Berlin: Wurde junge Islamkritikerin ermordet? – P.E.N. entdeckt Leiche von Arpita Roychoudhury in ihrer Wohnung

Von 26. Dezember 2018 Aktualisiert: 26. Dezember 2018 14:56
Sie kam mit einem Stipendium des P.E.N.-Autoren-Clubs nach Berlin, hoffte, hier sicherer als in ihrer Heimat Bangladesch zu sein. Doch am 19. Dezember fand man ihre Leiche in ihrer Wohnung. Die Menschenrechtsaktivistin und Islamkritikerin Arpita Roychoudhury wurde nur 23 Jahre alt.

Sie erhielt bereits mehrfach Todesdrohungen von Muslimen und lebte seit Dezember 2017 im Berliner Exil, unterstützt durch ein Stipendium des Autoren-Clubs P.E.N. und dessen Writers-in-Exile-Programm. Es war nicht einfach für sie, ein Visum für Deutschland zu bekommen. Vielleicht dachte sie, dass sie hier sicher sei …

Am Dienstagabend, 18. Dezember, wurde ihre Leiche in ihrer Wohnung in Berlin-Gesundbrunnen gefunden. Mehrere Tage zuvor wurde sie bereits nicht mehr gesehen, ihre Wohnung blieb dunkel, schreibt „Jouwatch“ zu dem Fall. Ein Mitglied des P.E.N.-Clubs ging nachsehen und machte eine schreckliche Entdeckung: Tamalika Singha, die unter ihrem Pseudonym Arpita Roychoudhury bekannt war und in Berlin Zuflucht gesucht hatte, lag tot auf dem Boden ihrer Wohnung. Sie wurde nur 23 Jahre alt.

P.E.N. trauert um junge Bengalin

Wie viele andere Menschen auch träumte ich von einem normalen Leben. Aber ich hatte nur die Wahl, entweder diesen Kampf weiterzukämpfen oder bis zu meinem Tod immer wieder unterdrückt und erniedrigt zu werden. Mein Leben, das ich mir so nicht gewünscht hatte, hat mich gezwungen, mutig zu sein.“

(Arpita Roychoudhury, 1995-2018)

Diese Worte der Menschenrechtlerin, Frauenaktivistin, Autorin, Bloggerin und Islamkritikerin aus Bangladesch, dem östlichen Nachbarstaat Indiens, südlich des Königreichs Bhutan gelegen, veröffentlichte der bekannte internationale Autorenverband P.E.N. (Poets, Essayists, Novelists) am 20. Dezember auf seiner deutschen Webseite angesichts des plötzlichen Todes der jungen Bengalin in ihrem Berliner Exil.

Ihre Worte wurden von der deutschen Literaturwissenschaftlerin und Autorin Regula Venske, Präsidentin des P.E.N.-Zentrums Deutschland und der Vizepräsidentin des Clubs und Writers-in-Exile-Beauftragten Franziska Sperr, einer bayerischen Journalistin und Autorin, um ein Nachwort ergänzt:

Wir trauern um unsere Stipendiatin Arpita Roychoudhury, die seit Dezember 2017 in unserem Writers-in-Exile Programm in Berlin lebte und nun viel zu jung verstorben ist. Ihr Tod erschüttert uns zutiefst und macht uns sprachlos. Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie in Bangladesch und ihren Freunden.

(P.E.N.-Zentrum Deutschland e. V.)

Ein leiser Tod in Deutschland, doch international bemerkt

Von der Polizei Berlin wurde der Fall bisher offenbar nicht veröffentlicht. Auch in den großen Medien findet man keinen Hinweis auf den plötzlichen Tod dieser mutigen Frau, die sich ein sicheres Leben in Deutschland erhoffte.

Dafür berichtete bereits am 21. Dezember die „Times of India“ (TOI) von dem Leichenfund in Berlin, nannte ihn einen Schock für Auswanderer und Säkularisten, die weiterhin in Bangladesch lebten und den Drohungen der Fundamentalisten ausgesetzt seien.

Nach IS-Terror Heimat verlassen

Dem Bericht nach habe Arpita Roychoudhury erstmals nach der islamistischen Terror-Attacke in Gulshan, dem wohlhabenden Stadtteil der bengalischen Hauptstadt Dhaka, ihre Heimat verlassen.

