Umfrage: Gendern ist Deutschen „nicht wichtig“ – Sprechpause besonders unbeliebt

Die sogenannte geschlechtersensible Sprache, das „Gendern“, verliert laut Infratest dimap weiter an Akzeptanz. Gebilligt werde lediglich die Doppelnennung.
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Eine offene Debatte ums Gendern ist durchaus notwendig.Foto: iStock
Von 8. Februar 2023

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Immer mehr Deutsche scheinen sich von Bemühungen, sogenannte geschlechtergerechte Sprache im Alltag durchzusetzen, genervt zu fühlen. Eine jüngst veröffentlichte Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des WDR macht deutlich, dass das „Gendern“ einer deutlichen Mehrheit kein Anliegen ist.

Wie der „Deutschlandfunk“ berichtet, erklärten im Vorjahr 41 Prozent der Deutschen, es sei ihnen „gar nicht wichtig“, Sprache „geschlechtersensibel“ zu gestalten. Im Jahr 2020 hatten dies erst etwa 30 Prozent geäußert. Der Anteil derjenigen, denen das Gendern sehr wichtig wäre, sank im gleichen Zeitraum von 19 auf 16 Prozent. Für die Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut 1.000 Personen repräsentativ ausgewählt.

Mehrzahl der Bürger auf Distanz zu Gendern mit Sprechpause

Auftraggeber der Umfrage war WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn. Gegenüber der „Tagesschau“ äußerte er:

Für uns im WDR sind die Ergebnisse vor allem mit Blick auf unsere journalistische Arbeit interessant. Denn Sprache ist unser wichtigstes Handwerkszeug.“

Im WDR beschäftige man sich schon lange mit dem Thema, erklärte Schönenborn. Beim Sender wolle man sich den Wünschen des Publikums anpassen. Vor allem mit dem Blick auf das Gendern mittels Sprechpause, den sogenanntem Gender-Gap, könnte das Folgen haben.

Diese Form des „geschlechtergerechten“ Sprechens ist beim Publikum besonders unbeliebt: 69 Prozent finden sie weniger oder gar nicht gut. Als tendenziell positiv empfanden diese Sprechweise, die in den vergangenen Jahren häufiger in Fernsehsendungen und Werbung auftrat, nur 27 Prozent. Schönenborn dazu:

Sprache ist ja etwas ganz Persönliches und wir wollen so sprechen wie unser Publikum. Und wenn wir feststellen, dass diese Sprechlücke abgelehnt wird, dann empfehlen wir auch, darauf zu verzichten.“

Doppelnennung bei Zwei-Drittel-Mehrheit akzeptiert

Auch die Benutzung von Symbolen wie dem sogenannten Asterisk, dem Unterstrich oder einem Doppelpunkt stößt bei 59 Prozent der Befragten auf Ablehnung. Nur 35 Prozent befürworten das Gendern in dieser Form. 54 Prozent der Befragten erklärten, Gendersprache in Zeitungen, Internet und Apps abzulehnen, 52 Prozent wollen sie nicht in Radio, Fernsehen und Podcasts. Gegenteilig äußerten sich jeweils nur 41 Prozent.

Dabei stoßen nicht alle Formen der sprachlichen Einbindung beider Geschlechter auf Widerstand. Die Doppelnennung männlicher und weiblicher Formen wie in „Kolleginnen und Kollegen“ akzeptieren mehr als zwei Drittel der Befragten. Die Hälfte verwende sie sogar selbst.

Der WDR nimmt eigenen Angaben zufolge von der Verwendung des gesprochenen Gender-Gaps weitgehend Abstand. Lediglich einzelnen Redaktionen gestehe man zu, die Sprechpause zu nutzen, wenn „die Form beim Publikum eines speziellen Angebots überwiegend vertraut und gebräuchlich ist“. Dies könne etwa bei einem Social-Media-Angebot der Fall sein.
Man wolle die Entwicklung weiter beobachten, denn „Sprache verändert sich“. Ob dies allerdings auch für elitäre Bemühungen gilt, Menschen eine ihrer alltäglichen Lebensrealität vollständig fremde Art des Sprechens aufzudrängen, bleibt offen.



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