Yachana: „Ort des Lernens“ im ecuadorianischen Regenwald

Auf einem Hektar Regenwald finden sich 250 verschiedene Baum- und annähernd 1.500 unterschiedliche Pflanzenarten. – Río Napo.  Foto – Dr. Jutta Ulmer und Dr. Michael Wolfsteiner Es ist heiß, 28 Grad …

Auf einem Hektar Regenwald finden sich 250 verschiedene Baum- und annähernd 1.500 unterschiedliche Pflanzenarten. – Río Napo.

Auf einem Hektar Regenwald finden sich 250 verschiedene Baum- und annähernd 1.500 unterschiedliche Pflanzenarten. - Río Napo. (Foto - Dr. Jutta Ulmer und Dr. Michael Wolfsteiner)  Foto – Dr. Jutta Ulmer und Dr. Michael Wolfsteiner

Es ist heiß, 28 Grad im Schatten, die Luftfeuchtigkeit beträgt über 90 Prozent. Auf schweißnasser Haut tragen wir langärmlige T-Shirts, lange Hosen und Gummistiefel, um uns vor lästigen Moskitos, riesigen Ameisen und giftigen Spinnen zu schützen. Wir wandern durch das feuchte Dickicht des ecuadorianischen Regenwaldes. Imposante Baumriesen säumen unseren schlammigen Weg. In Astgabeln nisten Orchideen und Moose. Lianen und Schlingpflanzen drohen, ihre Wirtsbäume zu erdrücken. „Auf einem Hektar Regenwald finden sich 250 verschiedene Baum und annähernd 1.500 unterschiedliche Pflanzenarten“, doziert Miguel, unser Führer. Er zeigt uns die hühnereigroßen Samen der Elfenbeinpalme, aus denen Kunsthandwerk und Knöpfe geschnitzt werden. Er lässt uns die Früchte des Kaffeestrauchs und die Bohnen des Kakaobaums probieren, sucht nach Würgefeigen, fleischfressenden Pflanzen und heilenden Gräsern. Er macht uns aufmerksam auf farbenprächtige Papageien, grazile Schmetterlinge, Wespennester und die Rufe der unsichtbaren Waldtiere.
Oriente – das artenreiche Amazonien
Das artenreiche Amazonien, auch Oriente genannt, ist mit 130.000 Quadratkilometern die größte Region Ecuadors. In dem schwer zugänglichen Gebiet leben etwa 600.000 Menschen. Viele von ihnen gehören indigenen Gemeinschaften an. Wir befinden uns in der Provinz Napo, im Territorium der Quechua.

Pfahlhaus am Río Napo
Pfahlhaus am Río Napo (Foto - Dr. Jutta Ulmer und Dr. Michael Wolfsteiner)Foto – Dr. Jutta Ulmer und Dr. Michael Wolfsteiner
Hier lebt Don José. Er ist, wie schon sein Vater und Großvater, traditioneller Heiler in Humoyacu, einem kleinen Dorf am Ufer des Río Napo. Don José kennt die Wirkungen von über 100 Medizinalpflanzen. Mit dem Sud der Katzenkralle, einer Lianenart, behandelt er Rheuma, aus Zitronengras kocht er Tee gegen Erbrechen und den Saft des Drachenblutbaums gibt er auf Schnittwunden, um die Narbenbildung zu verhindern. Die Leute des Dorfes und der näheren Umgebung suchen bei ihm Rat, bitten im Krankheitsfall um Diagnose und Heilmittel, bezahlt wird in der Regel mit Naturalien. Don José lädt uns in sein Palmblatt bedecktes Pfahlhaus ein und bittet uns, auf dem Boden Platz zu nehmen. Er trägt einen Kopfschmuck aus grünen Papageienfedern, sein Blick ist gütig, wohltuend und ruhig. Ein Kürbisgefäß, gefüllt mit glühenden Kohlen und Bienenwachs, steht für die Reinigungszeremonie der weitgereisten Fremden aus dem fernen Europa bereit. Wir schließen unsere Augen. Don José bläst Tabakrauch über unsere Körper, streicht mit einem Strauß aus Blättern über unsere verschwitzten Arme, Beine, über Kopf und Rumpf. Es ist angenehm, entspannend, zärtlich, kühl. Dankbar, beschwingt und ein bisschen entrückt verlassen wir Don José. Am Ufer des Río Napo wartet ein motorisiertes Kanu auf uns. Vorbei an Fischern, Goldwäscherinnen und Kindern mit aufgeblähten Bäuchen fahren wir zurück in unsere Dschungelherberge, die Yachana Lodge.

