Die neue Wallace-Linie: Muss die Karte des Lebens neu gezeichnet werden?

Epoch Times24. März 2020 Aktualisiert: 24. März 2020 17:31
Muss die weltweite Tierverbreitungskarte neu konzipiert und die sogenannte „Wallace-Linie“ neu gezogen werden? Eine Entdeckung auf der Weihnachtsinsel lässt dies vermuten.

Die Wallace-Linie – benannt nach ihrem Entdecker Alfred Russel Wallace – beschreibt eine wichtige biologische Trennung. Bisher galt sie als unüberwindbare, evolutionäre Grenze zwischen Arten mit asiatischem Ursprung von jenen mit australischem Ursprung, erklärte Professor Jonathan Aitchison. Seine Forschungen revidieren das langjährige Verständnis der Wallace-Linie.

Nachdem Forscher die Existenz „australischer“ Arten auf der Weihnachtsinsel (Christmas Island) entdeckt haben, müssen wohl die Lehrbücher neu geschrieben werden. Aitchison ist Professor an der Universität von Queensland und sorgt mit seinen Forschungen zur Wallace-Linie für Aufsehen.

Wallace-Linie neu zeichnen?

Die Wallace-Linie verläuft entlang der engen Seewege, die Bali von Lombok und Borneo von Sulawesi trennen. Kurz gesagt: Im Westen sind die Tiger, Elefanten, Nashörner und Orang-Utans Eurasiens und im Osten die Beuteltiere und Monotreme (Eier legende Säugetiere) Australiens.

Professor Aitchison und seine Kollegen Dr. Jason Ali (Universität Hongkong) und Professor Shai Meiri (Universität Tel Aviv) arbeiteten 1.000 Kilometer westlich der Wallace-Linie auf der Weihnachtsinsel und stellten dabei Arten australasiatischen Ursprunges fest.

„Völlig unerwartet hat die Hälfte der Landsäugetier- und Landreptilienarten der Weihnachtsinsel – zwei Ratten, zwei Glattechsen und ein Gecko – ein genetisches Erbe vonseiten Australiens“, sagte Dr. Jason Ali.

Eine „sehr überraschende Entdeckung“

„Die Vorfahren dieser Arten wären höchstwahrscheinlich auf entwurzelten Bäumen dorthingespült worden“, erklären die Forscher in der Studie. „Der indonesische Durchfluss ist Teil des globalen Wärmeförderbandes und folgt tieferen Gewässern, die die Wallace-Linie abgrenzen. Er entsteht, weil die westlichste Oberflächentopografie des Pazifischen Ozeans etwas höher ist als sein Gegenstück im Indischen Ozean.“

Professor Aitchison spricht davon, dass die Reise der Spezies innerhalb der letzten fünf Millionen Jahre stattgefunden haben muss. Erst zu diesem Zeitpunkt entstand die Weihnachtsinsel. Vor 40 bis 17 Millionen Jahren existierte die Weihnachtsinsel als Korallenatoll. Nachdem die Insel kurz von der Meeresoberfläche verschwunden war, ist sie vor 5 Millionen Jahren wieder „aufgetaucht“.

„Von da an konnten Pflanzen und Tiere beginnen, neue Populationen zu etablieren“, erklärt der Leiter der Studie. Für ihn ist die Forschungstätigkeit noch nicht beendet. Professor Aitchison vermutet weitere spannende Entdeckungen. Er verspricht: „Wir sind gespannt, welche weiteren seltsamen und wunderbaren Entdeckungen vor uns liegen.“ (cs)

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