Analyse: Staatliche Studienförderung spielt kaum eine Rolle

Viele Studenten werden laut einer Untersuchung finanziell von den Eltern unterstützt oder jobben nebenher. Staatliche Unterstützungsangebote spielen eine geringere Rolle. Das löst Kritik aus. Warum?
Studierende nehmen an einer Veranstaltung im Audimax der Ludwig-Maximilians-Universität teil. Staatliche Studienförderung werden kaum angenommen.
Studierende nehmen an einer Veranstaltung im Audimax der Ludwig-Maximilians-Universität teil. Staatliche Studienförderung werden kaum angenommen.Foto: Peter Kneffel/dpa
Epoch Times15. Dezember 2023

Etwa fünf von sechs Studentinnen und Studenten bundesweit nutzen einer Studie zufolge weder Bafög noch staatliche Kredite oder Stipendien. Stattdessen sind finanzielle Unterstützung der Eltern und Nebenjobs die wichtigsten Quellen der Studienfinanzierung, wie aus einer Analyse des CHE Centrum für Hochschulentwicklung hervorgeht.

„Dass mittlerweile mindestens 84 Prozent der Studierenden in Deutschland die staatlichen Unterstützungsangebote zur Studienfinanzierung nicht nutzen können oder wollen, zeigt den dringenden Reformbedarf“, betonte Studienautor Ulrich Müller in Gütersloh.

Ungleiche Chancen

Die staatlichen Angebote hätten für die meisten der derzeit fast drei Millionen Studierenden kaum noch eine Bedeutung, es bestehe dringender Handlungsbedarf.

„Wenn wir das System der Studienfinanzierung in Deutschland so lassen, wie es momentan ist, hängt der Studienerfolg zukünftig immer mehr davon ab, ob man reiche Eltern hat oder in einem flexiblen Studiengang eingeschrieben ist, der Nebenjob-kompatibel ist“, kritisierte Müller. „Beides hat mit einer chancengerechten Beteiligung an hochschulischer Bildung nicht viel zu tun.“

Mögliche Gründe

Deutschlandweit geht die Erhebung davon aus, dass neun von zehn Studierende von ihren Eltern finanziell unterstützt werden. Mehr als zwei Drittel arbeiteten neben dem Studium. Verzögerungen bei der Reform des Bafög und hohe Zinsen bei der Rückzahlung von KfW-Studienkrediten hätten dazu geführt, dass Studierende zur Finanzierung ihres Studiums zunehmend auf sich selbst gestellt gewesen seien. Die Daten für das Jahr 2022 zeigten auch deutliche Unterschiede unter den erstmals gesondert erhobenen Bundesländern.

Als zukunftsfähiges System brauche es eine gebündelte Bundesstudienförderung, die die „verwirrende Vielfalt“ der Instrumente beende, an die aktuelle Lebensrealität der Studierenden angepasst werde und Finanzierungssicherheit schaffe, forderte Müller in einer Mitteilung.

Zum Wintersemester 2022/23 war der Bafög-Satz von monatlich 427 auf 452 Euro – als Grundbedarf – angehoben worden, was viele angesichts der Inflation als unzureichend kritisiert hatten. Die Bafög-Mittel sollen 2024 laut Bundesbildungsministerium um 150 Millionen Euro erhöht werden.

Im Koalitionsvertrag hatte die Ampel-Regierung strukturelle Reformen vereinbart, um das Bafög unabhängiger vom Elterneinkommen zu machen und durch höhere Freibeträge den Empfängerkreis auszuweiten.

Ein Studienkredit der staatlichen Förderbank KfW wird maximal 14 Semester lang ausgezahlt und muss binnen 25 Jahren zurückgezahlt werden. Die Zinsbelastung hat sich für die Darlehensnehmer nach jüngsten KfW-Angaben deutlich erhöht. (dpa)



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