Kulturstaatsministerin: Entfernung von „sexistischem“ Gedicht an Berliner Hochschule ist „Kulturbarbarei“

Ein Liebesgedicht ziert die Fassade einer Berliner Hochschule – noch. Denn laut der AStA ist das Gedicht "sexistisch" und soll im Herbst übermalt werden. Die Entfernung des Gedichts sei ein "Akt der Kulturbarbarei", kritisierte nun die Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

„Alleen. Alleen und Blumen. Blumen. Blumen und Frauen. Alleen. Alleen und Frauen. Alleen und Blumen und Frauen. Und ein Bewunderer“ – dieses Liebesgedicht des Dichters Eugen Domringer ziert die Fassade der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin.

Doch nicht mehr lange, denn das Gedicht soll im Herbst mit einem Gedicht der Lyrikerin Barbara Köhler übermalt werden, entschied am Dienstag das Gremium zur akademischen Selbstverwaltung der Hochschule.

Das Gedicht „Avenidas“ war im Frühjahr 2016 vom Studierendenparlament (StuPa) und dem Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (AStA) kritisiert worden. In einem offenen Brief rügten die Studentenvertreter, das Gedicht würdige Frauen zu Objekten männlicher Bewunderung herab und erinnere „unangenehm an sexuelle Belästigung“.

Zwar beschreibt Gomringer in seinem Gedicht keineswegs Übergriffe oder sexualisierte Kommentare, und doch erinnert es unangenehm daran, dass wir uns als Frauen* nicht in die Öffentlichkeit begeben können, ohne für unser körperliches ,Frau*-Sein‘ bewundert zu werden. Eine Bewunderung, die häufig unangenehm ist, die zu Angst vor Übergriffen und das konkrete Erleben solcher führt“, schrieb die AStA in einem Brief.

Kulturstaatsministerin: Entfernung des Gedichts ist „Akt der Kulturbarbarei“

Die Entfernung des Gedichts gefährde die Kunstfreiheit, kritisierte nun die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). „Die Entscheidung des Akademischen Senats der Alice-Salomon-Hochschule, das Gomringer-Gedicht zu übermalen, ist ein erschreckender Akt der Kulturbarbarei“, erklärte die CDU-Landesvorsitzende.

Wer die Kunstfreiheit „durch vermeintliche political correctness unterhöhlt“, betreibe ein gefährliches Spiel, meinte Grütters.

StuPa- und AStA-Kritik ist Ausdruck einer Dominanz linksextremer Positionen

Nach einer einjährigen Debatte beschloss der aus Lehrenden, Verwaltungsmitarbeitern und Studenten bestehende Akademische Senat mit knapper Mehrheit, „Avenidas“ zu entfernen.

Künftig soll die 240 Quadratmeter große Südfassade der Hochschule im Bezirk Hellersdorf alle fünf Jahre neu gestaltet werden. Dies war nach Angaben der Hochschulleitung das Ergebnis einer Studentenbefragung.

Die Diskussion an der Hochschule für Berufe im Bereich Gesundheit und Soziales hatte über Berlin hinaus Wellen geschlagen. Verteidiger des Gedichts sehen in der Kritik von StuPa und AStA den Ausdruck einer Dominanz linksextremer Positionen in den meist mit sehr niedriger Wahlbeteiligung gewählten Studierendenvertretungen. (afp/as)

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