Das Lügengespinst über die europäische Einigung und die „hehren“ Motive der „Gründerväter“

Von 2. November 2019 Aktualisiert: 2. November 2019 19:39
„Die Europäische Gemeinschaft ist kein Ziel an sich. Wichtig ist, dass die alten Nationen von gestern mit ihrer jeweiligen Souveränität nicht mehr der Rahmen sein sollen, in dem die aktuellen Probleme gelöst werden." Aus der Biografie von Jean Monnet. Es gibt Belege dafür, dass Jean Monnet von der CIA für seine Aktivitäten als ´Gründervater Europas` bezahlt wurde.

Die offizielle Version der Entstehungsgeschichte der europäischen Einigung, die bis zur heutigen Europäischen Union geführt hat, malt ein ideales Bild der „großen Gründungsväter“ und ihrer „edlen“ Motive und Ziele zu einer demokratischen Gemeinschaft, in der nach zwei fürchterlichen Weltkriegen die kriegstreibenden Nationalismen überwunden und Frieden, Freiheit und Wohlstand garantiert werde. – Doch das ist ein sorgfältig gepflegter Mythos, ein Lügengespinst, wie jetzt der Franzose Philippe de Villiers nach gründlichen historischen Forschungen in seinem neuen Buch aufdeckt. (1)

In der Schweizer Zeitung Zeit-Fragen (2) ist eine Rezension von Rita Müller-Hill erschienen, die Stellen des Buches referiert oder von ihr übersetzte Sätze zitiert. Auf den ersten Seiten seines Buches erzähle der Autor, wie er dazu gekommen ist, sich mit der Geschichte der EU zu beschäftigen, und wie der Titel seines Buches zustande kam. Philippe de Villiers (70 J.) war selbst vierzehn Jahre Mitglied der französischen Nationalversammlung, zehn Jahre im Europäischen Parlament und ehemaliger Präsidentschaftskandidat, also ein erfahrener Mann in den Arenen und Hinterstuben der Politik.

„Er berichtet auf Seite 19 von einer Unterhaltung mit dem langjährigen (1958–1968) französischen Außenminister Maurice Couve de Murville, der dieses Amt schon während der Präsidentschaft Charles de Gaulles innehatte. Im Laufe dieser Unterhaltung habe sich Couve de Murville über den Marshallplan, dessen Akzeptanz er als Unterwerfung bezeichnete, über Walter Hallstein und den europäischen Einigungsprozess ge­äußert: ´Ah l’Europe! L’Europe des pères fondateurs! […] Il vous suffira de tirer sur le fil et tout viendra` – ´Mais quel fil?` – ´Sur le fil du mensonge.` [´Ach Europa! Das Europa der Gründerväter! Es genügt, wenn Sie an einem Faden ziehen, dann kommt alles.` – ´Aber an welchem Faden?` – ´Am Faden des Lügengespinstes.`]“

Diese für ihn zunächst rätselhafte Andeutung habe ihm später ein Professor der Sorbonne näher erklärt:

Couve de Murville hat das erste Stottern des europäischen Projektes miterlebt. Er wusste alles über alle, über die Trugbilder und die Hintergedanken, die ganze Verwickeltheit, das Getue, den faulen Zauber. Am Faden ziehen sollte in seinem Sinne sicher heißen: an die Quelle gehen. An die Quelle der Informationen, die in den Archiven schlummern. […] Sie sind nicht mehr geheim, sie sind nach und nach geöffnet worden, zugänglich gemacht worden“.

Als de Villiers vermutete, dass nun viele Forscher in die Archive stürzen, habe ihn der Professor enttäuschen müssen. Es seien nur sehr wenige. Die meisten hielten sich aus Vorsicht zurück.

Man könne seinen Lehrstuhl, seinen Lehrauftrag, seinen Job, seinen Verleger verlieren.“ – Die Sache sei mehr als ein Tabu, „es geht um einen Mythos, eine Ideologie, ein Glaubenswerk. Alles, was diese ´Gründerväter` betrifft, liegt im Bereich des ´Heiligen, Unberührbaren.»“ – „Eine offizielle Wahrheit, also.“