Yachana – Ort des Lernens
Die Yachana Lodge ist eine Dschungelherberge am Ufer des Río Napo. Hier werden Touristen in die wuchernd-grüne Schönheit des Regenwaldes eingeführt, aber auch für Umweltschäden sensibilisiert, die 40 Jahre Ölförderung im ecuadorianischen Amazonastiefland angerichtet haben. 100 Prozent des Profits, den die Yachana Lodge erwirtschaftet, fließen in soziale und naturschützende Projekte.

„Yachana ist ein Quechua-Wort und bedeutet Ort des Lernens“, übersetzt Miguel. Hier sollen Gäste aus aller Welt Einblicke in die faszinierende Flora und Fauna des Regenwaldes erhalten. Das Ökotourismus-Projekt will aber auch für die verheerenden Umweltschäden sensibilisieren, die Ölkonzerne und Holzfäller in den letzten vier Jahrzehnten im Oriente angerichtet haben.

Vergiftete Umwelt – Leiden im Paradies
1967 entdeckte eine US-amerikanische Firma reiche Ölvorkommen im ecuadorianischen Amazonastiefland. Seither wurden über 1.000 Bohrstellen errichtet und 40 Prozent des tropischen Regenwaldes zerstört. Er musste neuen Straßen, Helikopterlandeplätzen, Bohranlagen, Pipelines und Arbeitersiedlungen weichen. Drei Bootsstunden von der Yachana Lodge entfernt liegt Coca, eine dreckige Industriestadt inmitten des Regenwaldes. Hier sorgen schäbige Kneipen und billige Bordelle für das feierabendliche Vergnügen der Beschäftigten der petrochemischen Industrie. Über die löchrige Hauptstraße donnern riesige Laster, beladen mit Pipelinestücken und Ausrüstungsgegenständen für die nahen Bohrstellen im gerodet-grünen Nirgendwo des Dschungels. Bereits an den Förderstätten werden Öl, Erdgas, Formationswasser und Sedimente voneinander getrennt. Mangels eines Absatzmarktes fackeln die Ölfirmen das Erdgas vor Ort ab, giftige Verbrennungsstoffe entstehen. Das Formationswasser hingegen wird gemeinsam mit den Chemikalien in offenen Sickergruben gelagert. Der tägliche tropische Regen bringt die Auffangbecken immer wieder zum Überlaufen. Hochtoxische Salze und Schwermetalle gelangen so in Flüsse, Lagunen und das Grundwasser. Fische und Jahrhunderte alte Bäume sterben. Die Anbaufelder der indigenen Waldbevölkerung werden verseucht. Wilde Tiere fliehen aus ihren Revieren. Krankheiten breiten sich aus. In den Ölfördergebieten leiden überdurchschnittlich viele Menschen an Atembeschwerden, Allergien, Bewusstseinsstörungen, Leber-, Haut- und Kehlkopfkrebs.
Wenngleich das Erdöl Amazoniens Ecuador die Hälfte seiner Deviseneinnahmen beschert, lebt der Großteil der indigenen Waldbevölkerung in Armut, ohne Zugang zu Schulen, Gesundheitszentren und sauberem Trinkwasser.

