Drei Polizisten packen aus: Unterbesetzt, schlecht ausgerüstet, machtlos gegen Terror

Der Alltag der Polizei sei bestimmt von zu wenig Personal, zu wenig Kontrolle, zu wenig Respekt. Hinzu komme die Terrorgefahr, gegen welche die Polizei kaum etwas ausrichten könne. Das ist die Botschaft eines Berichtes der "Bild am Sonntag", in dem drei Polizisten anonym interviewt wurden.

Drei Polizisten, die Ernüchterndes zu erzählen hatten, wurden von der Bild am Sonntag anonym interviewt. Anlass ist die Veröffentlichung des Buches „Deutschland in Gefahr“ von Rainer Wendt, dem Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, das am Dienstag herauskommt.

Der Alltag der Polizei sei bestimmt von zu wenig Personal, zu wenig Kontrolle, zu wenig Respekt, so die Botschaft der drei Polizisten. Im Kampf gegen den Terror sei man praktisch hilflos.

„Wir bekämpfen das Verbrechen nicht mehr, wir verwalten es nur.“

Felix S., seit mehr als 20 Jahren im Polizeidienst, davon die meiste Zeit in Spezialeinheiten, sagte zu BamS:„Das organisierte Verbrechen hat keine Angst vor der Polizei. Die Verbrecher fühlen sich sicher, kriminelle Großfamilien können in Deutschland machen, was sie wollen. Sie wissen, dass die Polizei längst nicht mehr in der Lage ist, gegen sie vorzugehen.“

Als Grund dafür führt S. das professionelle Vorgehen der Straftäter an, das den Mitteln der Polizei weit überlegen sei – auch weil der politische Wille zum Durchgreifen fehle. Er geht soweit zu sagen: „Wir bekämpfen das Verbrechen nicht mehr, wir verwalten es nur.“

Als Mängel führt er an:

Begrenzte Kapazitäten zur Telefonüberwachung. Es könne mit etwas Pech vier Wochen dauern, bis eine Nummer überwacht werden kann. Die Gangster wechseln ihre Nummer jedoch häufig.

„Die Ausrüstung ist an der Grenze zur Lächerlichkeit“, und sei nicht von Qualität und Nützlichkeit, sondern vom „Rahmenvertrag mit einer bestimmten Firma“ bestimmt.

Die Politik habe „gar kein Interesse daran, das organisierte Verbrechen zu bekämpfen. Das kostet Geld und dafür wird man nicht gewählt.“ Es reiche, wenn die Bürger „auf der Straße Uniformen sehen“.

Auch kritisiert er, „die Staatsanwaltschaft steht unter der Knute der Politik.“ In heiklen Fällen würden lieber die Akten geschlossen, „bevor die Öffentlichkeit von dem Dreck erfährt, der in ihrer Stadt passiert“. Beweise würden ignoriert oder verschwinden, schwere Straftäter würden reihenweise laufen gelassen.

„Unsere Waffen taugen nichts im Anti-Terror-Kampf“

Hauptkommissar Klaus M. sagte der BamS: „Die Waffen, die wir benutzen, taugen rein gar nichts im Anti-Terror-Kampf.“ Sowohl Dienstwaffe P6, als auch der Maschinenpistole MP5 fehle die nötige Durchschlagskraft. Bis Anfang der 90er-Jahre sei die Berliner Polizisten paramilitärisch ausgebildet worden, danach seien die schweren Waffen abgeschafft worden – auf Grund der Annahme, dass „in einer friedlichen Demokratie keiner dem anderen was Böses tut“. Hinzukomme: „Alle Polizisten sind eh lausige Schützen! Wir haben zu wenig Zeit für ein umfassendes Training. Es gibt genau drei Übungseinheiten pro Jahr. Mit 40 Schuss pro Training.“

Die neue Anti-Terror-Einheit bestehe aus umgeschichteten Personal, weshalb nun an anderer Stelle eine Lücke klaffe.Auch sei in Berlin das Funknetz der Polizei voller Lücken – „ein Geldproblem“. Man dürfe zwar nicht auf Whatsapp ausweichen, Beamte täten es aber trotzdem.

Aggression gegen Polizei „immens gestiegen“

Das Aggressionspotenzial gegen die Polizei sei „immens gestiegen“. In Berlin habe man das Problem der „organisierten Kriminalität durch arabische Großfamilien.“ Die wüssten, wie sie die Polizei terrorisieren können ohne selbst belangt zu werden: „Rotzfrech, aber leider nicht dumm.“ Da sei man schnell in kürzester Zeit von „20 bis 30 Cousins eingekreist“.

Polizeikommissar Robert K. sagte Ähnliches: „Wenn sich auf der Straße eine größere aggressive Menschenmenge zusammenbraut, dann gilt: Rückzug!“

Polizisten werde kaum noch Respekt entgegengebracht: „Man wird beleidigt und auch mit glimmenden Zigaretten beschnipst. Vor kurzem fuhr ich mit Martinshorn zu einem Einsatz, da sprang plötzlich ein Mann vors Auto, beide Mittelfinger zu mir gerichtet. Das ist mittlerweile schon Routine.“

K. kritisierte außerdem, dass die Polizei mit bürokratischen Aufgaben befasst sei, die nichts mit ihrer eigentlichen Aufgabe zu tun haben. „Wir arbeiten viel zu viel für Statistiken und Versicherungen.“ Man brauche einfach mehr Personal – auch angesichts der vielen Dauerkranken und eingeschränkt einsetzbaren Polizisten. (rf)