Bye bye Britain! Für die EU ist der Brexit ein harter Schlag

Epoch Times1. Februar 2020 Aktualisiert: 1. Februar 2020 15:34
Der letzte Tag der britischen EU-Mitgliedschaft nach fast 50 Jahren war am Freitag von starken Emotionen begleitet.

Jubel, Tränen und Erleichterung: Nach fast 50 Jahren Mitgliedschaft hat Großbritannien der Europäischen Union den Rücken gekehrt. Während vor dem Londoner Parlament in der Nacht zu Samstag tausende Briten den Brexit feierten, betrauerten andere den historischen Einschnitt mit Mahnwachen. Der britische Premierminister Boris Johnson kündigte eine „neue Ära“ der Zusammenarbeit mit der EU an. Entscheidende Fragen sind nach dem EU-Austritt aber ungeklärt.

Um 23.00 Uhr Londoner Zeit – Mitternacht auf dem Kontinent – war es so weit: Vor dem Parlament von Westminster schwenkten tausende „Brexiteers“ den Union Jack, sangen die Nationalhymne, ließen Luftballons steigen und fielen sich in die Arme.

„Es ist absolut fantastisch“, freute sich die 65-jährige Karen Ollerton. „Wir sind eine freie Nation“, jubelte der 44-jährige John Moss. Die Kundgebung hatte der Gründer der Brexit-Partei, Nigel Farage, organisiert. Er nannte den Austritt aus der europäischen Staatengemeinschaft nach 47 Jahren den „wichtigsten Moment der modernen Geschichte“ Großbritanniens.

Doch nicht überall im Land herrschte Jubelstimmung. Viele Brexit-Gegner, darunter zahlreiche der 3,6 Millionen in Großbritannien lebenden EU-Bürger, hielten Mahnwachen ab und zündeten Kerzen an. Vor dem Brandenburger Tor in Berlin sangen Anhänger der EU um Mitternacht gemeinsam die EU-Hymne „Ode an die Freude“.

EU-Austritt ist „kein Ende, sondern ein Anfang“

Schon das Brexit-Votum vom Juni 2016 hatte die Spaltung in Großbritannien offenbart: 52 Prozent stimmten für einen Austritt, 48 Prozent für einen Verbleib in der EU. Es folgten mehr als drei dramatische Jahre, die durch die Rücktritte der Premierminister David Cameron und Theresa May geprägt waren sowie durch turbulente Szenen im britischen Parlament – bis Mays Nachfolger Johnson den Brexit schließlich durchbrachte.

Um die Brexit-Gegner im Land nicht vor den Kopf zu stoßen, beging die britische Regierung den Austritt im Kleinen. In der Downing Street gab es einen Empfang mit anschließender Lichtershow. In einer Ansprache betonte Johnson, der britische EU-Austritt sei „kein Ende, sondern ein Anfang“. Er biete die Chance auf „erstaunliche Erfolge“.

Das Presseecho war gespalten: Die rechtsgerichtete Boulevardzeitung „Daily Express“ rief nach dem EU-Austritt „ein glorreiches neues Britannien“ aus. Der linksgerichtete „Guardian“ hingegen zeigte als Titelbild eine britische Flagge im Matsch nach der Jubelfeier.

Für die EU ist der Abschied der 66 Millionen Briten ein harter Schlag. Sie verliert ihre zweitgrößte Volkswirtschaft nach Deutschland und wird außen- und sicherheitspolitisch geschwächt.

Europapolitiker enttäuscht

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem „tiefen Einschnitt für uns alle“. Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) mahnte in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, Deutschland trage nun noch größere Verantwortung: „An uns liegt es, ob die EU zusammenhält.“ Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete den Brexit als „historisches Alarmsignal“ für ganz Europa. Er kündigte in einem offenen Brief an die Briten in der Zeitung „The Times“ für den Juni eine Reise nach London an.

Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon sprach von einem Moment „der Trauer, gemischt mit Wut“. Sie versprach, sich weiterhin für die schottische Unabhängigkeit einzusetzen. Die Schotten hatten 2016 mehrheitlich für einen Verbleib in der EU gestimmt.

In der Übergangsphase bis Ende des Jahres ändert sich für die Bürger trotz des Brexit zunächst nichts. London und Brüssel wollen bis zum 31. Dezember ihre künftigen Beziehungen und insbesondere ein Freihandelsabkommen aushandeln. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen äußerte sich in den ARD-„Tagesthemen“ zuversichtlich, dass bis Jahresende ein „ausbalanciertes Paket“ vorliege.

US-Außenminister Mike Pompeo versprach den Briten, sein Land werde seine „bereits starken, produktiven und erfolgreichen Beziehungen zu Großbritannien weiter ausbauen“. (afp/so)

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