Nach dem Ende der Seniorenproteste in der Provinzhauptstadt Chengdu blieben noch Gruppen von Demonstrierenden auf dem Platz. Liu Zhengyou (vorne links), Aktivist für die Rechte von Bauern, die ihr Land verloren haben, und Wang Yi (rechts), Autor dieses Artikels. (Foto EPT)

Dreitausend Senioren protestieren auf dem Tianfu Platz in Chengdu

Von 30. Oktober 2005 Aktualisiert: 30. Oktober 2005 20:40

CHENGDU – Am 27. Oktober versammelten sich auf dem Tianfu-Platz der Stadt Chengdu, der 11-Millionen-Hauptstadt der Provinz Sichuan, fast dreitausend ältere Menschen  – Opfer eines misslungenen Finanzierungsplans des Dujiangyan Amtes für Bürgerliche Angelegenheiten – und forderten Schadenersatz. Die meisten waren über 50 Jahre alt. Ich nahm als Vertreter der Medien an der Versammlung teil.

Es ging um Investitionen, die vorgesehen waren für den Bau von Grab-Türmen und Massenbegräbnisstätten, ähnlich wie in Baoshan, einem außerordentlich dicht besiedelten Bezirk von Shanghai.

Noch immer ist die Bestattungsindustrie in China ein Monopol der lokalen Regierungen. Unter dem Schutz der nationalen Bestattungspolitik  kollaborieren örtliche Behörden mit privaten Unternehmen und erzielen enorme Gewinne durch die Beisetzung der Menschen, die keine andere Wahl haben. Viele Senioren müssen ihre Lebensersparnisse drangeben, um sich einen Platz in einem der Grab-Türme zu sichern.

In den letzten drei Jahren gab es immer wieder finanzielle Unregelmäßigkeiten und Probleme im Umfeld der Investitionen dieser alten Menschen. Das Amt für Bürgerliche Angelegenheiten weigerte sich, die Verantwortung dafür zu übernehmen; örtliche Gerichte verweigerten die Annahme entsprechender Fälle und die Medien lehnten es ab, darüber zu berichten.

Auf dem Platz ließ ich die Demonstranten wissen, dass ich Dozent an der Chengdu Universität und Mitglied des Unabhängigen Chinesischen PEN Zentrums bin. Einige Demonstranten sagten mir, ihnen bliebe keine andere Wahl, um dieses Problem in der Provinz Sichuan zu lösen. Diese öffentliche Demonstration war ihre letzte, verzweifelte Hoffnung auf eine Lösung. Ich gab einigen von ihnen meine Visitenkarte.

Die Polizei setzte fast zehn Mannschaftswagen ein, um die Situation unter Kontrolle zu halten. Nachmittags kam es zu einer Eskalation. Nach Aussage eines Demonstranten verhaftete die Polizei sofort Dutzende von Protestierenden.

Es waren noch etwa vierhundert Demonstranten dort, als ich auf dem Platz ankam. Überall waren Spuren von Kämpfen zu sehen. Ich sah Polizeimützen auf dem Boden liegen, und die Blumendekorationen am Eingang zu dem Platz waren völlig zerstört.

Demonstranten hielten Transparente hoch mit der Aufschrift „Wir wollen Demokratie, wir wollen Freiheit“ und „Gebt mir mein schwer verdientes Geld zurück“. Überall auf dem Platz war Polizei, und Fotografieren war verboten. Mein Freund und ich taten so, als wären wir Touristen, die von sich Fotos machten. So gelang es uns, die Szene im Hintergrund mit einzufangen.



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