Forschung in freigegebenen Archiven

Dieses Gespräch war eine Initialzündung für Philippe de Villiers. Er „stellt vier Arbeitsgruppen zusammen, die er seine „Brigaden“ nennt, und schickt sie auf die Quellensuche. Im Buch dokumentiert er mit 28 Faksimilekopien auf 111 Seiten die Richtigkeit seiner Aussagen. Und Philippe de Villiers spricht aus, was nicht ans Licht der Öffentlichkeit kommen sollte. Nur ein enger Kreis von Eingeweihten wusste, wie die Dinge wirklich waren.“

Er fand „Dokumente, die eindeutig beweisen, dass Jean Monnet von der CIA für seine Aktivitäten als ´Gründervater Europas` bezahlt wurde, dass Robert Schuman eine zwielichtige Gestalt war, die zwischen den jeweiligen Machthabern hin und her wechselte und letztlich im Dienste der US-Amerikaner war. Und Walter Hallstein, NS-Ausbildungsoffizier und juristischer Spezialist der Nazis für ´Das Neue Europa`, stellte seine Dienste ebenfalls den Amerikanern zur Verfügung.“

Und Philippe de Villiers kommt auf S. 117 zu dem Schluss:

Monnet wollte ein Europa aufbauen, das den amerikanischen Zielen entsprach – den institutionellen, kommerziellen und kulturellen.“

Damit bestätigt er die Erkenntnisse, die der deutsche Historiker Andreas Bracher bereits 2001 bekannt machte, dass Monnet zeit seines Lebens unter dem Einfluss führender britischer und amerikanischer Kreise stand. Er war „ein Erfinder und Lenker von Institutionen einer übernationalen Zusammenarbeit“ und „ein Zentrum (insbesondere) angelsächsischer Einflussnahme auf dem Kontinent“. (4)

Jean Monnets „Memoiren“

Philippe de Villiers kommt dahinter, dass Monnets ´Memoiren` nicht von ihm selbst geschrieben, sondern im Auftrag Kennedys von einer Historikergruppe verfasst wurden, bezahlt von der Ford Foundation. Schon in seiner Studentenzeit hatte de Villiers als Gast das Gespräch zwischen seinem Professor für Politische Wissenschaften Jacques Chapsa und dem Professor für moderne Geschichte Jean-Baptiste Duroselle, Autor eines Grundlagenwerks über Internationale Beziehungen, mitanhören können, in dem er einen kurzen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Memoiren Jean Monnets erhielt.

„Chapsal fragt Duroselle: ´Und, was machen diese Memoiren? Geht es voran?`
Duroselle: ´Ja. Die Studenten arbeiten hart daran. Wir haben die Arbeit aufgeteilt.`
Chapsal: ´Das ist ja sicher wichtig für die Stiftung und für ihr Renommee in den USA.`

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Duroselle: ´Ja, aber noch viel wichtiger, lieber Jacques, ist es für die Vereinigung Europas. Sie braucht einen neuen Anstoß, neuen Elan.`

Philippe de Villiers kommt dies bei seinen Forschungen wieder in Erinnerung. In der von Eric Roussel verfassten Biographie Jean Monnets findet er Namen über Namen genannt, Menschen, mit denen Monnet in Kontakt war. Doch er fragt sich jetzt, wer diese Leute waren, welche Funktionen sie hatten, in welche Netzwerke sie eingebunden waren, welche Interessen sie verfolgten, in wessen Diensten sie standen und von wem sie bezahlt wurden.

Dem ging er nun nach, fand die Zahlungsbelege und kam zu dem Ergebnis: „Die US-Amerikaner haben das Werk in Auftrag gegeben und bezahlt. (…) De Villiers beweist, dass die Ford Foundation als Geldgeber nicht einfach nur die Ford Foundation war, sondern einer der Geldverteiler der CIA. Wer hat die Memoiren verfasst? Duroselle als leitender Professor verteilte die Arbeit an eine Gruppe von Studenten. Pierre Gerbet, Eric Westphal, André Kaspi, Richard Mayne. ´Es funktionierte wie eine Maschine, die Nachforschung, Erzählung und Schreiben herstellt.´ Jean Monnet selbst interessierte sich kaum für das Werk. Geschrieben wurde es letztlich von François Fontaine, einem Romanautor, der im Römischen Reich die Vorankündigung einer vollendeten Europäischen Union sah.“ (5)

Die Rezensentin Rita Müller von den Zeit-Fragen fügt an, sie hätte bei ihren eigenen Nachforschungen festgestellt, dass die oben genannten Autoren fester Bestandteil der ´Monnet-Forschung` sind. „Sie werden immer wieder zitiert – insbesondere zitieren sie sich gegenseitig –, wenn man sie konsultiert, wird man im Kreis herumgeschickt.“

