Neue Studie zeigt bedenkliche molekulare Unterschiede zwischen GMO- und Nicht-GMO-Mais

Eine neue Studie hat die molekularen Profile von genmanipuliertem mit denen von nicht-genmanipuliertem Mais verglichen. Die Studie zeigt deutlich, dass der Gen-Transformationsprozess zu einer grundlegend verschiedenen Zusammensetzung bei der in der EU zugelassenen Sorte NK603 führt, und sie demonstriert, dass dieser Gen-Mais keineswegs identisch oder gleichwertig mit seinem nicht-manipulierten Gegenstück ist. Die ausgeprägte Zunahme an Putrescin und insbesondere Cadaverin bereitet Sorgen, weil diese Substanzen potenziell giftig sind.

Eine einzigartige neue Studie, die im Wissenschaftsmagazin „Nature“ veröffentlicht wurde, hat die molekularen Profile von genmanipuliertem mit denen von nicht-genmanipuliertem Mais verglichen. Die Ergebnisse stellen die Haltungen von Industrie und regulatorischen Behörden in Frage, die von „substanzieller Gleichheit“ der beiden sprechen, und sie beinhalten ernste Sicherheitsprobleme.

Die neue, durch Fachleute geprüfte Studie von Dr. Michael Antoniou vom King’s College in London beschreibt die Auswirkungen des Prozesses der Genmanipulation auf die Zusammensetzung einer genmanipulierten Maissorte, NK603, die widerstandsfähig gegen das glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel Roundup ist.

Im Juni 2004 erteilte die EU-Kommission der Firma Monsanto die Zulassung des Maises NK603 als Futter- und wenige Monate später auch als Lebensmittel. Umweltorganisationen bemängelten die lückenhafte Risikobewertung – ohne Langzeitauswirkungen auf die Umwelt noch Allergiegefahr bei Menschen – sowie fehlende wissenschaftliche Erkenntnisse. Im April 2015 folgte die Verlängerung der Zulassung (Lebensmittel / Futtermittel) um 10 Jahre.

„Unsere Studie zeigt deutlich, dass der Gen-Transformationsprozess zu einer grundlegend verschiedenen Zusammensetzung bei der Sorte NK603 führt, und sie demonstriert, dass dieser Gen-Mais keineswegs identisch oder gleichwertig mit seinem nicht-manipulierten Gegenstück ist. Die ausgeprägte Zunahme an Putrescin und insbesondere Cadaverin bereitet Sorgen, weil diese Substanzen potenziell giftig sind. Von ihnen wird berichtet, dass sie die Wirkung von Histamine verstärken und somit allergische Reaktionen auslösen. Beide stehen [ebenfalls] mit der Bildung von krebserregenden Nitrosaminen im Zusammenhang, die sich durch Nitrit in Fleischprodukten finden. Unsere Ergebnisse rufen zu einer intensiveren und langfristig angelegten Auswertung der Sicherheit des NK603-Konsums auf“, stellt Dr. Antoniou fest.

Eingehende Analysen von Proteinarten („Proteomik“) und kleinen biochemischen Molekülen („Metabolomik“) zeigten größere Unterschiede in der Zusammensetzung zwischen NK603 und seinem nicht-genmanipulierten Pendant. Die Ergebnisse zeigen nicht nur Störungen im Energieverbrauch und oxidativem Stress (Beschädigung von Zellen und Gewebe durch reaktiven Sauerstoff), sondern auch eine beunruhigend große Zunahme von bestimmten Substanzen (Polyaminen).

Polyamine, die in zunehmenden Mengen im GMO-NK603-Mais gefunden werden, beinhalten Putrescin und Cadaverin, die verschiedene toxische Wirkungen hervorrufen können. Zum Beispiel können sie die Wirkung von Histaminen verstärken und so allergische Reaktionen steigern. Außerdem werden beide Stoffe mit karzinogenen Substanzen namens Nitrosaminen in Zusammenhang gebracht.

Insgesamt widerlegen die Ergebnisse dieser Studie Behauptungen der Industrie und der Regulierungsbehörden, NK603 sei wesentlich baugleich‘ mit seinem nicht-genmanipulierten Gegenstück. Sie legen indessen eine intensivere und langfristige Auswertung der Sicherheit von Konsumprodukten aus diesem GMO-Mais nahe.

