Hirnzellen oder Neuronen, wie die im Bild gezeigten, formen ein Kommunikationssystem, das sich wie Social Networking verhält.
Hirnzellen oder Neuronen, wie die im Bild gezeigten, formen ein Kommunikationssystem, das sich wie Social Networking verhält.
Foto: AFP/Getty Images

Hirnforschung

Was Neuronen mit Facebook-Nutzern gemeinsam haben

von Martha Roman, Montag, 21. Februar 2011 15:20

Laut einer wissenschaftlichen Forschungsgruppe verhält sich eine Ansammlung von Neuronen (also Nervenzellen) in unserem Gehirn so wie aktive Mitglieder eines sozialen Netzwerks wie Facebook. Die Ergebnisse der Studie eines Teams von Wissenschaftlern aus den USA und Deutschland wurden letzten Monat vom Magazin Life Science veröffentlicht.

Neuronen des Neokortex, der einen Teil der Großhirnrinde ausmacht, verhalten sich so, als ob sie sich über Facebook austauschen würden. Diese Hirnregion ist für höhere Funktionen wie bewusstes Denken, Sprache, Sinneswahrnehmung, motorische Funktionen und räumliches Denken zuständig. Der Neokortex besteht aus mehreren Milliarden Neuronen.

Laut Life Science erklärte Alison Barth, ein Forscher der Carnegie Mellon Universität in Pennsylvania, dass das Team einen fluoreszierenden Marker in ein bestimmtes Gen gesetzt hatte. Sie wollten wissen, ob dieses Gen mit den neuronalen Aktivitäten einer Maus in Beziehung steht. Tatsächlich leuchtete das Neuron bei Aktivität auf, wodurch diese Vermutung bestätigt wurde. Dann isolierten sie die aktiven und inaktiven Neuronen durch Bildgebungsverfahren und zeichneten deren Aktivität auf.

„Es ist genau wie bei Facebook. Die meisten deiner Freunde posten nicht viel", sagte Barth. „Es gibt aber einen kleinen Prozentteil deiner Freunde, die ihren Status oft aktualisieren. Diese Menschen sind wahrscheinlich mit mehr Freunden verbunden. Weil sie mehr Informationen anbieten, erhalten sie auch mehr Informationen von anderen aktiven Teilnehmern aus dem umfangreichen Netzwerk.

Anhand dieser Ergebnisse können die Forscher nun visualisieren und feststellen, was bestimmte Gehirnzellen dazu veranlasst, aktiver zu sein und wie stabil diese Aktivität ist. Der Plan der Carnegie Mellon Forscher ist, diese Neuronen zu studieren um zu sehen, welche Rolle sie bei Lernprozessen spielen.

Die Resultate werden auch für die computergestützte Neurowissenschaft hilfreich sein. Insbesondere profitiert davon das als „Sparse Coding" bezeichnete Gebiet, das untersucht, wie mit einer Population aus wenigen Neuronen Informationen dargestellt werden können. Außerdem können zum ersten Mal die elektrophysiologischen Eigenschaften von stark reagierenden Zellen mit geringer Populationsdichte untersucht werden.

Das Wissenschaftler-Team dieser Studie besteht aus Allison L. Barth, Lina Yassin, Brett L. Benedetti und A. Ying Wen (von der Abteilung für Biologische Wissenschaften und dem Zentrum für Neurale Wahrnehmung an der Carnegie Mellon Universität, Pennsylvania) sowie Jean-Sébastien Jouhanneau und James F.A. Poulet (Abteilung für Neurowissenschaften des Zentrums für Molekularmedizin Max Delbrück und dem Forschungszentrum für Neurowissenschaft an der Medizinischen Universität der Charité in Berlin).

Artikel auf Englisch: Neurons Act Like a Social Network

 

 



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