In Gulshan gibt es viele ausländische Botschaften und internationale Organisationen sowie zahlreiche Geschäfte und Restaurants. Am 1. Juli 2016 überfiel eine Gruppe IS-Islamisten das Café „Holey Artisan Bakery“ in Gulshan, nahm zahlreiche Menschen als Geisel. Die Polizei versuchte mehr als zwölf Stunden mit den Geiselnehmern zu verhandeln, bevor die Sondereinheiten den Befehl zur gewaltsamen Beendigung des Terroraktes erhielten.

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Ein halbstündiger Schusswechsel zwischen den Einsatzkräften und den Islamisten folgte. 13 Geiseln konnten befreit werden, 20 weitere wurden von den Terroristen getötet. Laut einem Militärsprecher handelte es sich bei den Toten ausschließlich um Ausländer, darunter neun Italiener, sieben Japaner, ein Amerikaner und ein indisches Mädchen. Weiterhin starben zwei Polizisten. Sechs der Terroristen wurden getötet. 20 Personen wurden verletzt. Der IS bekannte sich zu dem Anschlag. Doch bereits seit Monaten wurde das Land von einer islamistischen Terrorwelle überrollt, in der es fast wöchentlich Todesopfer von religiös oder politisch Andersdenkenden gab: Universitätsprofessoren, Schriftsteller und Blogger, ausländische Hilfsarbeiter, Vertreter der Hindu-Minderheit, zuletzt ein Hindu-Priester.

„Anders als die Attacken der letzten Monate, die meist mit Macheten ausgeführt wurden und keiner grossen Vorbereitung bedurften, stellt der Angriff auf das Café in Gulshan eine weit komplexere und streng koordinierte Aktion dar“, schlussfolgerte die „Neue Züricher Zeitung“ damals. Der Bericht endete mit einer bitteren Erkenntnis, nämlich, dass die „islamistische Gewalt im Land“ ein neues Niveau erreicht habe.

Von Fundamentalisten bedroht und attackiert

Der „Times of India“ erzählte sie einst, dass sie seit 2012 über die Diskriminierung von Frauen, Kindern und Minderheitengemeinschaften in Bangladesch schreibe.

Abgesehen von Drohungen, entführt, vergewaltigt und getötet zu werden, wurde ich in der Öffentlichkeit schikaniert. Fundamentalisten und Mitglieder der Regierungspartei haben mich misshandelt. Sogar meine jüngere Schwester wurde wegen meiner Schriften gequält.“

(Arpita Roychowdhury)

Weil sie zu einer Minderheit im Land gehörte, wurde sie jedoch schon attackiert, bevor sie 2012 zu Schreiben begann. Sie erzählte der „TOI“ ein Erlebnis aus der Zeit nach ihrem Abitur, als sie einen Informatikkurs besuchte: „Eines Tages kamen sie in die Klasse und belästigten mich sexuell. Ich habe einen von ihnen geschlagen.“ Als Vergeltung sei ihr Haus angegriffen worden. Ein Sharia-Gericht brandmarkte ihre Aktivitäten als „unladylike“. Als sie dann zu bloggen begann, folgten ihr die Schurken auf einem Motorrad und versuchten sie offenbar sogar zu töten, schreibt die „Times of India“.

Berlin: Stipendium und früher Tod

Nach dem Anschlag von Gulshan verließ Tamalika Singha alias Arpita Roychoudhury ihre Heimat in Richtung Indien. Sie ging 2017 nach Bangladesh zurück und stellte fest, dass sich die Situation dort noch weiter verschlimmert hatte. Sie konnte ihr Studium nicht fortsetzen und die Familie war in Gefahr. Zusammen mit ihrer Schwester reiste sie dann wieder nach Indien zurück, ging nach Kalkutta. In diesem Jahr traf sie sich auch mit der „Times of India“. Im Dezember 2017 kam sie dann durch ein P.E.N.-Stipendium nach Berlin, wo sie jetzt, ein Jahr später, plötzlich tot aufgefunden wurde.

Laut „Jouwatch“ sagte der in London lebende Autor und Poet Abu Maksud über Arpita Roychowdhury, dass sie eine sehr fortschrittlich denkende Frau gewesen sei, die in ihrem Land nur ihre Meinung geäußert und unter der Unsicherheit dort gelitten habe.

 

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