Beitrag zum Erhalt des Regenwaldes

Deshalb ist es das Ziel der Stiftung FUNEDESIN, einen Beitrag zum Erhalt des Regenwaldes zu leisten sowie die Lebensbedingungen seiner Bewohner zu verbessern. Um die Finanzierung ihres Engagements in Amazonien langfristig zu sichern, hat FUNEDESIN im Jahr 1995 die Yachana Lodge in der Quechua-Gemeinde Mondaña erbaut. 100 Prozent des Profits, den die Yachana Lodge erwirtschaftet, fließen in die sozialen und naturschützenden Projekte der Stiftung: Schulen werden gebaut und umwelterzieherische Seminare durchgeführt. Regenwald wird gekauft, die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen gefördert und die Gründung kleiner Betriebe unterstützt. In Mondaña bietet eine Klinik 10.000 Quechua, die entlang des Río Napo leben, allgemein und zahnmedizinische Behandlungen zu Niedrigstpreisen an. Ihr anfängliches Misstrauen gegenüber den fremdartigen Apparaten der Schulmedizin und studierten Ärzten aus der Stadt überwindend, kommen immer mehr Menschen in das Gesundheitszentrum, das seine Arbeit nicht in Konkurrenz zu als vielmehr in Kooperation mit den traditionellen Heilern der Umgebung tut.
Schon mehrfach als eines der besten Ökotourismus-Projekte Ecuadors ausgezeichnet, wurde die Yachana-Lodge in traditionellem Stil aus Holz erbaut, wobei alle Gästezimmer über Duschen, warmes Wasser und selbst erzeugten Solarstrom verfügen. Für FUNEDESIN ist es selbstverständlich, dass Bioabfall kompostiert, lokales Personal beschäftigt und regionale Kost im gemütlichen Gemeinschaftshaus serviert wird. Zu frittiertem Maniok und Spinat aus Palmherzblättern gibt es am heutigen Abend fangfrischen Fisch aus dem Río Napo, der in Pfeilwurzblätter eingewickelt, mit Lianen verschnürt und dann über einem offenen Feuer gegart wurde. Der Fisch hat das Aroma der Pflanzenblätter angenommen und schmeckt einfach wunderbar. Träge erheben wir uns von unserem köstlichen Dschungelmahl, um mit Taschenlampen bewaffnet den nächtlichen Regenwald zu erkunden: In Baumspalten, abgestorbenen Palmstümpfen und verdorrten Zweigen tummeln sich Kakerlaken, Taranteln, Skorpione und gut getarnte Stabschrecken. Aus einem sumpfigen Teich leuchten uns die rötlichen Augen eines Kaimans entgegen, während eine kleine, wunderschöne Boa constrictor genüsslich eine Echse verschlingt.
Die Nacht ist sternenklar. Es ist friedlich-still und doch so laut: Affen verteidigen brüllend in den Baumwipfeln ihr Revier. Vögel und Frösche sing-quaken aus vollem Hals. Überall zirpt, pfeift, kreischt und summt es. Gebannt lauschen wir der tausendstimmigen Nachtmusik des Dschungels.

Yachana Lodge

Die Yachana Lodge ist eine Dschungelherberge am Ufer des Río Napo. Hier werden Touristen in die wuchernd-grüne Schönheit des Regenwaldes eingeführt, aber auch für Umweltschäden sensibilisiert, die 40 Jahre Ölförderung im ecuadorianischen Amazonastiefland angerichtet haben. 100 Prozent des Profits, den die Yachana Lodge erwirtschaftet, fließen in soziale und naturschützende Projekte.
Es werden viertägige (336 US$ pro Person) bzw. fünftägige (448 US$ pro Person) Aufenthalte in der Yachana Lodge angeboten. Im Preis inbegriffen sind die Bootsfahrt von Coca nach Mondaña und zurück, Unterkunft in Zwei- bzw. Dreibettzimmern, Verpflegung, geführte Exkursionen, zweisprachige (spanisch-englisch) lokale Führer und die Hotelsteuer.

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