Radikale Kinder – überforderte Ermittler: „Der sitzt im Kinderzimmer und hat Kontakt mit Islamlisten“

Experten sind wenig überrascht, dass ein Zwölfjähriger versucht hat, einen Nagelbombenanschlag auf den Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen zu verüben. Die Propaganda des IS setzte im vergangenen Jahr verstärkt auf Kinder an.

„Nicht nur die Sicherheitsbehörden, auch die Schulen und Jugendämter sind mit diesem Phänomen noch überfordert.“ Das sagt der Terrorismusexperte Peter Neumann vom Londoner King’s College in der „Passauer Neuen Presse“ (PNP), nachdem am Freitag Anschlagspläne eines Zwölfjährigen auf den Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen bekannt wurden.

Von einem „unbekannten Mitglied“ der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) soll der „stark religiös radikalisierte“ Junge „angestiftet oder angeleitet“ worden sein, meldete der „Focus“. Die Tat missglückte, weil der Sprengsatz nicht zündete. „Wir werden solche Vorkommnisse nicht mit polizeilichen Mitteln verhindern können“, sagte dazu Rainer Wendt, der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), laut „PNP“.

„Dass die Terrormiliz IS Kinder rekrutiert, ist erschreckend, aber nicht überraschend“, sagte dazu Oliver Malchow, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP). „Dem IS ist es völlig egal, wen er in den Tod schickt“, so Malchow zur „Neuen Osnabrücker Zeitung“ am Samstag.

Wie erkennt man radikalisierte Kinder?

Die Fahnder stehen nun vor dem Problem, wie sie junge radikalisierte Täter erkennen sollen. Der Gewerkschaftschef sagte: „Bei solch einem Jungen ist das ganz schwierig: Der sitzt in seinem Kinderzimmer vor dem Rechner und hat Kontakt mit den Islamlisten.“ Deshalb müsse die Suche nach potenziellen Tätern im Internet intensiviert werden.

Der GdP-Vorsitzende wies darauf hin, dass auch Kinder bei entsprechender Gefährlichkeit in geschlossenen Jugendeinrichtungen untergebracht und damit aus dem Verkehr gezogen werden können. Über den 12-jährigen Bombenleger wurde berichtet: Er befinde sich in einem Jugendheim.

IS fängt Kinder mit brutalen Videos

In der Zeitung „Welt“ kam die Extremismusexpertin Susanne Schröter zu Wort. Die Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Frankfurter Goethe-Universität, sagt: „Kinder sind überhaupt noch nicht im Fokus von Präventionsmaßnahmen.“ Diese richteten sich bisher an Jugendliche ab 16 Jahren. Dabei seien Kinder besonders leicht beeindrucken und hätten kein Widerstandspotenzial gegen die „Gehirnwäsche“, so Schröter.

Offenbar sind Kinder eine neue Zielgruppe der Terroristen. Seit einem Jahr stellt die Terrormiliz Islamischer Staat verstärkt Videos ins Netz, in denen Kinder die Hauptakteure sind, erklärt Schröter. „Kinder, die zum Teil vier, fünf, sechs Jahre alt sind, die mit Waffen hantieren, die martialische Parolen brüllen und die sogar Gefangene erschießen. Also wirklich grausame Dinge.“ Diese Videos seien samt ihrer Ideologie auch in Deutschland für Kinder zugänglich – durch das Internet.

Schröter schlägt vor, schon in der Grundschule Widerstandsfähigkeiten gegen extremistische Ideologie aufzubauen – eine Art Demokratie- und Toleranzerziehung. Auch müsse man sich dringend um Kinder kümmern, deren Eltern in Syrien beim IS waren und nun zurückkehren.

Nach Focus-Informationen überlegte der 12-jährige Bombenleger, der deutsch-irakischer Abstammung ist, bereits im Sommer 2016, nach Syrien auszureisen, um sich dem IS anzuschließen.

Siehe auch:

12-Jähriger plante Nagelbombenanschlag auf Weihnachtsmarkt – Von IS „angestiftet oder angeleitet“

(rf / dts)