Neues Pfandsystem im Hamburger Rotlichtviertel: Gebraucht abgeben statt wegwerfen

Epoch Times3. September 2019 Aktualisiert: 5. September 2019 15:14
St. Pauli setzt auf Nachhaltigkeit. Dort wird Umweltschutz großgeschrieben. Für gebrauchte Becher gibt es dort ab sofort einen Euro Pfand.

Es ist schon ungewöhnlich, dass die Dragqueen Olivia Jones sich am helllichten Tag auf der Reeperbahn blicken lässt. Doch der Anlass ist ein ganz besonderer. Denn Umweltschutz macht selbst vor dem berühmten Hamburger Rotlichtviertel keinen Halt.

Zukünftig werden dort Getränke nicht mehr in Plastikbechern ausgegeben. In den nächsten sechs Monaten sollen 30.000 Mehrwegbecher mit einer Füllmenge von 0,4 Litern in den Bars und Clubs auf der Reeperbahn verteilt werden. Das könne bis zu 15 Millionen Einwegbecher sparen. Verziert wurden die Becher mit Bildern der Kiezlegenden Hans Albers, Domenica und eben Olivia Jones.

Über das eigene Motiv witzelte Jones. Sie hätte sich im ersten Augenblick über das Motiv, das vom Hamburger Künstler Uli Pforr entworfen wurde, erschrocken, aber das sei halt Kunst. Irgendwann wird Jones vielleicht auch so aussehen, wie auf dem Pfandbecher, bekannte die Kiezgröße und fügte hinzu: „Wer mich auf einem Pfandbecher hat, der schmeißt den ja nicht weg.“

Umweltschutz liegt der Dragqueen am Herzen. Alle würden immer nur sagen „Wir machen was“. Auf St. Pauli hingegen wird endlich gehandelt. Als Einwohnerin von St. Pauli möchte Jones gegen die Müllflut ankämpfen.

Dass ich hier morgens um 14 Uhr erscheine, zeigt, dass mir es mir wirklich wichtig ist“, betonte Jones auf der Pressekonferenz in St. Pauli.

Von welchem Stadtteil sonst sollte so ein positives Umweltsignal ausgehen?

 

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SCHICK & GUT FÜRS KLIMA! St. Pauli testet ein Pfandbecher-System (#KIEZPFAND) und wir sind stolz, mit unseren Kultkieztouren, Bars und Clubs zu den mutigen Pionieren zu gehören, die dieses Projekt auf den Weg bringen. Ein kleiner Schritt für St. Pauli, ein großer für die Umwelt. Mit 30.000 Pfandbechern spart der Kiez bis zu 15 Millionen Einwegbecher. Trinken mit gutem Gewissen also 😉 Und außerdem: Wer schmeißt schon einen Becher mit Hans Albers, Domenica oder Olivia Aufdruck weg?! 😀 Danke @astra , IG St. Pauli und @klimapatenschaft für diese tolle Idee. Mehr zu unserem Engagement: www.olivia-jones.de/engagement #gogreen #OliviaJones #umweltenbesser #kiezpfand #zerowaste #ecofriendly #recycle #nachhaltig #pfandforfuture

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Brauerei setzt auf Nachhaltigkeit

Initiatoren der Aktion sind die Astra St. Pauli Brauerei, die Interessengemeinschaft St. Pauli und die Klimapatenschaft GmbH. Sie erhoffen sich, dass auch andere Konzerne und Großveranstalter nachziehen.

Denn die Müllflut ist erheblich. Viele Tonnen Müll sammelt die Stadtreinigung Hamburg jedes Wochenende rund um die Reeperbahn ein, heißt es von der Astara St. Pauli Brauerei. Ein großer Teil davon seien Plastik-Wegwerfbecher.

Die nachhaltigen Pfandbecher sind aus dem Kunststoff Polypropylen hergestellt. Sie können hundertmal gespült und wiederverwendet werden. Ausgediente Becher werden zu 100 Prozent recycelt.

Das Projekt läuft zunächst in sechs Gastronomien auf St. Pauli an. Die Finanzierung des sechsmonatigen Testlaufs übernimmt die Astra St. Pauli Brauerei am Nobistor.

Die Anzahl der teilnehmenden Betriebe soll später kontinuierlich steigen. Neue Bars, Kneipen und Vereine seien immer willkommen, um die Abfallmengen nachhaltig zu reduzieren. Partner der ersten Stunde sind das Sankt Pauli Museum, Olivia Jones mit Bars, Clubs und Kieztouren, das kukuun, der SC Hansa von 1911 e.V. und weitere.

„Für uns ist die Beteiligung an dieser zukunftsweisenden Aktion eine Herzenssache“, sagt Sebastian Holtz, Vorstand des Carlsberg Deutschland GmbH. „Die Astra St. Pauli Brauerei möchte dem Kiez als ihrer alten und wieder neuen Heimat etwas zurückgeben. Wir freuen uns daher, dieses tolle Projekt mit unserem entscheidenden finanziellen und organisatorischen Beitrag in die Umsetzung zu bringen.“

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Innensenator Andy Grote zeigt sich erfreut über diesen richtungsweisenden Vorstoß in Sachen Umweltschutz. Er sagte: „Das Vergnügungsviertel rund um die Reeperbahn ist wahrscheinlich der am intensivsten genutzte und am stärksten durch Müll belastete Teil unserer Stadt. Gerade hier brauchen wir gute Ideen, wie wir das Miteinander organisieren. Das neue Mehrwegbecher-Konzept kann nicht nur zu einer höheren Akzeptanz und damit auch Wirksamkeit des bewährten Glasflaschenverbots beitragen, sondern auch der Plastikmüllflut wirksam etwas entgegensetzen. Denn wir alle müssen daran arbeiten, dass wir weniger Müll in der gesamten Stadt produzieren.“

Auch Bezirksamtsleiter Falko Droßmann ist von der Initiative begeistert: „St. Pauli entwickelt sich weiter. Ich freue mich über das Engagement im Stadtteil und bin immer wieder überrascht von der Kreativität der St. Paulianerinnen und St. Paulianer. Dem vermehrt auftretenden Müll durch Einwegplastikbecher mit einem ‚St. Pauli Pfandbecher‘ zu begegnen, halte ich für eine klasse Idee! Damit können wir uns alle für ein sauberes St. Pauli einsetzen und dafür sorgen, dass unser Kiez ein lebens- und liebenswerter Ort bleibt!“

„Pfand gehört daneben“

Die Becher haben einen Pfandwert von 1 Euro und können in allen teilnehmenden Lokalitäten wieder zurückgegeben werden. Teilnehmende Gastronomie-Partner sind an einem gemeinsamen Aktions-Aufkleber und -Plakat erkennbar. 10 Cent pro ausgegebenem Pfandbecher gehen als Spende an ein Projekt, das gemeinsam mit den Machern der Aktion „Pfand gehört daneben“ ausgesucht wird.

„Pfand gehört daneben“ setzt sich dafür ein, dass Pfandflaschen nicht in Mülleimern landen, sondern daneben gestellt werden: So würde Menschen geholfen, die um ihr Überleben kämpfen und den Müll nach Pfandgut durchsuchen. Außerdem könne so wichtige Ressourcen wieder dem Mehrwegsystem zugeführt werden, heißt es von der Astra St. Pauli Brauerei.

 

(sua)