Betreutes Lachen und verletzte Gefühle – Meuthen: Linksgrüne Sprachpolizei kennt keinen Karneval

Von 5. März 2019 Aktualisiert: 5. März 2019 15:52
Durch eine Pointe im Rahmen einer Büttenrede hat die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer den Zorn der „nichtbinären“ Community und linker Parteien auf sich gezogen. Es ist davon auszugehen, dass die Empörung nicht mit dem morgigen Aschermittwoch enden wird. 

Die sogenannte närrische Zeit geht mit dem heutigen Dienstag (5.3.) zu Ende, der Aschermittwoch, der traditionell vor allem von politischen Parteien noch einmal zur Selbstdarstellung genutzt wird, läutet die anschließende Fastenzeit ein.

Ob auch für die seit Dezember 2018 im Amt befindliche CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer die Karnevalssaison damit vorbei sein wird, ist noch ungewiss. Eine Büttenrede, die sie im Rahmen des „Stockacher Narrengerichts“ gehalten hatte, hat den Zorn selbstberufener Wächter der politischen Moral hervorgerufen. Diese wollen es nun mit dem Ende der närrischen Zeit und einem Schlussstrich über das, was im Zusammenhang mit dieser geäußert wurde, nicht bewenden lassen.

Karneval als traditionelle Zeit der Ausschweifung

Annegret Kramp-Karrenbauer wird vor allem eine Pointe übelgenommen, die in spöttischer Weise auf die Erscheinungsformen der dort zu den zentralen Elementen des rot-rot-grünen Regierungsprogramms zählenden Politik der Gendergleichstellung Bezug nimmt. Wörtlich äußerte die CDU-Chefin:

„Guckt euch doch mal die Männer von heute an. Wer war denn von euch vor kurzem mal in Berlin? Da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen. Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür dazwischen ist diese Toilette.“

Auch wenn Berlin nicht unbedingt als Karnevalshochburg gilt, war es bislang durchaus üblich, dass in entsprechenden Reden auch Ereignisse, die sich auf politische oder gesellschaftliche Entwicklungen dort beziehen, aufs Korn genommen werden.

Der Karneval, der traditionell als Zeit bewusster Ausschweifung in Anbetracht einer darauffolgenden 40-tägigen Zeit der Entsagung gilt, und die „Narren“-Symbolik, die sich auf die Hofnarren des Mittelalters bezog, denen unter anderem auch das Parodieren des Adels erlaubt war, legten es stets nahe, Taten und Worte, die sich in den entsprechenden Tagen zugetragen hatten, nicht auf die Goldwaage zu legen.

In Zeiten von Political Correctness und Intersektionalität reklamieren jedoch zunehmend Lobbygruppen ein Mitspracherecht bezüglich der Grenzen des Erlaubten, die das Gebot des Respekts vor ihren persönlichen Gefühlen gleichsam als einen ungeschriebenen Vorbehalt zur verfassungsmäßig gewährleisteten Redefreiheit erachten.

Akademiker und Genderideologen als „kleine Leute“?

Aus den Reihen der Grünen, der Linken und des Bundesverbands der Lesben und Schwulen in der Union regte sich entsprechend scharfe Kritik an Kramp-Karrenbauer. Der Vorsitzende des Letztgenannten forderte im SWR eine Entschuldigung der CDU-Chefin. Grünen-Chefin Annalena Baerbock erklärte, ein Witz könne immer mal missglücken. „Aber wenn man sich dafür nicht entschuldigt, wenn er auf Kosten von Minderheiten geht, dann steckt da mehr dahinter.“

Der Landesvorsitzende der Grünen NRW, Felix Banaszak, fragte auf Twitter: „Wie schlimm muss es um den Konservatismus stehen, wenn er sich bei einigen vor allem daran bemisst, wie feindselig und respektlos gegen Minderheiten getreten wird?“ Die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann sprach von „menschenverachtenden Witzen auf Kosten transsexueller Menschen“.

Der „Rheinischen Post“ gegenüber erklärte Petra Weitzel, die erste Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität: „Was die Bundeskanzlerin in Ausbildung noch lernen muss, ist Anstand und Respekt vor allen Menschen, falls sie nicht als Sanitärexpertin in die Geschichte eingehen möchte.“ Kramp-Karrenbauer beleidige und verletze die Gefühle aller transsexuellen, intersexuellen und nichtbinären Menschen.

Fastnacht, so Weitzel, sei „nicht dafür da, dass die Obrigkeit sich über die ‚kleinen Leute‘ lustig macht, sondern umgekehrt“. Inwieweit die zumindest hinsichtlich ihrer in der Öffentlichkeit in Erscheinung tretenden Exponenten vorwiegend dem akademischen Milieu zuzurechnende „nichtbinäre“ Community – auch Weitzel selbst führt den Grad der Diplomingenieurin – tatsächlich den „kleinen Leuten“ zuzurechnen ist, bleibt ungewiss.

Meuthen: Empörte haben „Bezug zur Realität verloren“

Auch kamen mögliche verletzte Gefühle „kleiner Leute“, die bei Wahlen in überdurchschnittlichem Maße Donald Trump oder die AfD gewählt hatten, nicht zur Sprache, die entstanden sein könnten, als sich von bekannten Honoratioren gestaltete Mottowagen oder Büttenreden im Rahmen mancher Karnevalsveranstaltungen in wesentlich aggressiverer Weise an diesen abarbeiteten.

Der Vorsitzende der AfD, Jörg Meuthen, warf auf Facebook dem „politischen Berlin“ mit Bezug auf die Faschingstage vor, den „Bezug zur Realität“ verloren zu haben. Insbesondere vor dem Hintergrund derber Angriffe auf seine eigene Partei bei Karnevalsveranstaltungen wirft Meuthen den Wortführern der Empörung gegen Kramp-Karrenbauer Heuchelei vor:

„All diesen humorbefreiten Sprachpolizisten ist offenbar nicht einmal klar, dass der Karneval eben gerade von Respektlosigkeit gegenüber vermeintlichen oder tatsächlichen Autoritäten geprägt ist – und sofern es auf den Umzügen und Fastnachtssitzungen gegen unsere Bürgerpartei geht, jubelt keiner lauter als diese hypermoralisierenden Pharisäer. Je derber, desto toller finden sie es dann. Sobald aber die Attacken gegen uns abgearbeitet sind, gilt selbstverständlich wieder: Betreutes Lachen ist oberste Bürgerpflicht.“

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Dieses „betreute Lachen“ sei zwar „in höchstem Maße armselig“ und eines Landes der Dichter und Denker zutiefst unwürdig, passe aber immerhin hervorragend „kontrollierten Demokratie“, der erst jüngst die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling in ihrem Framing-Handbuch für die ARD das Wort geredet hatte. Möglicherweise gehört die Zukunft des Karnevals in Deutschland künftig auch der „kontrollierten Ausschweifung“. Kramp-Karrenbauer hat sich bislang nicht zu der Kritik geäußert.