anderen Delfinarten auf den Färöer-Inseln zu stoppen. Im Jahr 2013 konnte durch eine Strafanzeige eine Treibjagd auf mehr als 50 Weißseitendelfine gestoppt werden. Mit einer weiteren Strafanzeige 2014 richtete sich das WDSF gegen die Teilnahme von Kindern bei den Walmassakern. Dem kamen die Einheimischen vorübergehend nach, doch bereits im Jahr 2017 waren Kinder wieder dabei.

Das Auswärtige Amt warnt davor , sich als Tourist in die alte Tradition einzumischen:

Personen, die in eine Grindwaljagd eingreifen und sich in diesem Zusammenhang nicht an die Anweisungen der färöischen Behörden halten, müssen weiterhin mit Geld- oder Haftstrafen rechnen.“

Schwermetallbelastungen im exportierten Fischwaren

Neben dem Eigenverbrauch landet das stark mit Schwermetallen (Quecksilber und polychlorierte Biphenyle (PCB) sowie DDE, einem Abbauprodukt des Insektizids DDT) belastete Walfleisch und der Walspeck in Hotels, Restaurants und Marktständen auf den Färöer-Inseln. Nicht immer ist es gekennzeichnet. Daher rät WDSF dringend:

Touristen sollten daher keine Fischwaren auf den Färöer-Inseln zu sich nehmen, um eine mögliche Gesundheitsgefährdung auszuschließen.“

Selbst die Färöer-Gesundheitsbehörden warnen vor dem Verzehr des Fleisches. Einen Schritt weiter gehen US-Forscher im Fachjournal „Science“. Laut „Stern“ sind die von den Färöer-Inseln stammenden Zuchtlachse neben den Importen aus Schottland am stärksten belastet.  Dabei gilt der Lachs aufgrund seines hohen Gehalts an Omega-3-Fettsäuren eigentlich als besonders gesund. Doch ist er das wirklich?

Im Jahr 2014 exportierten die Färöer-Insel laut WDSF ihre Produkte im Wert von fast einer Milliarde Euro weltweit. 97 Prozent davon sind Fischprodukte. Sie werden nach Russland (11,5 %), Großbritannien (11,3 %), USA (10,6 %), Deutschland (8,9%), Nigeria (7,4 %) und Dänemark (6,8 %) geliefert.

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Lebende Wale und Delfine sind viel wertvoller

Mit einer Verurteilung der Traditionen auf den Färöer-Inseln komme man nicht weiter, schreibt Scott West, Aktivist der Sea-Shepard, in dem Artikel „Warum werden Wale und Delfine auf den Färöer-Inseln ermordet?“

Es sei sehr schade, dass solch ein schöner Ort wie die Färöer-Inseln mit ihrem reichen Kulturgut und der sehr modernen und ausgebauten Infrastruktur wegen des Grinds so an Ansehen verliere. Die Färöer könnten das „Ruder nur herumreißen, wenn sie den Grind aufgeben“. Denn Handel und Tourismus würden wahrscheinlich leiden, wenn die Grindwal fortgesetzt wird. Er sagt:

Schlicht gesagt, sind die Grindwale für die färöische Wirtschaft lebend viel wertvoller als tot.“

Es mache daher aus Sicht des Aktivisten Sinn, den Einwohnern – die sich übrigens nicht alle an den Delfinmorden beteiligen – nahe zu bringen:

„Reisende aus der ganzen Welt würden gerne gutes Geld bezahlen, um lebende Grind- und andere Kleinwale frei in den Gewässern der Färöer-Inseln schwimmen zu sehen.“