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Matthias Onken
Matthias Onken
Foto: © Thorsten Wulff

Bis nichts mehr ging

Horror-Alltag eines BILD-Journalisten

von Roland R. Ropers / Gastautor, Dienstag, 15. Januar 2013 10:00

 

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Schonungslos ehrlich beschreibt der 1972 in Hamburg geborene Journalist Matthias Onken in seinem gerade erschienen Buch seinen Dauereinsatz auf der Jagd nach Nachrichten und Geschichten. Sie mussten sich im Eilverfahren als Sensation für BILD vermarkten lassen.

Von 1991 bis 1992 war Onken Pressesprecher Bündnis 90/Die Grünen, Kreisverband München-West, es folgte der Zivildienst beim Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband, 1993 machte er seine Fachhochschulreife. Von 1994 bis 1995 war er freier Mitarbeiter in diversen Agenturen für Kultur-werbung, arbeitete ab 1996 als freier Journalist u.a. für Szene Hamburg und war im Anschluss bis 2000 fester freier Mitarbeiter und Volontär beim Pinneberger Tageblatt.

Von 2000 bis 2008 war er Polizeireporter, Politikredakteur, Ressortleiter (ab 2004) und Chefredakteur (ab 2006) der Hamburger Morgenpost, im Anschluss wurde er Redaktionsleiter bei BILD Hamburg. Diese Tätigkeit gab er 2011 in totaler Erschöpfung auf und gründete die Matthias Onken media. Seit 2010 ist er Vorstandsmitglied des Hamburger Presseclubs.

Das spannend geschriebene Buch, das innerhalb von zwei Wochen in zweiter Auflage erschienen ist, legt man nicht aus der Hand, wenn man die ersten Seiten gelesen hat. Es ist das erschreckende Zeugnis und Geständnis eines extrem fleißigen Journalisten, der unter einer Druckerzeugnis-Psychose leidet.

Kein geregeltes Leben, rund um die Uhr im Einsatz und erreichbar, Drogen, Alkohol, Sex sind die notwendigen Stimulantien, um den täglich wiederkehrenden Horror zu bewältigen. Stets die Angst im Nacken, seine obersten Chefs und Geldgeber, die Medien-Moguln, nicht mit zweitklassigen Schlagzeilen zu enttäuschen. Immer der Wettlauf, besser als die Konkurrenz zu sein, an den Tatorten gewaltiger Sensationen (Verbrechen, Mord, Promi-Galas u.v.m.) immer als Erster zu sein. Dazu benötigt man ein perfektes Netzwerk von Nachrichtenzulieferern aus teilweise unterweltähnlichen Milieus. Keine Zeit zu tiefergehender Reflektion. Die Lebensbeichte eines 40-jährigen Menschen mit einem seelischen Totalschaden.

 

Cover: Rowohlt Verlag
Cover: Rowohlt Verlag

Matthias Onken

Bis nichts mehr ging

Rowohlt TB, 175 S. - 8,99 Euro

1.+2. Auflage Januar 2013

 

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