Nur der letzte Abschnitt der Memoiren Jean Monnets stamme von ihm selbst. Aus ihm erschließe sich nach Philippe de Villiers das Geheimnis von Monnets Intentionen:

„Die Europäische Gemeinschaft ist kein Ziel an sich. Wichtig ist, dass die alten Nationen von gestern mit ihrer jeweiligen Souveränität nicht mehr der Rahmen sein sollen, in dem die aktuellen Probleme gelöst werden. Die Gemeinschaft als solche ist nur eine Etappe auf dem Weg zu Organisationsformen der Welt von morgen. Da erhebt sich dann in der Sicht Philippe de Villiers die Welt-Governance, Globalia, die von allen Attributen wie Souveränität, Demokratie und verschiedenen Völkern ´befreit` ist.

Der Traum vom planetarischen Management, die Beherrschung der Menschheit durch die Technik, durch einen allumfassenden Markt in einen dauerhaften Frieden gehüllt und eine (scheinbar) grenzenlose individuelle Freiheit garantierend. ´Weicher, aufgeklärter Despotismus`, sagte Jacques Delors zustimmend dazu.“

Interview im Le Figaro

Das Buch von Philippe de Villiers steht natürlich in Frankreich im Kreuzfeuer der Kritik. Am 26.3.2019 brachte Le Figaro ein Interview mit ihm, von Zeit-Fragen übersetzt (6), in dem er sich nicht in die Defensive drängen ließ.

Auf die Frage, ob er ein solches Kreuzfeuer der Kritik erwartet habe, antwortete er:

„Ja, natürlich. Seit Jahrzehnten bewegt sich die Union im Verborgenen. Sie ist ein Wesen des Abgrunds; was sie fürchtet, ist das Licht. Der plötzliche Lichtstrahl, der auf die Gründungslüge gerichtet wird, hat die kleine Welt der akkreditierten «Possenreißer» in Panik versetzt. Zu spät. Das Buch ist im Umlauf. Es findet reißenden Absatz.“

Denn es sei kein Buch mit Halbwahrheiten, „das mit einer wissenden Handbewegung weggewischt werden könnte. Es ist ein Buch, das sich auf Untersuchungen stützt, mit 111 Seiten Beweismaterial, neu freigegebenen Archivdokumenten, die für sich sprechen. Der Gegenangriff der in Angst versetzten Vertreter der offiziellen Meinung, die versuchen, eine Schutzzone zu errichten, kommt an der störenden Wahrheit der Beweise nicht vorbei. Alles gerät ins Wanken.

Es wird offensichtlich, dass die ´Gründerväter` nicht dem geheiligten Bild der mythologischen Erzählung entsprachen. Es waren Menschen in der Hand der Amerikaner, geschwächt und abhängig. Was das Projekt des ursprünglichen Europas betrifft, so war es keineswegs das einer ´Europäischen Macht`. Die Amerikaner wollten einen zusätzlichen Markt mit einer Exekutivkommission, das heißt einer technischen, postpolitischen Autorität, von Funktionären geleitet und von der Kontrolle der Staaten unabhängig.“

Auf die Frage, was er denen antworte, die ihn als „Verschwörer“ bezeichnen, kontert er:

„Bei Verschwörungen geht es um Theorien, Gerüchte, Fantasien. Bei mir geht es um das Gegenteil: Ich veröffentliche Dokumente. Mein Buch ist sogar die Antwort auf die echte Verschwörung. Ich habe herausgefunden, dass Monnet, um dem Einfluss des Quai d’Orsay [französisches Außenministerium] zu entkommen, sein Team ein ´Kommando von Verschwörern` nannte. Die ´europäische Konstruktion` hat sich schon immer mit Geheimhaltung umgeben. Undurchsichtigkeit war die Regel. Die ´Monnet-Methode` ist verschwörerisch, gegen die Völker gerichtet. Er verheimlicht es nicht.

