Schriftsteller Nolte nennt Generationsbegriff „Riesenkatastrophe“

Der Schriftsteller Jakob Nolte mag es nicht, als die „Stimme der Generation“ bezeichnet zu werden. „Der Generationsbegriff ist eine Riesenkatastrophe. Es wird dabei immer nur ein Milieu herausgegriffen und so …

Der Schriftsteller Jakob Nolte mag es nicht, als die „Stimme der Generation“ bezeichnet zu werden. „Der Generationsbegriff ist eine Riesenkatastrophe. Es wird dabei immer nur ein Milieu herausgegriffen und so getan, als wäre die ganze Generation wie dieses eine Milieu“, sagte Nolte, der mit seinem Roman „Schreckliche Gewalten“ für den Deutschen Buchpreis 2017 nominiert war, dem Magazin „Zeit Campus“.

Auch die Theaterautorin Olga Bach mag die Floskel nicht: Jungen Menschen so einen Begriff überzustülpen sei selbstgefällig, sagte sie dem Magazin. „Ich kann nicht sagen, was unsere Generation ausmacht. Außer vielleicht, dass wir alle das Internet nutzen.“ Bach war mit ihrem Stück „Die Vernichtung“ beim Berliner Theatertreffen vertreten. Der Schriftsteller Philipp Winkler, dessen Roman „Hool“ im vergangenen Jahr für den Deutschen Buchpreis nominiert war, fügte hinzu, dass auch die Kritik, zu selten eine politische Haltung einzunehmen, unangebracht sei. „Ich finde diese Kritik vermessen“, sagte Winkler dem Magazin. „Ich funktioniere als Autor nicht so, dass ich mir denke: `Ach, da ist ein politisches Problem, das finde ich blöd, darüber schreibe ich jetzt einen 400-Seiten-Roman.`“ Die Schriftstellerin Fatma Aydemir stellte die Frage, wo Politik überhaupt anfange. „Wie man eine Mann-Frau-Beziehung darstellt, ist doch auch schon politisch“, sagte sie „Zeit Campus“. Aydemir wurde für ihren ersten Roman „Ellbogen“ mit dem Klaus-Michael-Kühne-Preis für das beste literarische Debüt des Jahres ausgezeichnet. (dts)

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