Behörden informieren Nawalnys Mutter formell über dessen Tod – Proteste und Gedenken weltweit

Die russische Strafvollzugsbehörde hat die Mutter des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny formell dessen Tod mitgeteilt. Der Mutter des 47-Jährigen sei in einer Urkunde dessen Tod bescheinigt worden, erklärte Nawalnys Sprecherin Kira Jarmisch.
Auch im kanadischen Montreal legen Menschen Blumen für den verstorbenen russischen Oppositionellen Nawalny nieder.
Auch im kanadischen Montreal legen Menschen Blumen für den verstorbenen russischen Oppositionellen Nawalny nieder.Foto: Graham Hughes/The Canadian Press via AP/dpa
Epoch Times17. Februar 2024

Die russische Strafvollzugsbehörde hat die Mutter des in der Haft gestorbenen Kreml-Kritikers Alexej Nawalny formell über den Tod ihres Sohnes informiert. Die Mutter des 47-Jährigen habe entsprechende Dokumente erhalten, erklärte Nawalnys Sprecherin Kira Jarmisch am Samstag. Ein Mitarbeiter des Straflagers in der russischen Polarregion habe zudem mitgeteilt, dass sich dessen Leichnam in der Stadt Salechard befinde und „von den Ermittlern zu ‚Untersuchungen‘ mitgenommen wurde“, erklärte Jarmisch weiter.

Die sterblichen Überreste des Oppositionellen müssten unverzüglich an dessen Familie übergeben werden, forderte die Sprecherin. Der 47-jährige Nawalny war nach Angaben der russischen Behörden am Freitag in der Strafkolonie in Charp in der Polarregion zusammengebrochen und gestorben. Der Tod des entschiedenen Kreml-Kritikers und prominenten Widersachers von Staatschef Wladimir Putin löste vor allem in westlichen Staaten Bestürzung aus.

Trotz Warnungen der Behörden erinnerten in russischen Städten kleine Menschengruppen an den gestorbenen Oppositionspolitiker und legten Blumen an Denkmälern für Opfer politischer Repression nieder. Am Samstag wurden laut einem Video des unabhängigen Mediums Sota mehr als 15 Menschen gewaltsam festgenommen, die in Moskau Blumen an einem Denkmal für die Opfer der Sowjetherrschaft niedergelegt hatten.

Bereits am Freitag waren bei spontanen Mahnwachen für Nawalny nach Angaben der Menschenrechtsorganisation OVD-Info russlandweit mindestens 177 Menschen festgenommen worden.

Regierungskritische Proteste sind in Russland aufgrund strenger Gesetze verboten. In der Vergangenheit gingen die Behörden besonders hart gegen Kundgebungen zur Unterstützung von Nawalny vor. Nach der Nachricht vom Tod Nawalnys hatten die Behörden am Freitag vor der Teilnahme an Protesten gewarnt.

Biden: Putin ist verantwortlich für Nawalnys Tod

US-Präsident Biden machte unterdessen Putin für den Tod Nawalnys verantwortlich. Man wisse zwar nicht genau, was passiert sei, aber es gebe keinen Zweifel daran, dass der Tod Nawalnys eine Folge von Putins Handeln und dem seiner Verbrecher sei, sagte Biden im Weißen Haus. „Putin ist verantwortlich.“ Biden sagte weiter, er sei angesichts der Nachricht von Nawalnys Tod schockiert, aber nicht überrascht.

Putin habe Nawalny vergiftet, ihn verhaften und wegen erfundener Verbrechen anklagen lassen, sagte der US-Präsident. Er habe ihn in Isolationshaft gesteckt. Doch all das habe Nawalny nicht davon abgehalten, Lügen anzuprangern, sogar im Gefängnis. „Er war eine mächtige Stimme für die Wahrheit“, erklärte Biden mit Blick auf Nawalny, der 2020 nur knapp einen Giftanschlag überlebte, sich anschließend in Deutschland erholte und 2021 nach seiner Rückkehr nach Russland inhaftiert wurde.

Auch viele europäische Politiker reagierten entsetzt. Bundeskanzler Olaf Scholz sagte: „Wir wissen aber nun auch ganz genau, spätestens, was das für ein Regime ist“, sagte der SPD-Politiker. Er erinnerte bei einer Pressekonferenz mit dem ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj daran, wie er Nawalny in Berlin getroffen habe, als dieser sich in Deutschland von dem Giftanschlag zu erholen versucht habe. Dabei habe er mit Nawalny auch über den großen Mut geredet, den es erfordere, wieder zurückzugehen in das Land. Scholz: „Und wahrscheinlich hat er diesen Mut jetzt bezahlt mit seinem Leben.“

Kreml bezeichnet westliche Reaktionen als „überdreht“

Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete die Reaktionen westlicher Politiker derweil als „überdreht“ und „inakzeptabel“. Es gebe noch keine genauen Informationen von Medizinern, Gerichtsmedizinern oder dem Strafvollzug, sagte Peskow der Agentur Interfax zufolge. Trotzdem gebe es bereits Reaktionen aus dem Westen. „Es ist offensichtlich, dass das absolut überdrehte und absolut inakzeptable Aussagen sind. Sie sind inakzeptabel“, kritisierte Peskow demnach. „Mehr habe ich zu diesem Thema nicht zu sagen.“

Nawalnys Frau ruft zum Kampf gegen russischen Machtapparat auf

Nawalnys Frau Julia Nawalnaja wiederum rief zum Kampf gegen Putins Machtapparat auf. „Ich möchte die gesamte internationale Gemeinschaft, all diejenigen in der Welt, die jetzt zuhören, dazu aufrufen, zusammenzustehen und dieses Böse zu besiegen, dieses furchtbare Regime, das heute über Russland herrscht“, sagte Nawalnaja in einer kurzfristig anberaumten Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz. „Dieses Regime und Wladimir Putin persönlich sollten zur Verantwortung gezogen werden für all diese Gräueltaten, die sie in den letzten Jahren in meinem Land, in unserem Land Russland verübt haben.“

Die Nachricht von Nawalnys Tod verbreitete sich rasant – und löste weltweit Trauer, Schock und Wut aus. In vielen verschiedenen Ländern brachten Menschen Blumen und organisierten spontane Kundgebungen. Vor der russischen Botschaft in Berlin etwa versammelten sich mehr als 1000 Menschen. Auch in Hamburg, Düsseldorf und weiteren deutschen Städten gab es Proteste.

Russen machen sich mit alter Nawalny-Aussage Mut

Viele kritische Russen machten sich darüber hinaus in sozialen Netzwerken mit einer früheren Aussage des Kremlgegners Mut. Unter anderem auf Instagram, Telegram und X (früher Twitter) teilten zahlreiche Menschen und Medien einen Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm „Nawalny“ des kanadischen Regisseurs Daniel Roher, der zwar erst im Jahr 2022 erschien, aber teils noch vor der Inhaftierung des Oppositionellen Anfang 2021 gedreht worden war.

Der Putin-Gegner wird in dem mit mittlerweile mit einem Oscar ausgezeichneten Film gefragt: „Alexej, falls du verhaftet und ins Gefängnis gesteckt wirst oder falls das Undenkbare eintritt und sie dich töten: Welche Botschaft wirst du dem russischen Volk hinterlassen?“ Nawalny antwortet daraufhin: „Für den Fall, dass ich getötet werde, ist meine Botschaft sehr einfach: Gebt nicht auf!“ (dpa)



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