Hintergrund der Studie

1. Von den Regulierungsbehörden, deren Aufgabe es ist, die Sicherheit von GMO-Pflanzen und -Nahrung zu überprüfen, wird die Feststellung der ’substantiellen Gleichwertigkeit‘ als entscheidende Ausgangsbasis erwartet und begrüßt. Wenn die Analyse von Nahrungsmitteln und bekannten Giften zeigen, dass eine GMO-Pflanze mit einer nicht-genmanipulierten gleichwertig ist, gilt diese als ‚wesentlich gleichwertig‘. Das bedeutet, dass keine oder nur wenige Sicherheitstests, falls überhaupt, erfolgen müssen, besonders in den USA.

2. Genetisch modifizierter Mais NK603, der so manipuliert wurde, dass er glyphosathaltige Unkrautvernichter wie Roundup überlebt, wurde als ‚wesentlich gleichwertig‘ mit seinem nicht-genmanipulierten Gegenstück bezeichnet. Dieses Urteil basiert auf der Analyse der Bestandteile beider Pflanzen. Infolge dessen wurde der Pflanze die Marktzulassung gewährt.

3. Jedoch ist diese Analysemethode relativ grob und kann möglicherweise feine, aber wichtige Unterschiede zwischen GMO und Nicht-GMO übersehen, die Auswirkungen auf die Gesundheit ihrer Konsumenten haben können. So beinhaltet die Zusammensetzungs-Analyse das Feststellen der Proteine insgesamt, was jedoch weniger bedeutend ist als das Profil der verschiedenen Proteinarten. Mit anderen Worten: Der Teufel steckt im Detail. Jedoch ist dieses Detail nicht Analysegegenstand von Produkten.

4. Ziel dieser Studie war [genau] diese Lücke in der Information über den Inhalt des RoundUp-toleranten Maises NK603. In ihr wurden beide Erntepflanzen unter gleichen Bedingungen am gleichen Ort und in derselben Wachstumsphase angebaut – mit ausreichendem Abstand zwischen beiden zur Vermeidung von Kontamination. Ein NK603-Feld wurde einmal mit RoundUp besprüht, ein anderes mit derselben Pflanze nicht. In zwei Anbauzyklen über zwei Wachstumsperioden wurden Kostproben erzeugt. So minimierte man weitgehend Umweltauswirkungen auf die Zusammensetzung der Pflanzen. Das Ergebnis ist eine vergleichende Analyse, die die Wirkung der Genmanipulation besonders hervorhebt.

5. Ratten, die über einen Zeitraum von 2 Jahren mit diesem GMO-Mais gefüttert wurden, zeigten höhere Fälle von Leber- und Nierenschäden im Vergleich mit den Kontrollpflanzen. Siehe auch  Séralini et al., Environmental Sciences Europe, 26:14 – [Siehe: Angreifer Séralinis wegen Fälschung im Fall der Prüfung der Monsanto-Studie für schuldig befunden – Seralini Attacker Found Guilty of Forgery over Monsanto Study Review ]

Analyseverfahren

Analysemethoden, die insgesamt als „Omik“-Technologie bekannt sind, können verwendet werden, um ein ausführliches molekulares Profil einer biologischen Substanz zu erhalten. Diese Technologie beinhaltet Transkriptomik (Profil der Genfunktion), Proteomik (Profil des Eiweißtyps) und Metabolomik (Profil kleiner biochemischer Metaboliten). Anders als die [o. g.] grobe Analyse ermitteln die Omik-Technologien hochdetaillierte Molekülzusammensetzungen und Informationen über biologische Funktionen einhergehend mit hohen Vorhersagbarkeit über den Stand von Gesundheit und Krankheit.

