Hunderttausende Tonnen CO2 durch Fußball-EM – Grünen-Politikerin: „UEFA vergisst die Klimakrise“

Epoch Times15. Februar 2020 Aktualisiert: 15. Februar 2020 7:35
In diesem Jahr findet die 60. Fußballeuropameisterschaft statt. Der Fußballverband UEFA will das Jubiläum feiern – mit 52 Spiele an zwölf Orten auf zwei Kontinenten. Dies sei ein ökologisches Desaster, meinen viele Kritiker dazu.

52 Spiele an zwölf Orten auf zwei Kontinenten: Spieler und Fans müssen bei der Fußballeuropameisterschaft 2020 so weite Wege zurücklegen wie bei keinem Turnier zuvor.

Während der europäische Fußballverband mit den in ganz Europa verstreuten Austragungsstätten das 60-jährige EM-Jubiläum feiern will, sehen Kritiker darin ein ökologisches Desaster.

Ein polnischer Fan beispielsweise muss 6.000 Kilometer in zehn Tagen reisen, um allein die Gruppenspiele seiner Mannschaft zu sehen: ins irische Dublin, weiter nach Spanien ins Stadion von Bilbao und wieder zurück nach Irland.

Das Achtelfinale findet in der ungarischen Hauptstadt Budapest statt, das Viertelfinale in Baku in Aserbaidschan. Bis nach London, wo sowohl das Halbfinale als auch das Endspiel ausgetragen werden, sind es von dort 4.000 Kilometer.

Im Vergleich: Für die Europameisterschaft 2016 genügte ein Hin-und Rückflug, innerhalb Frankreichs konnten alle Spielorte mit der Bahn erreicht werden. Genauso wird es in vier Jahren bei der EM in Deutschland sein.

Grünen-Politikerin: „Fußballverband vergisst die Klimakrise“

Insgesamt Hunderttausende Flugkilometer werden wegen der EM im Sommer zurückgelegt werden, das Fußballfest hinterlässt einen gigantischen CO2-Fußabdruck.

„Aus ökologischer Sicht ist das der totale Nonsens“, sagt Karima Delli, Grünen-Politikerin aus Frankreich und Vorsitzende im Ausschuss für Verkehr und Tourismus des EU-Parlaments. „Sie wollen mit diesem Format die Einheit Europas demonstrieren, vergessen dabei aber die Klimakrise.“

UEFA verteidigt sich: Spiele großer Fußballnationen werden im jeweiligen Heimatland stattfinden

Der Fußballverband UEFA widerspricht: Die EM 2020 werde „das bislang umweltfreundlichste Turnier“, erklärt der Verband. So würden die Gruppenspiele großer Fußballnationen wie Deutschland, England, Italien, Spanien und den Niederlande, deren Fans „bekannt sind, zu Zehntausenden zu internationalen Turnieren zu reisen“, im jeweiligen Heimatland stattfinden.

An Spieltagen soll der öffentliche Nahverkehr für die Zuschauer kostenlos sein und mehr Stadionmüll soll wiederverwertet werden.

Großer Unterschied zur WM in Katar: Nur ein einziges Stadion wird für EM neu gebaut

Außerdem sei für die EM nur ein einziges Stadion – die Puskás Aréna in Budapest – neu gebaut worden. Dadurch würden „enorme ökologische Kosten beim Verbrauch von Energie und Beton eingespart“, teilte die UEFA weiter mit.

Der Bau von Sportstätten sei tatsächlich für einen Großteil der klimaschädlichen Emissionen bei internationalen Turnieren verantwortlich, sagt Andrew Welfle vom Tyndall-Forschungszentrum für Klimawandel in Manchester.

Daher gebe es einen „riesigen Unterschied“ beim Kohlendioxid-Ausstoß zwischen der EM 2020 und der Weltmeisterschaft 2022 in Katar, für die alle acht Stadien neu gebaut oder modernisiert werden.

UEFA will Umweltbelastung durch Investitionen in Klimaschutzprojekte ausgleichen

Die Emissionen durch die Reisen der Fans seien „schwer zu kalkulieren“, sagt Welfle. „Die Schätzungen basieren auf vielen verschiedenen Annahmen, die mehr oder weniger realistisch sind.“

Die UEFA rechnet, dass durch den Transport von Mannschaften und Zuschauern während der Meisterschaft 425.000 Tonnen Kohlendioxid freigesetzt werden.

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Bei der Euro 2016 in Frankreich seien es 517.000 Tonnen gewesen und bei der WM 2018 in elf russischen Städten knapp 1,5 Millionen Tonnen.

Um die Umweltbelastung der kommenden EM auszugleichen, verspricht die UEFA in Klimaschutzprojekte zu investieren und in jedem der beteiligten Länder 50.000 Bäume zu pflanzen. Forscher Welfle überzeugt dieses Konzept nicht: „Bäume zu pflanzen ist gut, aber dadurch ändert sich nichts an der Höhe der durch das Turnier entstandenen Emissionen.“ (afp)