„Flüchtlingsfeindliche“ Tendenzen: Hilfsorganisationen warnen vor Abschiebung syrischer Asylbewerber

Trotz Gewalt und Bombardierungen könnten hunderttausende Syrer 2018 zurück in ihre Heimat abgeschoben werden. Internationale Hilfsorganisationen sind besorgt. Währenddessen machen Menschen Urlaub in Syrien und finden pulsierende Städte vor.

Internationale Hilfsorganisationen haben vor der Abschiebung syrischer Asylbewerber in ihre Heimat gewarnt. In einem am Montag veröffentlichten Bericht kritisierten sie sowohl konkrete Maßnahmen zur Rückführung als auch die Diskussionen darüber, darunter in Deutschland.

Die derzeitige Sicherheitslage in Syrien verbiete Abschiebungen, heißt es in dem Bericht, an dem unter anderem der Norwegische Flüchtlingsrat (CNR) und die Organisation Care International mitgearbeitet hatten.

Hunderttausende Flüchtlinge sind davon bedroht, 2018 zur Rückkehr nach Syrien gedrängt zu werden – trotz andauernder Gewalt, Bombardierungen und Gefechte, die das Leben von Zivilisten gefährden“, warnt der Bericht.

Besorgt zeigten sich die Autoren darüber, dass in Europa ernsthaft über die Rückkehr syrischer Migranten diskutiert werde, darunter in Deutschland und Dänemark. Diese Diskussionen könnten in „Zwangsrückführungen“ münden, warnten die Autoren.

Bericht: Abschiebungen sind Folge „flüchtlingsfeindlicher“ Tendenzen

Dem Bericht zufolge wurden 2017 deutlich mehr illegale Migranten nach Syrien zurückgebracht als noch im Vorjahr. Die Zahl stieg demnach von 560.000 auf 721.000 Menschen. Zugleich hätten in Syrien deutlich mehr Menschen fliehen müssen. In diesem Jahr werde die Zahl der Flüchtlinge um eineinhalb Millionen ansteigen.

Die Tendenz zu Abschiebungen führen die Hilfsorganisationen auf die veränderte militärische Lage in Syrien sowie auf das Anwachsen „flüchtlingsfeindlicher“ Tendenzen in den Aufnahmeländern zurück. Allerdings sei die Rückkehr von illegalen Migranten nach Syrien derzeit in den meisten Fällen „weder sicher noch freiwillig“, erklärte CNR-Generalsekretär Jan Egeland.

Bislang wurde nur ein kleiner Teil der syrischen Flüchtlinge in wohlhabenden Ländern aufgenommen. Die meisten blieben in den Nachbarländern Libanon, Jordanien und Türkei. Doch auch dort steige der Druck auf die Flüchtlinge, in ihre Heimat zurückzukehren, heißt es in dem Bericht.

Urlaubsreise nach Syrien

Im Gegensatz zu dem Fazit des Berichts werden auch immer öfter Stimmen laut, dass Syrien zum größten Teil befriedet ist und der Wiederaufbau vorangeht. So beschrieb der Blogger Christian Lindgren seine 10-tägige Syrien-Reise im Oktober 2017. Dabei besuchte er unter anderem Damaskus, Aleppo und Homs und war davon überrascht, dass er nicht Kriegsruinen, sondern pulsierende Städte vorfand.

Doch nicht nur Touristen machen Urlaub in Syrien, sondern auch syrische Asylbewerber. Dies seien keine Einzelfälle, meinte die Bundesagentur für Arbeit in Berlin 2016.

(afp/as)

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