Red Bull Leipzig und die Folgen

Von 21. September 2009 Aktualisiert: 21. September 2009 23:04

Natürlich ist es vom Menschlichen her betrachtet nicht tolerierbar, dass Spieler (sind übrigens auch Menschen!) bespuckt, beleidigt und bedroht werden. So wie in Jena vor einigen Wochen, als die zweite Mannschaft des FC Carl Zeiss gegen Red Bull – offiziell nur „RasenBallsport“ – Leipzig spielte und sich die Gastspieler nach ihrem Kicken noch nicht einmal mehr die Zeit nahmen, zu duschen, schnell ihren Bus bestiegen und flüchteten.

Neigt man sonst dazu, vorschnell zu sagen: „Ja, ja, wieder Krawalle von unbelehrbaren Fans“, so liegt in diesem speziellen Fall die Sache etwas anders. Diesmal waren es in Jena nicht irgendwelche „Allerwelts-Krawalle“, die aus der puren Lust am Abreagieren an anderen Menschen angezettelt wurden. Betrachtet man den Grund dieses Aufruhrs einmal genauer, so scheint es, als ob sich zu diesem Zeitpunkt in Jena die Wut, Ohnmacht und Verzweiflung von Fans Bahn gebrochen hat, die jemand empfindet, wenn er hilflos zusehen muss, wie Banker genüsslich lächelnd sein letztes Geld verzocken.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Dies ist auf keinen Fall ein Plädoyer für Jugendliche, die ihre Emotionen nicht mehr kontrollieren können. Aber es gibt auch die Sichtweisen der Fans. Auch sie sind Menschen und genau wie jeder andere in unserer Gesellschaft haben sie Emotionen, Gefühle, empfinden Liebe und Hass. Auch wenn mancher Profitsüchtige es gerne so hätte – Fans sind nun einmal nicht nur seelenlose Verbraucher. Sie sind kein Nutzvieh, welches man nach Belieben melken kann, die man an der Nase herumführen und deren Lebensinhalt man einfach aushöhlen kann.

„Es ist ein Unding, dass unsere Spieler von den Zuschauern bedroht und bespuckt wurden und die Mannschaft unmittelbar nach dem Schlusspfiff ungeduscht nach Hause fahren musste“, sagte RB-Sportdirektor Joachim Krug nach der Partie auf der Internetseite seines Vereins. Da hat er Recht.

Aber dieses Schwert ist zweischneidig. Es ist wie das alte Yin und Yang-Prinzip: ohne Gut kein Böse, ohne Kalt kein Heiß und ohne Ursache auch keine Auswirkung. Daher verwundert die Verwunderung von Herrn Krug dann doch schon etwas. Denn gerade Herr Krug und seine Brüder im Geiste sind eigentlich erst der Auslöser dieser Ressentiments.

Steht der Fußball noch im Mittelpunkt? (Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)
Steht der Fußball noch im Mittelpunkt? (Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass es diese Ausdrucksformen der Antipathie bei einem Spiel Jena gegen SSV Markranstädt in dieser Form gegeben hätte. Nun ist aber der SSV Markranstädt nach der Übernahme seiner Lizenz durch den Red Bull-Konzern ein völlig neues Gebilde mit einem neuen Inhalt – ja sogar mit neuem Namen. Der Ausgangspunkt der jetzigen Investoren ist ebenfalls ein anderer; er ist eben nicht, den Fußballsport zu fördern, sondern einen künstlich erzeugten Verein am (Fußball-)Markt zu etablieren, mit dem sie für ihr Produkt werben und von dem sie sich erhoffen, einen möglichst großen Gewinn abschöpfen zu können.

In ein paar Jahren will man dann in den oberen Etagen des Fußballs angekommen sein und dann anstelle angestammter Traditionsclubs in den oberen Ligen spielen. Macht dies einmal Schule und findet Nachahmer, so wird der Fußball bald völlig ausgehöhlt sein, es wird nur noch eine Hülle übrig bleiben. Dann ist er nur mehr ein seelenloses „wir-kicken-nur-noch-für-die-Werbung-eines-Produktes-oder-für-finanzielle-Interessen-von-Firmen“. Der Fußball mit all seinen Emotionen wird künftig nur noch ein Spekulationsobjekt für Großindustrielle sein, den sie je nach Interessenlage benutzen oder fallen lassen können, so wie es ihnen gerade beliebt.

Aber, wer nichts verdienen will außer Geld, der verdient auch nichts außer Geld. Und wer glaubt, mit einem künstlichen Gebilde, dessen Ausgangspunkt und einziger Inhalt das Geld ist, die Sympatien, die Treue, die Achtung und den Respekt der Fans zu bekommen, der irrt.

Wer versucht, das Wesen des Fußballs beiseite zu räumen und seine Seele zu verramschen, der muss sich nicht wundern, wenn die Menschen, die ihre Vereine lieben, das nicht lustig finden und sich vor Vergnügen den ganzen Tag lang lachend auf die Schenkel schlagen. Wenn Geschäftsleute den Fußball nur noch benutzen wollen, um selbst viel Geld zu scheffeln; wenn sie keinen Respekt mehr vor den jahrzehntelang gewachsenen Strukturen und Fan-Kulturen haben, dann brauchen sie nicht erstaunt zu sein, wenn ihnen Respekt und Achtung versagt bleiben.

Wie schon gesagt – dies ist ein zweischneidiges Schwert und man erntet immer nur das, was man gesät hat.

Bewusst oder unbewusst.
Das gilt nun einmal für alle.

 

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