In dieser Studie haben Dr. Antoniou und seine Kollegen Proteomik- und Metabolomik-Analysen vorgenommen, im Laufe derer sie NK603 mit seinem nicht-genmanipulierten Gegenstück verglichen mit dem Ziel, das Verständnis der Auswirkungen des gentechnischen Veränderungsverfahrens zu vertiefen, das bei der Erzeugung dieser GMO-Maissorte Anwendung findet. Zusätzlich wurde die Sorte NK603, die sowohl mit als auch ohne Spritzen von RoundUp angebaut wurde, dahingehend untersucht, ob der Unkrautvernichter sich überhaupt auf die biochemische Zusammensetzung dieser GMO-Maissorte auswirkt.

Diese breitgefächerte Analyse kann eingehender und genauer ermitteln, ob NK603 wirklich ‚wesentlich gleichwertig‘ mit seiner entsprechenden Nicht-GMO-Sorte ist und ob aus ihr irgendwelche Gesundheitsprobleme erwachsen.

Ergebnisse

1. Bei insgesamt 117 Proteinen und 91 kleinen biochemischen Molekülen (Metaboliten) fanden sich statistisch bedeutsame Veränderungen im NK603-Mais infolge der gentechnischen Veränderung.

2. Die gentechnische Veränderung trug wesentlich zur Veränderung der Protein- und Metaboliten-Profile bei, weniger die Umweltfaktoren wie das Sprühen von RoundUp oder die Wachstumsperiode selbst.

3. Die Veränderung des Protein-Profils, die durch die Proteomik-Analyse ermittelt wurde, ist eine Reaktion auf ein Ungleichgewicht im Energiegebrauch und im oxidativen Stress (Schädigung von Zellen und Gewebe durch reaktiven Sauerstoff).

4. Unterschiede im kleinen molekularen biochemischen Profil, zu Tage gefördert durch Metabolomik, bestand größtenteils in der Zunahme einer Art von Stoffen, die als Polyamine bekannt sind: Die Anteile der potenziell giftigen Substanzen Putrescin und besonders Cadaverin waren mit GM-NK603-Mais deutlich erhöht.

Schlussfolgerungen

1. GM-NK603-Mais und seine vergleichbare nicht-genmanipulierte Vergleichssorte sind NICHT ‚wesentlich gleich‘.

2. Der gentechnische Veränderungsprozess verursachte Veränderungen sowohl im Protein- als auch metabolischen Profil beim NK603-Mais.

3. Diese nicht bestätigte Übereinstimmung der beiden Maissorten und die Zunahme der giftigen Stoffe (Polyamin, Putrescin, Cadaverin) im NK503-Mais zeigen, dass eine genauere Untersuchung der Sicherheit von Erzeugnissen aus dieser genmanipulierten Nahrung geboten ist.

Bedeutung für die Gesundheit

Die gentechnische Veränderung bewirkt eine allgemeine Störung innerhalb der GMO-Pflanze. Ob die gestiegenen Anteile von Putrescin und Cadaverin in den NK603-Proben auf Anzeichen möglicher negativer Auswirkungen auf die Gesundheit bei Ratten hinweisen, die mit diesem Mais gefüttert wurden, bedarf weiterer Analysen von langfristigen Nahrungsstudien bei Labortieren. Hierbei müssen Methoden angewendet werden, die die Menge dieser Polyamine und ihre Auswirkungen noch feiner ermitteln können.

Die hochmodernen Omik-Methoden des Ermittelns molekularer Profile könnten unser Verständnis der Unterschiede zwischen GMO-Pflanzen und ihren nicht-genmanipulierten Gegenstücken vertiefen. Dies würde es Wissenschaftlern ermöglichen, die Sicherheitstests vor der kommerziellen Freigabe zu verbessern, denn hier würden die erhöhten Werte bekannter Gifte (z. B. bestimmte Polyamine, die innerhalb der Studie in erhöhten Dosen festgestellt wurden) oder neuartiger Gifte und potenziell allergener Substanzen ermittelt.

Hier der gesamte Forschungsbericht:

An integrated multi-omics analysis of the NK603 Roundup-tolerant GM maize reveals metabolism disturbances caused by the transformation process

Autoren: Robin Mesnage, Sarah Z. Agapito-Tenfen, Vinicius Vilperte, George Renney, Malcolm Ward, Gilles-Eric Séralini, Rubens O. Nodari & Michael N. Antoniou

(Netzfrauen/mh)