Göttinger Straßenmord: Erst einer, jetzt drei von vier Tatverdächtigen wieder frei – Tauchgänge nach Tatwaffe im Baggersee?

Von 4. Dezember 2018 Aktualisiert: 5. Dezember 2018 19:16
Ein Konflikt auf nächtlicher Straße, ein 28-Jähriger gerät an vier andere junge Männer, ausufernde Gewalt. Passanten finden das Opfer, es wirkt wie betrunken. Rettungskräfte bringen den jungen Mann ins Krankenhaus, wo er beim Eintreffen stirbt. Die Polizei schweigt zu den Todesumständen, jedoch wurde nach etwas getaucht ...

Von den vier jungen Männern im Alter von 19 Jahren, die im Zusammenhang mit dem nächtlichen Tötungsdelikt am Wochenende in der Innenstadt von Göttingen, nahe des Alten Botanischen Gartens, festgenommen wurden, wurde am Sonntagabend der erste freigelassen.

Doch schon am Montagnachmittag wurden zwei weitere junge Männer freigelassen – ohne Auflagen, berichtet das „Göttinger Tageblatt“.

Ermittlungen an „Treffpunkten“ und Tauchgänge

Nach Angaben von Andreas Buick, Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen, kennen sich die vier jungen Männer. Das Opfer war ihnen offenbar aber nicht bekannt. Doch in der Nacht auf Samstag, 1. Dezember, trafen sie zufällig in den nächtlichen Straßen von Göttingen aufeinander: „Vermutlich handelte es sich um ein spontanes Treffen“, so Buick.

Zeugenaussagen führten letztendlich zu dem „dringenden“ Schluss, dass der letzte inhaftierte Verdächtige die Tat wohl begangen habe. Der 19-Jährige schweigt weiterhin zur Tat. Gegen ihn wurde Haftbefehl wegen Totschlags erlassen.

Die Arbeit der im Zentralen Kriminaldienst zur Klärung des Gewaltverbrechens eingerichteten Mordkommission (MoKo) „Garten“ geht unterdes mit Hochdruck weiter. Für die komplexen Ermittlungen wurde die Zahl der Beamten inzwischen von fünfzehn auf 20 erhöht.“

(Jasmin Kaatz, Polizeisprecherin, PI Göttingen)

Am Montag suchte die Polizei mit etwa 15 Kräften nach weiteren Spuren an einem „neuraligischen Treffpunkt“, so die Polizei, ermittelte im Bereich Waageplatz und Robert-Gernhardt-Platz. Auch im Rosdorfer Baggersee wurde getaucht. Dort war die Feuerwehr Northeim im Einsatz.

Sucht die Polizei etwa nach einer Tatwaffe? Noch werden keine Informationen zu den Todesumständen des 28-Jährigen gemacht.

Montag, 3. Dezember: Was ist bekannt?

Einer der Tatverdächtigen wurde am Sonntagabend „im Anschluss an die strafprozessualen Maßnahmen“ und nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft aus dem polizeilichen Gewahrsam entlassen. Er war der Einzige, der sich gegenüber der Polizei äußerte, sagte Andreas Buick von der Staatsanwaltschaft: „Er hat Angaben gemacht, und wir sehen derzeit keinen dringenden Tatverdacht.“

Die anderen drei Tatverdächtigen wurden am Montagnachmittag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Göttingen dem zuständigen Haftrichter vorgeführt. Zu den Vorwürfen schweigen sie. „Zum Tatmotiv und auch zum Anlass des vermutlich vorausgegangenen Streites gibt es noch keine weiteren Erkenntnisse“, so Polizeisprecherin Jasmin Kaatz.

Die Obduktion am Sonntag ergab, dass der 28-Jährige an seinen inneren Verletzungen verstarb, zugefügt durch äußere Gewalt, so die Polizei laut „Bild“.

In der Nacht auf Samstag, 1. Dezember

Nach Angaben der Polizeibehörde Göttingen entdeckten Passanten in der Nacht auf Samstag, 1. Dezember, kurz nach Mitternacht, einen schwer verletzten jungen Mann in der Unteren Karspüle. Der 28-Jährige lag auf dem Gehweg und  war zu diesem Zeitpunkt – um 0.15 Uhr – noch ansprechbar, konnte aber selbst nur noch undeutlich sprechen. Einen Rettungswagen wollte er nicht, nur nach Hause.

Dennoch setzten die Passanten daraufhin einen Notruf wegen des hilflos und betrunken wirkenden Mannes ab, berichtet das „Göttinger Tageblatt“. Auch die Rettungskräfte konnten kein Blut oder andere Anzeichen für äußere Gewalt entdecken. Polizeisprecherin Jasmin Kaatz dazu: „Erst während des Transports ins Krankenhaus fielen die schweren Verletzungen auf.“

Die alarmierten Rettungskräfte brachten den 28-jährigen ledigen Deutschen in die Göttinger Universitätsklinik, wo er bereits während seiner Ankunft und trotz intensiver Reanimationsmaßnahmen verstarb.

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Details zu Art und Lage der Verletzungen werden zurzeit aus ermittlungstaktischen Gründen nicht veröffentlicht.“

(Polizeibericht)

Die Polizei gründete eine Mordkommission und startete umgehend einen Zeugenaufruf auf der Suche nach den Tätern und verdächtigen Wahrnehmungen um die Mitternachtsstunde in der Unteren Karspüle oder der angrenzenden Oberen Karspüle, dem Wall oder der Weender Straße.

Festnahmen am Sonntag

In der Nacht zum Sonntag und am Sonntagvormittag wurden im Göttinger Stadtgebiet vier Tatverdächtige 19-Jährige verhaftet.

Alle Festgenommenen sind in Göttingen wohnhaft und haben die deutsche Staatsangehörigkeit mit jeweils unterschiedlichem Migrationshintergrund. Jeder von ihnen ist in der Vergangenheit bereits polizeilich in Erscheinung getreten.“

(Polizeiinspektion Göttingen)

Hinweise aus der Bevölkerung um einen Streit zwischen mehreren Männern in der Unteren Karspüle und erste Ermittlungen hatten zu den Tatverdächtigen geführt.