Hinweisschild vor einem Weihnachtsmarkt in Berlin am 15. November 2021. Symbolbild.Foto: Maja Hitij/Getty Images

„Geimpfte spielen eine beträchtliche Rolle bei der Ausbreitung des Virus“

Epoch Times3. Dezember 2021 Aktualisiert: 3. Dezember 2021 13:30
Führende Virologen und Epidemiologen haben die von Bund und Ländern beschlossenen Kontaktbeschränkungen nur für Ungeimpfte kritisiert. Es wird gefordert, dass sich auch Geimpfte an strenge Maßnahmen halten.

Experten und Virologen fordern nach den jüngsten Bund-Länder-Beschlüssen zur Corona-Bekämpfung die Einführung von Kontaktbeschränkungen auch für Geimpfte. „Wir brauchen deutliche Kontaktbeschränkungen, aktuell für alle Bundesländer“, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND, Freitagsausgaben).

Marx verwies dabei auch auf die neu entdeckte Omikron-Variante des Coronavirus. „Über die neue Virusvariante wissen wir einfach noch nicht genug. Wir können nicht ausschließen, dass die Impfstoffe vermindert wirken. Wegen dieses Nicht-Wissens ist es zwingend notwendig, besonders vorsichtig zu sein“, mahnte er.

Spitzenvertreter von Bund und Ländern hatten am Nachmittag unter anderem beschlossen, dass für Menschen, die weder gegen Corona geimpft noch von einer Corona-Erkrankung genesen sind, bundesweit einheitliche Kontaktbeschränkungen eingeführt werden. Treffen sind dann auf den eigenen Haushalt sowie höchstens zwei Menschen eines weiteren Haushaltes begrenzt, wobei Kinder bis 14 Jahre ausgenommen werden.

Kontaktbeschränkungen für Geimpfte gefordert

„Es ist ein Fehler, Kontaktbeschränkungen für Geimpfte auszuschließen“, sagte der Virologe Klaus Überla den RND-Zeitungen. „Denn inzwischen treten fast die Hälfte der symptomatischen Infektionen bei Geimpften auf. Die Geimpften spielen eine beträchtliche Rolle bei der Ausbreitung des Virus.“

Überla pocht auf Maßnahmen unabhängig vom Impfstatus, wie es sie bereits im Berufsleben gibt: „Während wir am Arbeitsplatz durch Homeoffice und Hygienemaßnahmen die Übertragungen reduzieren, brauchen wir auch die Möglichkeit, Kontaktbeschränkungen für Geimpfte im privaten Bereich zu verhängen.“

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck warnte: „Die Kontakteinschränkungen bergen die Gefahr, dass sich jetzt Ungeimpfte ins Private zurückziehen.“ Dass die Kontaktbeschränkungen im privaten Bereich zu kontrollieren seien, bezweifelte Streeck. „Wir riskieren Übertragungen unter Ungeimpften, die keinen Grund mehr haben, sich testen zu lassen, sondern durch 2G ausgeschlossen werden.“

Der Epidemiologe Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie kritisierte ebenfalls die mangelnde Überprüfbarkeit von Kontaktbeschränkungen im privaten Bereich. „Es wäre besser gewesen, Kontaktbeschränkungen für alle zu verhängen, also auch für Geimpfte und Genesene. Dies könnte leichter überprüft werden und zugleich besser für ein Absinken der Infektionen sorgen.“

Alternativ sei auch eine regionale Regelung abhängig vom Infektionsgeschehen sinnvoll. Durch „Kontaktbeschränkungen für alle in Hotspot-Regionen können zuverlässiger die Inzidenzen senken“. Dass Fußballstadien nur noch zu 30 bis 50 Prozent ausgelastet werden dürfen, sei „zwingend notwendig gewesen“, so Zeeb. „So können vernünftige Abstände eingehalten werden“.

Allerdings nimmt Zeeb gleichzeitig auch die Klubs in die Pflicht: „Jetzt müssen die Vereine aber auch dafür sorgen, dass diese Abstände eingehalten werden“, forderte der Epidemiologe. Er geht sogar noch einen drastischen Schritt weiter und bringt Abbrüche ins Spiel, sollten die Verordnungen in den Stadien wie die Maskenpflicht oder Abstände offensichtlich nicht eingehalten werden: „Klare Kontrollen sind notwendig, zum Beispiel durch das Ordnungsamt, und zur Not muss auch ein Fußballspiel gestoppt werden.“ Fest steht für den Experten: „Es darf nicht noch einmal Bilder geben, in denen Fans dicht an dicht gedrängt im Stadion stehen.“

Vereinbart wurde bei der Bund-Länder-Runde auch ein Feuerwerksverbot an Silvester, ähnlich der Regelung im vergangenen Jahr. Intensivmediziner Marx begrüßte dies. „Am Silvesterabend und beim Böllern auf der Straße kommen viele Menschen miteinander in Kontakt“, sagte er.

Für die Notfallmediziner in den Notaufnahmen sei Silvester ohne Feuerwerk ebenfalls eine Entlastung, weil viele Menschen durch Feuerwerkskörper verletzt würden und im Krankenhaus landen könnten, sagte Marx weiter. „Das Verbot wird Kapazitäten einsparen.“ (afp/dl/oz/dts)



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