Bis zu 399.000 Euro im Jahr: Das verdienen Intendanten und Redakteure bei den Öffentlich-Rechtlichen

Jeder Haushalt in Deutschland muss monatlich 17,50 Euro Rundfunkgebühren zahlen. Wo fließt dieses Geld eigentlich hin? Auf ihrer Webseite erklärt die ARD, was mit dem Beitrag passiert.

Vor einem Jahr forderte die MDR-Intendantin Karola Wille eine „größere journalistische und finanzielle Transparenz“ von den Öffentlich-Rechtlichen. Sie ging in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ mit gutem Beispiel voran und gab ihren Gehalt an – 275.000 Euro pro Jahr.

Je nach Länge der Beschäftigung könnten ihre Pensionsansprüche bis auf maximal 75 Prozent des letzten Grundgehalts steigen, meinte sie damals – also rund 17.100 Euro im Monat oder 206.000 Euro im Jahr.

WDR-Intendant bekommt 399.000 Euro im Jahr

Anfang des Monats veröffentlichte die ARD die Gehälter ihrer Intendanten und Redakteure. An der Gehaltsspitze steht WDR-Intendant Tom Buhrow (ARD-Angaben 2016). Er erhält 399.000 Euro im Jahr (oder 33.250  Euro monatlich). BR-Intendant Ulrich Wilhelm verdient 367.000 und NDR-Leiter Lutz Marmor 348.000 Euro. Das Schlusslicht bildet Thomas Kleist vom Saarländischen Rundfunk – er erhält 237.000 Euro.

Sport- und Unterhaltungs-Chefs verdienen rund 11.000 Euro im Monat

Programmbereichsleiter oder Hauptabteilungsleiter erhalten außertarifliche Gehälter, die durchschnittlich rund 11.000 Euro monatlich betragen. Dazu gehören etwa NDR-Unterhaltungschef Thomas Schreiber, Sport-Chef Gerd Gottlob oder „Tagesschau“-Chefredakteur Kai Gniffke, wie der Branchendienst „Meedia“ schreibt.

Angestellte Redakteure verdienen bei der ARD monatlich 3.524 bis 9.908 Euro – oder 42.288 bis 118.896 Euro im Jahr.

Sekretäre erhalten bis zu 6.182 Euro monatlich

Auch andere Tätigkeiten sind bei der ARD gut bezahlt: Kameramänner erhalten monatlich 2.421 bis 7.691 Euro, Grafiker 2.421 bis 6.984 Euro, Sekretäre oder Sachbearbeiter 2.398 bis 6.182 Euro. Auszubildende verdienen 694 bis 1.020 Euro und Volontäre 1.438 bis 2.120 Euro.

Die Vergütungsgruppe der Beschäftigten hängt von ihrer Tätigkeit, der Komplexität der jeweiligen Aufgabe und der Berufserfahrung der Person ab. Es dauere um die 20 Jahre, bis die letzte Vergütungsstufe einer Berufsgruppe erreicht sei, schreibt die ARD auf ihrer Seite.

Sportmoderatoren und -Experten

In diesem Monat veröffentlichte die ARD auch Zahlen, wie viel für Sportmoderatoren und -Experten ausgegeben wird. In der Saison 2015/2016 zahlte das Erste insgesamt 1,88 Millionen Euro an 21 Sportmoderatoren. Acht Experten erhielten im gleichen Zeitraum 1,2 Millionen Euro.

„Der hohe Wert für Publikum wie Programm spiegelt sich in den Vergütungen wider und richtet sich nach dem Marktwert der engagierten Moderator/innen oder Expert/innen“, schreibt die ARD zu dem Honorar der Sportmoderatoren und -Experten.

Wie viel welcher Sportexperte in der Saison 2015/2016 erhalten hatte, könne aus rechtlichen Gründen nicht angegeben werden, sagte ein ARD-Sprecher zu „Spiegel Online“.

1,4 Millionen Euro pro „Tatort“-Folge

Neben den Gehältern veröffentlichte der ARD auch die Kosten für einzelne Sendungen. So kostet eine Minute einer 90-minütigen „Tatort“- oder „Polizeiruf 110“-Folge durchschnittlich 15.500 Euro brutto – oder 1,4 Millionen Euro pro Folge. Ebenso viel kostet ein Fernsehfilm für den Sendeplatz am Mittwochabend.

Samstagabend-Unterhaltungsshows wie „Verstehen Sie Spaß?“ kosten mit ihren drei Stunden Länge um die 1,2 Millionen Euro.

Nachrichtensendungen wie „Tagesschau“, „Tagesthemen“ und „Nachtmagazin“ kosten pro Erstsendeminute rund 1.820 Euro (Stand Mai 2017).

ARD erhält 5,6 Milliarden Euro jährlich

Insgesamt erhalten die Öffentlich-Rechtlichen von den Beitragszahlern rund 5,6 Milliarden Euro im Jahr. Mit diesen werden ARD, ZDF und die von den beiden gemeinsam betriebenen Programme wie KiKA, PHOENIX, 3sat und ARTE finanziert.

Außerdem fließt ein großer Teil des Etats in Landesrundfunkanstalten wie Multimedia, GEMA, Hörfunk, etc.

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