Chinas Vorstellung von wirksamer Propaganda

Von 27. Februar 2005 Aktualisiert: 27. Februar 2005 9:54

„ Ich möchte gern in Deinen Armen liegen, liebes Vaterland!“, absurd für deutsche Ohren? Die Propaganda-Organe der chinesischen Führung finden es offensichtlich sehr überzeugend.

In der vergangenen Woche wurden in einer Kampagne weltweit Tausende von Telefonanschlüssen mit Anrufen dieser Art lahmgelegt. Tagelang stand das Telefon bis Mitternacht nicht still, weil Chinas Regierung meinte, mit dieser wichtigen patriotischen Botschaft, wie unsinnig auch immer, Andersdenkende in Australien, Amerika, Europa und anderswo via Band auf Parteilinie bringen zu können.

Jing Valk ist eine der Betroffenen. Sie lebt in Deutschland, hat ein Geschäft und schreibt nebenher für die unabhängige chinesische Zeitung Dajiyuan. Dajiyuan hat seit November vorigen Jahres mit idealisierenden Vorstellungen über die Kommunistische Partei aufgeräumt und in wöchentlicher Folge eine Serie von neun ausführlichen Kommentaren über die KP und Machthunger und Menschenverachtung ihrer Führer veröffentlicht, inklusive Darstellung der daraus resultierenden Leiden von Millionen von Menschen. (siehe die Deutsche Übersetzung in der Sonderbeilage dieser Zeitung).

Sowohl Chinesen als auch Westler wurden telefonisch bombardiert, zu Hause, auf der Arbeit, auf ihren Handys. Unbekannt ist, nach welchen Kriterien die Angerufenen ausgesucht wurden. Unbekannt, woher der chinesische Staatssicherheitsdienst die privaten Informationen über die Abtrünnigen der KP im Ausland bezog. Laut vorliegenden Informationen gehören zum Kreis der Angerufenen neben zahlreichen in westlichen Ländern lebenden chinesischen Journalisten auch Praktizierende der Falun Gong-Meditation.

Der in den USA lebende chinesische Kolumnist Feng Lin und seine Frau wurden auch von der Telefonflut getroffen. „Mein Telefon hat drei Tage lange fast ununterbrochen geklingelt. Ich wäre fast wahnsinnig geworden.“ stöhnte die Frau des Kolumnisten.

Aber vom Band schallt es „Alles Gute, mein Vaterland! Alle deine Kinder werden für dich beten….“

Während sich die einen über die mehr als aufdringlichen Telefonanrufe wundern, melden andere chinesische Journalisten in den USA unerwartete Besuche von Mitarbeitern des Staatssicherheitsdienstes bei ihren Familienangehörigen in China. Der stellvertretende Intendant des chinesischen Fernsehsenders NTDTV, Annan Ma, erfährt am chinesischen Neujahrstag von seinem in China lebenden Bruder, dass die Staatssicherheitsleute seine Verwandten innerhalb kurzer Zeit schon mehrmals aufgesucht haben. „Hör zu und rede nicht“, sagt sein Bruder am Telefon: „sie wissen alles über dich, deine Festnetznummer, deine Handy-Nummer, Deine Fernsehbeiträge. Sie möchten sich mit dir treffen, in Hongkong oder Macao. “ Die Stasi von Peking lässt seinen Bruder noch ausrichten: „Die Gesundheit ist wichtig, aber die Sicherheit, auch die deiner Familienangehörigen, ist noch wichtiger.“ Das überrascht Ma nur bedingt, denn seine Familie in New York hat bereits anonyme Drohanrufe bekommen. „Das hat sehr wahrscheinlich mit der Fernsehserie über die Geschichte der KP Chinas zu tun, die wir seit 2 Monaten senden.“

Auch Xiaoxu Lin, die in China lebende Mutter des stellvertretenden Direktors des ebenfalls in den USA beheimateten chinesischen Rundfunksenders „Sound of Hope“, wurde neulich „freundlicherweise“ von der chinesischen Stasi besucht. Sowie NTDTV hat auch Sound of Hope viel über die „Neun Kommentare über die KP“, die Veröffentlichung des chinesischen Internet- und Printmediums Epoch Times, berichtet. „Sie wollen wissen, wer diese Kommentare geschrieben hat.“ Redakteure von Epoch Times wundern sich daher noch weniger, dass ihre Familie und Verwandten in China auch von der Stasi besucht wurden.

Risse im Damm

Innerhalb von knapp zweieinhalb Monaten haben über 26.000 sowohl im Ausland also auch in China lebende Chinesen mutig eine schriftliche Erklärung über ihren KP-Austritt bzw. aus der KP-Jugendgruppe auf der Homepage der Epoch Times öffentlich gemacht. Unter ihnen der in China lebende ehemalige stellvertretende Vorsitzende des Parteikomitees der Chinesischen Allianz der Literatur- und Kunstkreise, Xuewei Zai. Der bekannte Autor begründete seinen Austritt damit, daß er sich von der KP trennen und „ein sauberer Chinese“ sein zu wolle. Sauber im Sinne von frei von kommunistischem Gedankengut.

Die Angst vor einem Domino-Effekt scheint in der chinesischen Führung so groß zu sein, dass der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua selbst der Austritt dieses 70-jährigen Partei-Mitgliedes ein Dementi abnötigt. Im Dezember verhängt die KPC innerhalb Militär- und Beamtenebenen, laut Informationen aus China, ein Verbot gegen den Austritt. Wer doch aus der Partei austrete, werde von der Arbeit erlassen.

Die Aufarbeitung der Geschichte der KP Chinas bleibt weiterhin ein heißes Thema. Sie bleibt insbesondere für chinesische Akademiker, die in westlichen Ländern arbeiten, nicht immer ohne Folgen. Nachdem der Chefredakteur der in Deutschland herausgegebenen chinesischen Monatszeitung „European Chinese Post“ bei einem öffentlichen Diskussionsforum die KP als die größte Mafia bezeichnete, verschwand bei der folgenden Ausgabe seiner Zeitung die langjährig geschaltete Anzeige seines größten Kunden. Da dieser Großkunde die in Deutschland registrierte Tochterfirma einer staatlichen chinesischen Firma ist, bestätigt sich indirekt die Information, dass die chinesische Botschaft in Berlin ein Verbot von Anzeigen in dieser Zeitung über die in Deutschland ansässigen chinesischen staatlichen Firmen verhängt hat. Im Januar hatte eine Sondersitzung mit den Geschäftsführern dieser Firmen stattgefunden. Im Anschluss wurden nicht teilnehmende Geschäftsführer telefonisch über dieses Verbot informiert. Als offizielle Begründung könnte dann wohl nur noch ein jüngst in dem Blatt erschienener Artikel über die Einreiseschwierigkeiten chinesischer Reisegruppen durch Mangel an Hilfsbereitschaft seitens der chinesischen Botschaft in Berlin dienen. Wie hieß es noch auf dem Band? „Alles Gute, mein Vaterland!“

 

 

 

 

 

 

 

 



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