Das „chinesische Wunder“ ist vorbei: KP-Milliardäre fürchten um ihren Reichtum – wegen Hongkong

Von 27. September 2019 Aktualisiert: 27. September 2019 20:19
Das "Pekinger Modell" wurde durch Hongkong und die sich wandelnden globalen Lieferketten entlarvt – als die Lüge, die es ist. Es ist die Angst vor dem Verlust des Reichtums und allem, was damit einhergeht, die die Armee bisher in ihren Kasernen gehalten hat.

Warum hat das chinesische Regime nach fast sechs Monaten schwerer Störungen in der von China regierten Finanzzentrale Hongkong die laufenden Proteste nicht niedergeschlagen? Die PLA (People’s Liberation Army, Chinas Armee) ist in Hongkong stationiert und die bewaffnete Volkspolizei, eine paramilitärische Truppe, ist seit Wochen im nahen Shenzhen vor Ort. Sind die sogenannten „militärischen Übungen“ noch im Gange?

Warum behandelt die Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) Hongkong nicht wie die Studentenbewegung am Tiananmen-Platz?

Gewalt als angemessene Würdigung des 70-jährigen Jubiläums

Einige betrachten den bevorstehenden 70. Jahrestag der Gründung Chinas am 1. Oktober als Anlass zur Freude. Vielleicht ist er das. Aber es steckt mehr hinter Chinas Geduld mit den Demonstranten als nur der Jahrestag der VR China.

Und da die gewaltsame Beseitigung der Demonstranten aus Hongkong auf der einen Seite sicherlich eine Peinlichkeit für die KPCh wäre, wäre sie auf tragische Weise auf anderer Seite ein angemessenes Bild davon, um was es sich bei der KPCh in Wirklichkeit handelt.

US befeuern die Geschichte von der Bedrohung durch „ausländischen Einfluss“

Was ist mit dem erneuten verstärkten Auftauchen der US-Marine im Südchinesischen Meer, den jüngsten Kriegsspielen mit Südkorea und Japan oder ihrer immer wiederkehrenden Präsenz in der Taiwanstraße? Ist es die höhere Präsenz Amerikas in der Region, die China dazu bringt, Zweifel hinsichtlich der Niederschlagung der Proteste in Hongkong zu haben?

Das scheint weniger wahrscheinlich zu sein – wenn man Chinas beträchtliche Fähigkeit, hohe Truppenzahlen einzusetzen, seine fortschrittlichen Anti-Kriegsschiffwaffen und Chinas Verachtung von Präsident Donald Trump dafür bedenkt, dass er die Vereinigten Staaten in immer mehr ausländische Konflikte verwickelt hat.

Amerikas stärkere Präsenz in der Region und Trumps Warnung wegen Hongkong trägt jedoch dazu bei, die jahrzehntelange innerchinesische Propaganda der KPCh von „fremden Einflüssen“ als eine der schwersten Bedrohungen für die chinesische Souveränität zu verstärken.

Handelskrieg verwüstet Chinas Wirtschaft

Was ist mit Trumps Drohungen, die Beendigung des Handelskrieges an den Umgang Chinas mit den Demonstranten zu binden? Läßt diese Drohung der KPCh eine Atempause? Es wäre eine Möglichkeit. Der chinesische Führer Xi Jinping und die Partei werden bald erkennen, wenn sie es nicht bereits getan haben, wie schädlich der Handelskrieg für sie in Zukunft sein wird.

Tatsächlich sind seine Auswirkungen in vielen Teilen des Landes bereits spürbar. Zum ersten Mal seit dreißig Jahren verlagern sich die globalen Lieferketten der Fertigungsindustrie von China weg. Fabriken in den südöstlichen Küstenregionen entlassen Arbeiter und schließen. Die Wachstumsrate des chinesischen BIP hat sich auf ein 27-Jahres-Tief verlangsamt und das wird sich wahrscheinlich noch verstärken.

Diese radikale Neuentwicklung wird auf absehbare Zeit enorme negative Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaft haben. Mit der Verlagerung von Fabriken in andere Länder steigt die Arbeitslosigkeit in China. Kein Wunder, dass der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang den Abbau der Arbeitslosigkeit zu seiner obersten wirtschaftlichen Priorität gemacht hat.

Hongkong ist das größte Sorgenkind der KPCh

Man sollte nicht den Fehler begehen zu denken, dass es nur der Handelskrieg ist, der der KPCh Schmerzen bereitet. Hongkong steht im Mittelpunkt der tiefsten Ängste der KPCh. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Wenn Hongkong zum Beispiel von der chinesischen Armee „militärisch besetzt“ wird, wird sich das ausländische Finanzgeschäft an sicherere Orte verlagern, so wie der Handelskrieg die Fertigung verlagert. Als Reaktion darauf würden die Vereinigten Staaten und andere westliche Nationen Hongkong wahrscheinlich seinen besonderen wirtschaftlichen Status entziehen und damit würde die Finanzzentrale Asiens alle Vorteile verlieren, auf die China so verzweifelt angewiesen ist.