Diese Konstruktion ist in Wirklichkeit ein Serienmord an den Demokratien Europas.“

Geheime Zahlungen über die ´Ford Foundation´, aus CIA-Kreisen und anderen

Dem Einwand, einige Historiker behaupteten, dass schon lange bekannt sei, Monnet habe den Amerikanern nahegestanden, begegnete de Villiers mit der Vorhaltung, man habe aber vergeblich darauf gewartet, von ihnen zu erfahren, dass diese Nähe eine Kompromittierung darstelle:

„Dieser Präsident des ´Komitees für die Vereinigten Staaten von Europa` erhielt geheime Zahlungen über die ´Ford Foundation´, aus CIA-Kreisen und über ein Konto bei der Chase Manhattan Bank. Viele Biographen wiederholen Monnets Worte, der behauptete, er habe ´jegliche staatliche Subventionen ausgeschlossen`. Ich beweise jedoch, dass dies eine Lüge ist, indem ich alle Dokumente veröffentliche, die die geheimen Überweisungen von stolzen Summen belegen und die Beeinflussungsoperationen, die die Gegenleistung darstellten. Es gibt auch andere Dokumente, die zeigen, dass Monnet ein Agent des Außenministeriums war. Diese Historiker haben einige Unterlassungen begangen!“

Wenn es Leute gebe, die behaupten, schon alles zu wissen, was in dem Buch steht, entstünde doch die Frage, warum sie es dann nicht gesagt haben. Er habe vorher nicht gewusst, dass Schuman den Ersten Weltkrieg in deutscher Uniform, den Zweiten in Klöstern verbracht habe, nachdem er unter Pétain (7) einen Ministerposten bekleidet und für eine umfassende Vollmacht gestimmt hatte.

Ihm sei nicht bekannt gewesen, dass der Architekt des Vertrags von Rom und erste Präsident der Kommission [Walter Hallstein] ein nationalsozialistischer Jurist gewesen sei, damit beauftragt, den Rahmen für „Das Neue Europa“ festzulegen, bevor er ein hoher Offizier für nationalsozialistische Ausbildung geworden und dann von den Amerikanern umerzogen worden sei, um anschließend von ihnen für führende europäische Positionen vorgeschlagen zu werden.

Philippe de Villiers will in seinem Buch aufzeigen,

dass das heutige Europa, ohne Körper, ohne Kopf, ohne Wurzeln, ohne Grenzen, keine falsche Umsetzung darstellt. Die geöffneten Archive liefern den Beweis: Das dekonstruktive Gen, das die Europäische Union unterhöhlt, befand sich in der DNA der ´Gründerväter`. Das Programm war von Anfang an festgelegt. Sie wussten, was sie taten und was sie wollten: eine gehirnlose Governance, um sich auf einen globalen Massenmarkt zuzubewegen. Wir sind weit entfernt von einem unabhängigen Europa.“

Auf die Fangfrage, ob sein Buch ein Mittel sei, um sich für ´populistische Parteien` einzusetzen, antwortete er: „Nein, ich gebe keine Anweisungen, ich schlage Alarm. Ich schlage und schlage (Alarm). Bevor der Muezzin kommt. Der Populismus ist der Schrei der Völker, die nicht sterben wollen.“
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1 Philippe de Villiers: J’ai tiré sur le fil du mensonge et tout est venu. Paris Fayard, 2019 (Deutsch: Ich habe an einem Faden des Lügengespinstes gezogen, und es ist alles ans Licht gekommen) Das Buch gibt es noch nicht in deutscher Übersetzung.

2 zeit-fragen.ch 23. April 2019
3 a.a.O.
4 Siehe näher: Hintergründe der „europäischen Integrationsbewegung“, worin auch das Wirken Graf Coudenhove-Kalergis geschildert wird.
5 Anm. 2
6 zeit-fragen.ch 23. April 2019
7 Philippe Pétain, mit nahezu absoluten Vollmachten regierender Staatschef des „Vichy Regimes“ des von den Deutschen nicht besetzten Südfrankreich, der mit den Deutschen kollaborierte.

Das Thema wird in einem weiteren Artikel ergänzend und noch mehr in Details gehend fortgesetzt.

Zuerst erschienen bei FASSADENKRATZER

Herbert Ludwig ist Buchautor und Betreiber des Blogs Fassadenkratzer.wordpress.com. Er veröffentlicht dort in möglichst regelmäßiger Folge von ca. 10 – 14 Tagen Aufsätze von sich oder Geistesverwandten zu Themen des Zeitgeschehens, in denen versucht wird, exemplarisch nach der tiefer liegenden Wahrheit zu suchen.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.