Ein Polizist steht unter einer Fahrplantafel in Düsseldorf. (Symbolbild).Foto: Getty Images | DPA/AFP | Rolf Vennenbernd

Über eine Million 9-Euro-Tickets verkauft – Polizei befürchtet „Katastrophe“

Epoch Times25. Mai 2022 Aktualisiert: 25. Mai 2022 10:16
Überfüllte Züge, enttäuschte Radfahrer. Schon jetzt zeichnet die Bahn ein düsteres Bild für den Reiseverkehr. Eine Garantie für die Mitnahme von Fahrrädern gibt es für die Zeit des 9-Euro-Tickets im Nahverkehr nicht. Auch die Polizei befürchtet Chaos.

Bereits mehr als eine Million 9-Euro-Tickets wurden verkauft. Das geht aus einer „Bild“-Anfrage an die Deutsche Bahn vor. Auf der Website der Bahn heißt es: „Von Juni bis August werden die Züge sehr voll werden, daher kann die Mitnahme Ihres Fahrrads nicht garantiert werden. Wir empfehlen, sich ein Fahrrad am Ausstiegsbahnhof zu leihen. Reisen mit Fahrrad an Feiertagen sollten Sie vermeiden.“

Wenn Züge und Bahnhöfe ab 1. Juni wegen der dann geltenden 9-Euro-Tickets mit Fahrgästen überfüllt sein werden, hält der Bundesvorstand der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) ein konsequentes Einschreiten der Bundespolizei für unabdingbar.

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft, Rainer Wendt, sagte „Bild“ (Mittwochausgabe): „Zunächst einmal ist es Aufgabe der Verkehrsbetriebe für die Sicherheit in den Zügen zu sorgen. Sollten die Sicherheitsdienste der Verkehrsbetriebe von den Menschenmassen überfordert sein, muss die Bundespolizei eingreifen.“

Manuel Ostermann, stellvertretender Bundesvorsitzender der DPolG, sagte der „Bild“: „Die Politik hat offensichtlich nicht bedacht, dass es mit dem 9-Euro-Ticket zu großem Andrang kommen kann. Wenn ein Zug oder Bahnsteig mit Fahrgästen überfüllt ist, kann das ein Sicherheitsrisiko darstellen und die Bundespolizei muss folgerichtig den Zug oder den Bahnsteig räumen. Vor der Umsetzung hätte man mit den Behörden und Verkehrsunternehmen reden müssen. Aus sicherheitsspezifischer Sicht kann das 9-Euro-Ticket somit eine Katastrophe werden.“

Experten sehen keinen langfristigen positiven Effekt

„Für eine langfristige Verlagerung der Verkehrsströme brauchen wir nicht nur günstige Preise und vor allem keine begrenzte Rabattaktion. Wir brauchen mehr Fahrten, eine bessere Taktung, mehr Haltestellen und kurze Zugangswege“, sagte Winkler dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.

Ein Sonderangebot für drei Monate „reicht gerade einmal fürs Kennenlernen“, sagte Winkler. „Für das Etablieren neuer Nutzungen ist die Zeit viel zu kurz, dafür müsste die Aktion ein Jahr laufen.“

Winkler erwartet nicht, dass viele Pendler durch das Ticket zum Umsteigen zu bewegen seien. „Pendler haben für ihre täglichen Wege die Verkehrsmittel verglichen. Sie haben oft komplexe Ketten zwischen Kindergarten, Schule, Arbeit, Einkaufen, sie stehen unter Zeitdruck. Viele haben diese Wege auf den Pkw optimiert und steigen nicht wegen eines Sonderangebots um.“

Ohnehin sei der Preis „nicht der entscheidende Faktor“, sagte Winkler. „Das 365-Euro-Jahresticket in Wien ist nicht wegen seines Preises ein Erfolg, sondern weil es Teil eines Gesamtkonzeptes ist. Der öffentliche Verkehr wird sehr gut ausgebaut. Dazu kommt eine sehr starke Parkraumbewirtschaftung, deren Einnahmen genutzt werden, den öffentlichen Verkehr weiter zu verbessern. In die Stadt mit dem Auto zu fahren, wird einfach teuer.“

Kostenexplosion im Herbst befürchtet

Schon im Vorfeld hagelte es Kritik für das 9-Euro-Ticket. In einer Anhörung vor dem Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages am 16. Mai wies Dr. Jan Schilling vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen hin, dass es sich beim Ticket in erster Linie um eine sozialpolitische Maßnahme handele und nicht um eine verkehrspolitische. Diese werde zu einem deutlichen Anstieg der Fahrgastzahlen in den Sommermonaten führen. Es müsse auch mit überfüllten Zügen gerechnet werden, vor allem auf den Strecken in touristische Regionen. Derzeit werde mit rund 30 Millionen Nutzern des Neun-Euro-Ticket im Monat gerechnet. Doch dies seien alles nur Schätzungen.

Der Bund müsse laut Schilling damit rechnen, dass die bereitgestellten 2,5 Milliarden Euro nicht ausreichen werden, um die Einnahmeeinbußen im ÖPNV zu decken. Er müsse Bereitschaft bestehen, noch mehr Gelder nachzuschießen. Schilling betonte, dass das Ticket ein riesiges Experiment ohne internationalen Vergleich sei. Der Erkenntnisgewinn werde deshalb sehr groß ausfallen.

Auch die Bundesvereinigung kommunaler Spitzenverbände, Deutscher Städtetag und Deutscher Landkreistag, kritisierte den vorgelegten Gesetzentwurf, der das 9-Euro-Ticket umfasste. Sie warnten davon, dass spätestens im Herbst nach Ende der 9EuroTicket Aktion Betriebe den Verkehr einstellen oder die Tarife anheben müssen.Durch die Kostenexplosion drohen zudem Unternehmens und Betriebsaufgaben und eine dauerhafte Gefährdung der Grundlagen für die angestrebte Angebotsoffensive im ÖPNV zur Erreichung der Klimaziele und gleichwertiger Lebensverhältnisse“, so die Bundesvereinigung in ihrer Stellungnahme. (dts/red/sua)



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