BIZ: Mächtigste Bank der Welt sieht „Finanzkrisen-Risiko in China, Brasilien und Türkei“

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat in einem neuen Quartalsbericht China und verschiedene Schwellenländer als Risiko-Kandidaten für eine inländische Bankenkrise bezeichnet.

Wegen des hohen Ansteckungsrisikos könnten solche regionalen Finanzkrisen, sollten sie ausbrechen, eine internationale Krise nach sich ziehen.

Die in der Schweiz beheimatete BIZ gilt als die „Zentralbank der Zentalbanken“ und hat Indikatoren entwickelt, mit der sie Risiko-Kandidaten erkennt, die innerhalb der nächsten drei Jahre in Schwierigkeiten geraten könnten. Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten nahmen den BIZ-Bericht genau unter die Lupe und fanden folgende Knackpunkte:
„Es gibt in den Schwellenländern eine fatale Risikokumulation. Sie resultiert vor allem aus einer in den letzten Jahren sehr stark angewachsenen Verschuldung des privaten Sektors. In Nordamerika und Europa ist dagegen die öffentliche Verschuldung besorgniserregend angewachsen. Als Wirtschaftsraum ganz besonders betroffen ist Asien, mit China im Zentrum.“
China, Brasilien und Türkei
Nach Erfahrungen mit früheren Krisen ist die Lage in China, Brasilien und der Türkei hoch riskant. Hier könnte es innerhalb der nächsten drei Jahre zu klassischen inländischen Bankenkrisen kommen. Aber auch andere asiatische Länder zeigen stark erhöhtes Risiko. Dies sind Hongkong, Singapur, Malaysia, Indonesien und Thailand, wodurch ganz Asien zur Risiko-Zone wird. Singapur oder Hongkong haben durch ihre großen Devisenreserven noch einen gewissen Vorteil vor anderen Ländern.
Nur in Andeutungen formulierte die BIZ, in welchen Ländern sie auch politische Risiken sieht – also die Gefahr von Umsturz, Unruhen und Bürgerkriegen: Die Türkei, Brasilien oder Malaysia tauchen in diesem Zusammenhang auf. In solchen Ländern könnten ausländische Fondsanleger eine Finanzkrise auslösen, wenn sie im Fall von politischer Unruhe mit Panikrückzügen reagieren.
Ein zusätzliches Risiko für die Schwellenländer ist der starke Rückgang ausländischer Direktinvestitionen in der ersten Jahreshälfte 2015, wie die Financial Times berichtete. Die Währungsrisiken gehen für die Schwellenländer vom US-Dollar aus, während Yen und Euro nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Hauptrisiko China
Der Investitionsboom in China war vor allem kreditgetrieben. Er ging mit hohen Rohstoffpreisen und Erwartungen einher. Wenn Chinas Wirtschaftswachstum langfristig nicht so stark weiter expandiert wie gedacht, wird das zum Problem. Die Schuldenlast liegt hauptsächlich bei privaten Investoren und wird für diese zum Bumerang. Der Worstcase für Chinas Wirtschaft wäre eine „harte Landung“, weil sie die Rohstoffpreise weiter unter Druck bringen würde. Durch Einbußen bei Exporterlösen der Rohwaren-Produzenten und anderer Zulieferer würden die Währungen im asiatisch-pazifischen Raum abfallen.
Wie verhält sich die FED?
Wenn die amerikanische Zentralbank die Zinsen erhöht, wird dies Auswirkungen auf die Schwellenländer haben. Für Investoren würde es wieder attraktiver, ihr Geld in die USA statt in Schwellenländer mit höheren Zinsen zu verschieben. Ein gestärkter US-Dollar würde demnach Kredite teurer machen, auf die Rohstoffpreise drücken und die Kapitalflucht aus den Schwellenländern anheizen, was indirekt und mit Verzögerung zu Zinshaussen in den Ländern führen könnte.

Aber auf Zinserhöhungen zu Verzichten, wäre für die FED auch nicht die Lösung, analysierte die DWN. Würde die US-Zentralbank jetzt zögern, müsste sie später verschärft aufholen – mit noch mehr Risiken. Die DWN konstatierte, dass die FED Momentan nur ein Faktor in einem noch komplexeren Spiel sei und das eigentliche Geschehen in China und Asien stattfindet. (rf)