Sonderauswertung Sterbefälle Deutschland 2020: Bis November exakt im Schnitt der Vorjahre

Von 24. Dezember 2020 Aktualisiert: 24. Dezember 2020 12:51
Ja, die Corona-Pandemie spiegelt sich in den Sterbefallzahlen in Deutschland wider, von einer (extremen) Übersterblichkeit kann jedoch nicht die Rede sein. Deutlich mehr Sterbefälle gab es in den Grippewellen 2017 und 2018, sowie bei hohen Temperaturen im Sommer. Selbst Ostern oder die Zeitumstellung im Frühjahr zeigen sich deutlicher als COVID-19.

Spätestens seit dem zweiten Lockdown stellt sich die Frage: Wie schlimm ist die Corona-Pandemie wirklich? Wie tödlich ist COVID-19? Und, so könnte man denken, wenn jeden Tag Tausende Menschen sterben, was wird aus der deutschen Bevölkerung? So viel voraus: Eine Übersterblichkeit existiert laut Daten des Statistischen Bundesamtes nicht. Bis einschließlich 31. Oktober gab es 2020 nicht mehr Sterbefälle als in den beiden Vorjahren.

„Im April lagen die Sterbe­fallzahlen deutlich über dem Durchschnitt der Vorjahre. Gleichzeitig war ein Anstieg der Todesfälle zu beobachten, die mit dem Corona­virus in Zusammenhang stehen“, erklärt das Statistische Bundesamt (Destatis) anhand seiner „Sonderauswertung der Sterbefallzahlen in Deutschland“.

Sterbefälle 2020 bis KW 11 deutlich UNTER dem Vorjahresschnitt

Die angesprochene „deutliche“ Überhöhung zeigt sich aufgrund rückläufiger Sterbefallzahlen nach einer Grippewelle in den Vorjahren besonders stark in der Kalenderwoche 15 und betrug 14,5 Prozent.

Unerwähnt bleibt, dass die Zahlen 2020 bis einschließlich Kalenderwoche 11 genauso „deutlich“ unter dem Durchschnitt der Vorjahre liegt. Bis einschließlich KW 16 schwankten die Sterbefälle um 19.000 pro Woche und stiegen seit Jahresbeginn weniger stark als in den Vorjahren.

Ab Anfang Mai [lagen] auch die Sterbe­fallzahlen zunächst wieder etwa im Durchschnitt. Im August waren sie allerdings wieder erhöht. […] Auch die Sterbe­fallzahlen im September und im Oktober liegen etwas über dem Durchschnitt der Vorjahre“, schreibt das Statistische Bundesamt weiter.

Basierend auf vorläufigen Daten registrierte das Statistische Bundesamt im Jahr 2020 bis einschließlich 31. Oktober 788.332 Sterbefälle. Diese Zahl liegt damit exakt zwischen den Werten von 2018 (777.813) und 2019 (799.113) und nur minimal über dem Durchschnitt der vergangenen vier Jahre. Dieser liegt bei 775.526 Sterbefällen bis Ende Oktober. Die Differenz umfasst etwa die Sterbefälle einer Woche.

Die so bezeichnete Übersterblichkeit im April entspricht in etwa den vom RKI gemeldeten Todesfällen in Zusammenhang mit COVID-19 – also einschließlich den Verkehrstoten mit positivem Corona-Test. Statistisch betrachtet könnte sie auch als verspätete Grippewelle zählen. Die Sterblichkeit von Corona unterscheidet sich kaum von der einer normalen Grippe.

„Normale“ Grippewelle schlimmer als Corona

Auch in den Jahren 2016 bis 2019 gibt es Zeiten mit (deutlicher) Übersterblichkeit. Besonders markant zeigen sie sich im Frühjahr 2017 und 2018, sowie in den Sommermonaten 2018 und 2019. Betrachtet man die Entwicklung der Sterbefallzahlen nach Jahr, zählt 2020 zu den unauffälligen Jahren.

Bereits für die nicht ungewöhnliche Grippesaison 2019 – jenen orangen Hügel Ende Februar – geht aus dem Bericht „zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland Saison 2018/2019“ des Robert Koch-Instituts hervor, dass pro Woche bis über eine halbe Million Menschen mit Grippesymptomen ihren Arzt aufsuchten. Zum Vergleich: Trotz Millionen PCR-Tests verzeichnete das RKI maximal rund 130.000 positiv Getestete pro Woche.

Berechnet man nun analog der Corona-Übersterblichkeit die Grippe-Übersterblichkeit für 2019, ist diese … negativ. Sprich, nicht vorhanden. In der neunten Kalenderwoche starben von 2016 bis 2020 in Deutschland durchschnittlich 21.131 Menschen. 2019 waren es 20.790 und damit etwas mehr als in der 14. KW 2020.

Eine echte Übersterblichkeit zeigt sich indes während der Grippewellen 2017 und 2018, wobei 2017 vom RKI ebenfalls nicht als außergewöhnliche Grippesaison bezeichnet wird. In der Kalenderwoche 5/2017 lag die Sterblichkeit 21,7 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2016 und 2018 bis 2020. In der 10. KW 2018 sogar 37,2 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2016/17 und 2019/20.

Weniger Tote zu Ostern und zur Zeitumstellung – Übersterblichkeit  bei Sommerhitze

Die deutlichste „Untersterblichkeit“ zeigt sich im April 2017. Ein Blick in den Kalender offenbart Ostern als Ursache der geringen Sterblichkeit in KW 15/2017. Dabei lag die Sterblichkeit 10,1 Prozent unter dem Durchschnitt. Betrachtet man die tagesaktuellen Sterbefälle zeigt sich dieser Trend, wenn auch weniger stark ausgeprägt, auch in allen anderen Jahren – einschließlich 2020.

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Auffällig ist zudem, dass die Zeitumstellung im Frühjahr zu einem scharfen Einbruch der Sterbefallzahlen führt. Dies zeigt sich wiederum in allen Jahren und am stärksten 2017. Am 26. März 2017 (grüne Kerbe) starben etwa 400 Personen weniger als an den Tagen zuvor und danach. Im Herbst spiegelt sich die Zeitumstellung nicht in den Zahlen wider.

Ebenfalls allen Jahren gemein – außer 2017 – sind auffällige Häufungen der Sterbefälle in den Sommermonaten. Das Wetterarchiv verrät, dass in allen Wochen mit erhöhten Sterbefallzahlen mindestens zwei Tage wärmer als 30 Grad waren.

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