Damit würde die KPCh Chinas Finanztor zur Welt zerstören, eines, dessen Aktienmarkt sogar den Londoner übertrifft.

Sie würde auch enorme Vermögenswerte vernichten, da die Immobilienpreise zusammenbrechen würden, während Finanzdienstleistungen und andere sehr lukrative Geschäfte Hongkong verlassen würden. Die KPCh muss erkennen, dass China international zwar das Massaker auf dem Tiananmen-Platz 1989 überlebt haben mag; aber das war, bevor die westlichen Volkswirtschaften von China untergraben wurden. Im Falle eines Massakers in Hongkong würden die Handelsbeziehungen Chinas mit dem Westen darunter wahrscheinlich viel mehr leiden, als sie es bereits jetzt tun.

Der Mythos des „Pekinger Modells“ ist zerbrochen

Chinas großer Plan war es, die Welt davon zu überzeugen, dass China und sein „Pekinger Modell“ eine bessere Alternative zur amerikanischen Weltführerschaft sind. Das „Pekinger Modell“ der wirtschaftlichen Entwicklung sollte die Vorlage für das 21. Jahrhundert sein. Die republikanischen Demokratien westlicher Prägung würden von staatlich gelenkten Volkswirtschaften und Einparteienherrschaft überflügelt werden. Das ist es, was Peking in den letzten zwei Jahrzehnten der Welt verkauft hat.

Tatsächlich ist es die Globalisierung nach dem „Pekinger Modell“, die hinter Chinas One Belt, One Road und Made In China 2025 Initiativen steht. Ganz zu schweigen davon, dass erstere dazu bestimmt ist, natürliche Ressourcen aus Entwicklungsländern zu stehlen und letztere dazu bestimmt ist, Technologien aus entwickelten Ländern zu stehlen. Die KPCh plant, dass China die nächste und einzige globale Hegemonialmacht wird.

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Aber die Proteste in Hongkong gegen Chinas Auslieferungsgesetz haben den Mythos des „Pekinger Modells“ zunichte gemacht. Als Vertreter des westlichen Kapitalismus erkennen die Hongkonger, dass sie der Schlüssel zu Chinas zukünftigem Reichtum sind, und nicht das „Pekinger Modell“. Wenn die KPCh die Demonstranten angreift, wird die Fata Morgana des „Pekinger Modells“ noch schneller verschwinden, als sie es bereits tut.

Die KPCh-Milliardäre fürchten ihren Reichtum zu verlieren

Aber es dürften nicht nur die großen Initiativen der KPCh oder die Hongkonger und Ausländer von der finanziellen Zerstörung Hongkongs betroffen sein. Denken Sie daran, dass die KPCh keine Partei der normalen selbständigen „self-made“ Männer und Frauen ist, sondern die Partei der Milliardäre.

Diese Milliardäre der Kommunistischen Partei haben Eigentum und Familien, die sich im Ausland den anderen Teilen Asiens, Australiens, Europas, der Vereinigten Staaten und Kanadas befinden. Es ist durchaus möglich, dass in Hongkong und auch in den westlichen Finanzinstituten viele Millionen Dollar an Vermögen der führenden Parteimitglieder auf dem Spiel stehen.

Wie viel Vermögen werden sie bereit sein, aufzugeben, um der Kommunistischen Partei Loyalität zu zeigen? Wie viele Parteimitglieder werden bereit sein, mit dem KPCh-Schiff unterzugehen?

Jedes Parteimitglied weiß, dass es einen Großteil seines Vermögens und seiner Position in der Kommunistischen Partei sowie ihrer Fähigkeit verdankt, finanzielle Mittel aus dem Westen zu erhalten. Sie wissen auch, dass ein Großteil von Chinas Reichtum eine Fata Morgana ist. Wenn das nicht so wäre, würden Billionen von Dollar in China bleiben, anstatt Jahr für Jahr aus dem Land abzufließen – und die Straßen Hongkongs wären inzwischen rot vom Blut der Demonstranten.

Es ist die Angst vor dem Verlust des Reichtums und allem, was damit einhergeht, die die Armee bisher in ihren Kasernen gehalten hat. Xi ist nicht der Einzige, der erkennt, dass die Zukunft der KPCh davon abhängt, was er in Hongkong tut oder nicht tut. Und je länger die Proteste andauern, desto mehr verblasst der Mythos der Unvermeidlichkeit des Pekinger Modells.

Es ist ein lästiges Dilemma für die KPCh und jeder weiß es. Eines der Leitmotive der Hongkonger Demonstranten stellt die hohen Kosten für Xi und die KPCh in krassen, aber genauen Worten dar: „Wenn wir brennen, brennst Du mit uns.“

James Gorrie ist Schriftsteller und Redner mit Sitz in Südkalifornien. Er ist der Autor von „The China Crisis“.

Das Original erschien in The Epoch Times (USA) (deutsche Bearbeitung von al)
Originalartikel: The ‘China Miracle’ Is Over

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.