Tödliche Polizeischüsse bei Iran-Protesten nach Tod einer 22-Jährigen

Bei Protesten im Iran wurden von der Polizei möglicherweise mehrere Menschen erschossen. Anlass der Demonstrationen war der Tod einer jungen Frau, die nur Tage zuvor von der Moralpolizei ihres Outfits wegen festgenommen wurde und ihren Verletzungen erlag. Ein EU-Sprecher fordert, die „Täter dieses Mordes“ zur Rechenschaft zu ziehen.
Mahsa Amini auf der Titelseite der iranischen Zeitung Hafteh Sobh am 18. September.
Mahsa Amini auf der Titelseite der iranischen Zeitung „Hafteh Sobh“ am 18. September. Amini (22) erlag zwei Tage zuvor im Krankenhaus ihren Verletzungen infolge der Festnahme durch die Moralpolizei.Foto: ATTA KENARE/AFP/Getty Images
Von 20. September 2022

Nach dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini am 16. September in Gewahrsam der Teheraner Moralpolizei kommt es zu anhaltenden Straßenprotesten der Bevölkerung in mehreren Gegenden des Landes. Weitere Proteste fanden vor mehreren Universitäten in Teheran statt.

Bisher starben mutmaßlich fünf Menschen durch Polizeischüsse bei Demonstrationen in der kurdischen Provinz des Iran. Wie die Menschenrechtsorganisation Hengaw berichtet, soll es bei Demonstrationen in der iranischen Provinz Kurdistan zu Todesfällen durch Polizeischüsse gekommen sein. Bisher wurden den Angaben nach fünf Menschen in den Städten Dehgolan, Divandarreh und Saqez, der Heimatstadt der jungen Frau, von der Polizei erschossen. Auch soll es zahlreiche Verletzte und Festnahmen gegeben haben.

Eine offizielle Bestätigung für die Angaben gebe es laut „Reuters“ nicht. Irans staatliche Nachrichtenagentur „IRNA“ sprach ihrerseits von „begrenzten“ Protesten in Städten in sieben Provinzen. Die Polizei habe alles aufgelöst. Im iranischen TV seien Festnahmen bestätigt, Todesfälle aber zurückgewiesen worden.

Der Fall zieht indes immer mehr internationale Aufmerksamkeit auf sich.

Internationale Reaktionen

Peter Stano, Sprecher des Außenpolitikchefs der Europäischen Union, Josep Borrell, sagte in einer Erklärung, dass das, was mit Mahsa Amini passiert sei, weil sie sich „im Iran nicht an die Schleiergesetze“ gehalten habe, inakzeptabel sei und die „Täter dieses Mordes müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, so der leitende Sprecher für Außen- und Sicherheitspolitik.

Frankreichs Außenministerium verurteilte in einem Statement die Vorkommnisse im Zusammenhang mit dem Tod der 22-Jährigen: „Die Verhaftung und der anschließende Tod von Mahsa Amini am 16. September 2022 in Teheran durch die iranische Sittenpolizei ist zutiefst schockierend“, heißt es in der Erklärung. Ein Sprecher des Ministeriums forderte eine umgehende und „transparente Untersuchung“.

US-Außenminister Antony Blinken äußerte sich auf Twitter: „Mahsa Amini sollte heute am Leben sein. Stattdessen trauern die Vereinigten Staaten und das iranische Volk um sie. Wir fordern die iranische Regierung auf, ihre systematische Verfolgung von Frauen zu beenden und friedlichen Protest zuzulassen.“

Michael McCaul, republikanischer Kongressabgeordneter in Texas und hochrangiges Mitglied im Kongressausschuss für auswärtige Angelegenheiten, erklärte gegenüber „VOA Persian“: „Mahsa Aminis Tod durch die Hände der sogenannten iranischen Moralpolizei wegen eines angeblichen Verstoßes gegen die Kleiderordnung ist eine Skandal.“ Der republikanische Abgeordnete meinte noch, dass jedes Regime, das seine Bürger so geringschätzig behandle, mit ernsthaften Konsequenzen rechnen sollte.

Mahsa Amini: Herzinfarkt bei der Moralpolizei?

Mahsa Amini war am 13. September in Teheran wegen ihres Outfits verhaftet worden. Die junge Frau aus der Provinz Kurdistan hatte in der Hauptstadt Verwandte besucht, als sie der Moralpolizei auffiel, angeblich wegen eines „unsachgemäßen Hijab“, berichtete „Al Arabiya News“.

Auf Twitter schrieb Mahsa Alimardani, eine Forscherin für digitale Rechte bei der Menschenrechtsorganisation ARTIKEL 19: „Die Teheraner Polizei habe bekannt gegeben, dass Mahsa Amini ‚plötzlich an einem Herzproblem litt‘ – als hätte eine 22-jährige Frau einen Herzinfarkt, der auf natürliche Weise zu einem Koma und einer Entstellung führe. Iranische Medien veröffentlichen diesen Unsinn als Tatsache.“

Der Vater der 22-Jährigen, Amjad Amini, erklärte gegenüber der persischen Ausgabe des staatlichen US-Auslandssenders „Voice of America“ (VOA) allerdings, dass die Behörden auf eine unverzügliche Beerdigung bestanden hätten. Die Familie habe beim Gerichtsmediziner jedoch nur „eine versiegelte Kiste mit der Leiche darin“ gezeigt bekommen. Amjad Amini meinte: „Ich habe keine Ahnung, was sie mit der Leiche gemacht haben.“ Laut der Familie habe die 22-Jährige keinerlei gesundheitliche Probleme gehabt.

General Hossein Rahimi, Teherans Polizeichef, sprach von einem „unglücklichen Vorfall“ und wies Misshandlungsvorwürfe zurück. Irans Präsident Ebrahim Raisi kündigte indes eine Untersuchung des Vorfalls an, berichtet „Le Parisien“.



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