Nach Flugzeugabschuss: Moskau stoppt Sicherheits-Zusammenarbeit mit USA in Luftraum Syriens

Das russische Militär will nun Flugzeuge und Drohnen der US-geführten Koalition als potenzielle Ziele ins Visier nehmen, wenn sie westlich des Flusses Euphrat fliegen.

Nach dem Abschuss eines syrischen Kampfjets durch die US-Luftwaffe setzte Russland eine Vereinbarung mit den USA aus, mit der Zusammenstöße im syrischen Luftraum vermieden werden sollen.

Das russische Verteidigungsministerium warf den USA am Montag vor, Moskau nicht vorab über den Luftangriff informiert zu haben. Daher „beende“ Moskau ab sofort die Sicherheits-Zusammenarbeit.

Alle Flugobjekte der internationalen Koalition gelten als „Ziele“

Die US-Kommandoführung müsse den Vorfall „sorgfältig“ untersuchen, forderte das russische Verteidigungsministerium. Es kündigte ferner an, dass „alle Flugobjekte, einschließlich Flugzeuge und Drohnen der internationalen Koalition“, die westlich des Euphrat-Flusses entdeckt würden, von der russischen Flugabwehr und Luftwaffe verfolgt und als „Ziele“ betrachtet würden.

Russland ist der wichtigste Verbündete des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad in dem seit sechs Jahren währenden Konflikt. Bereits im April hatte Russland die Sicherheits-Vereinbarung mit den USA ausgesetzt.

Damals reagierte der Kreml auf einen US-Raketenangriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt. Trotz der russischen Ankündigung wurde jedoch weiter über die sogenannte Sicherheits-Hotline kommuniziert.

USA: Flugzeugabschuss war „Notwehr“

Syrien und die USA warfen sich gegenseitig eine militärische Provokation vor. Die syrischen Streitkräfte erklärten, die USA hätten ihre Maschine abgeschossen, als sie gegen IS-Kämpfer vorging. Dies sei ein Akt der „Aggression“.

Die US-geführte Koalition sprach dagegen von „Notwehr“. Die Maschine habe Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) bombardiert, hieß es in Washington.

Wie die USA erklärte, bestehe das SDF-Bündnis aus kurdischen und arabischen Einheiten und nehme an der Seite von US-Spezialkräften an der Offensive auf die IS-Hochburg Raka im Norden Syriens teil.

Iran greift zum ersten Mal direkt in Syrien ein

Auch das militärische Einschreiten des Iran verkomplizierte den Syrien-Konflikt weiter. Das Land griff nach eigenen Angaben erstmals Stellungen der IS-Miliz in Syrien mit Raketen an.

Die Revolutionsgarden sprachen in einer Erklärung vom Sonntagabend von einer „erfolgreichen Operation“ in der ölreichen Region Deir Essor. Nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens wurde dabei auch der IS-Kommandeur Saad al-Hosseini getötet, der als Abu Saad bekannt ist.

Iran: Angriff ist „Vergeltung“ für Anschläge in Teheran

Den Revolutionsgarden zufolge war der Angriff eine „Vergeltung“ für Attentate im Zentrum Teherans am 7. Juni. Bei den Angriffen auf das iranische Parlament und das Mausoleum von Ayatollah Khomeini waren 17 Menschen getötet worden. Der IS beanspruchte die Angriffe für sich.

Der überwiegend schiitische Iran unterstützt im Syrien-Konflikt Präsident Assad gegen die radikalsunnitische IS-Miliz. Es war das erste Mal seit dem Krieg gegen den Irak von rund 30 Jahren, dass der Iran Raketen auf Ziele im Ausland abfeuerte.

Die iranische Armee erklärte, die Verteidigung beschränkte sich angesichts der Bedrohung „durch Terroristen und andere Feinde“ nicht mehr auf die Grenzen des Landes. (afp)

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