#StopFoodWaste: Auf den Teller statt in den Müll

Epoch Times3. February 2018 Aktualisiert: 3. Februar 2018 9:58
Mehr als 80 Kilo Lebensmittel wirft jeder Deutsche pro Jahr in den Müll. Eine europaweite Initiative gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln ruft Kanzlerin Merkel und den französischen Präsidenten Macron nun zum Handeln auf.

Mehr als 80 Kilo Lebensmittel wirft jeder Deutsche pro Jahr in den Müll – ein Skandal, findet eine europaweite Initiative gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln, die im Internet rund eine Million Unterstützer gesammelt hat.

Nun ruft sie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den französischen Präsidenten Emmanuel Macron zum Handeln auf. Das Ziel: Ein EU-weites Verbot für Supermärkte, Lebensmittel zu vernichten. In Frankreich gibt es das bereits, das Gesetz wird am Wochenende zwei Jahre alt.

„Ich appelliere an Kanzlerin Merkel und Präsident Macron: Wenn sie in Europa und weltweit Führungskraft beweisen wollen, müssen sie es jetzt unter Beweis stellen.“ Das sagt der französische Politiker Arash Derambarsh, der die Petition #StopFoodWaste (Stoppt die Lebensmittelverschwendung) ins Leben gerufen hat. Auch in der Bundesrepublik hat sein Online-Aufruf großen Anklang gefunden, die magische Marke von einer Million Unterstützern wurde gerade erst geknackt.

Derambarsh gehört der Partei Les Républicains (Die Republikaner) an, der französischen Schwesterpartei der Union. Der Franzose mit iranischen Wurzeln setzt sich seit Jahren dafür ein, unverkäufliche Supermarktprodukte an Bedürftige zu verteilen. Der Kommunalpolitiker aus Courbevoie im Pariser Nordwesten hat auch medienwirksam für das Gesetz getrommelt, das die französische Nationalversammlung am 3. Februar 2016 verabschiedete, unter Federführung der damals noch regierenden Sozialisten.

Es verpflichtet große Supermärkte, überschüssige Lebensmittel an Hilfsorganisationen zu spenden statt sie auf den Müll zu werfen. Bei Verstößen droht eine Strafe von 3750 Euro. Nach Angaben von Hilfsorganisationen konnten dadurch gut 20 Prozent mehr Mahlzeiten an Bedürftige ausgegeben werden.

Auch das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen unterstützt die Petition für verbindliche Regeln auf EU-Ebene. „Ich bin guter Hoffnung, dass daraus eine europäische Verordnung wird“, sagt die französische WFP-Beauftragte Geneviève Wills. Denn auch Italien und Finnland haben inzwischen ähnliche Gesetze auf den Weg gebracht.

Deutschland ist bisher zurückhaltend. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) lehnte erst vor rund einem Jahr einen Vorstoß von Nordrhein-Westfalen ab, eine Gesetzesinitiative wie in den anderen EU-Ländern zu erarbeiten. „Der Großteil unserer Lebensmittelabfälle entsteht in den Privathaushalten, da können wir mit einem Gesetz nichts erreichen“, betonte Schmidt in einem Interview.

Stattdessen startete der Minister im vergangenen Jahr die Initiative „Zu gut für die Tonne“. Unter diesem Motto finden Verbraucher auf der gleichnamigen Internetseite „kreative Kochideen für Übriggebliebenes“ und werden auf eine Handy-App mit Rezepte-Tipps verwiesen.

Der Verbraucherorganisation Foodwatch geht der Vorstoß des Landwirtschaftsministers nicht weit genug. „Es ist irreführend so zu tun, als ob man mit einer Aufklärungskampagne und Appellen an die Verbraucher das Problem lösen könnte“, sagt Andreas Winkler von Foodwatch in Berlin. „Schicke Plakate und eine hippe App“ reichten nicht aus. Vielmehr müsse die Regierung die ganze Produktionskette von den Landwirten über den Lebensmittelhandel bis zum Kunden in den Blick nehmen.

Auch der französische Politiker Derambarsh wirft Schmidt eine „Unkenntnis“ der Sachlage vor. Natürlich helfe es, wenn Bürger ihre Einkäufe besser planten. Aber der „neuralgische Punkt“ seien eben die großen Einzelhändler, sagt der Konservative. Und da sei der Gesetzgeber gefragt.

Derambarsh setzt nun auf Macron: Dieser habe ihm im Oktober bei einem Empfang im Elysée-Palast zugesagt, den europäischen Staats- und Regierungschefs 2018 ein gemeinsames Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung vorzuschlagen. Er glaubt, dass der dynamische Präsident dann auch die EU-Kommission und die Kanzlerin überzeugt. (afp)

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