Börsencrash als politischer Psycho-Krieg: Seit gestern sitzen der Shanghaier Börsenaufsicht Sicherheitsbeamte im Nacken und die Kurse steigen wieder. Die Frage ist nur, wie lange.Foto: Isaac Lawrence/AFP/Getty Images

„Verschärfte Kontrolle“ bringt Shanghaier Börse ins Plus – wie lange?

Epoch Times10. Juli 2015
Börsencrash als politischer Psycho-Krieg: Seit gestern sitzen der Shanghaier Börsenaufsicht Sicherheitsbeamte im Nacken und schon steigen die Kurse wieder.

Der freie Fall von Chinas wichtigstem Aktienindex, dem SSE Composite, wurde gestern gestoppt, heute setzte sich die positive Entwicklung fort. Der SSE schloss bei 3.877,8 Punkten, 4,54 Prozent im Plus. Durch Geldspritzen und „verschärfte Kontrolle“ hat sich die Börse wieder nach oben bewegt. Die Frage ist nun, gelingt es der Regierung, diesen Aufwärtstrend zu stabilisieren?

Der Wink mit den Handschellen …

Die „verschärfte Kontrolle“ betrat in Gestalt von Chinas Vizeminister für Öffentliche Sicherheit das Büro der Shanghaier Börsenaufsicht: Meng Qingfeng kam gestern mit einem Untersuchungsteam vor Ort, um wegen der kriminellen Leerverkäufe zu ermitteln, die zu den Kursstürzen der vergangenen Wochen geführt haben. Mindestens 10 Personen und Institutionen sollen an der Börsenmanipulationen beteiligt gewesen sein, meldete die Zeitung Xinjingbao auf We chat. Der Fall ist sensationell: Es ist das erste Mal in der 25-jährigen Geschichte der chinesischen Börse, dass die Regierung dort direkt eingriff und Ermittler schickte.

Nachdem seit Anfang der Woche viele Rettungsgelder verpufft waren, brachte Mengs Erscheinen die Wende. Interessant ist, dass Meng, der ein langjähriger Mitarbeiter von Staatschef Xi Jinping ist, erst seit 2. Juli sein Amt bekleidet. Aber nicht nur die Aktionen der Börsenaufsicht sollen in Zukunft mit Argusaugen bewacht werden: Auch bei Zentralbank, Bankenaufsichtsrat und Aufsichtsrat der Versicherungen soll „verschärft kontrolliert“ werden. Dies berichteten chinesische Medien am 9. Juli unter Berufung auf eine Rede des hochrangigen Korruptionsjägers Li Xiaohong.

Ein Polit-Drama

Diese Nachrichten sind eine Bestätigung dafür, dass dem Shanghaier Börsencrash keine normale Marktbewegung, sondern eine politische Intrige zu Grunde lag. Sogar Premierminister Li Keqiang hatte in der Krisensitzung zur Börsenrettung mehrfach betont, dass „schwarze Hände“, sprich kriminelle Drahtzieher, den Absturz des SSE verursacht haben.

Die Leerverkäufer, die sich abgesprochen hatten, wurden offenbar von Personen innerhalb der offiziellen Finanzinstitutionen unterstützt. Ein Phänomen, welches auf das mafiöse Netzwerk von Ex-Staatschef Jiang Zemin als Urheber des Crashs verweist.

Chinas Blogger kommentierten: „Erst hilft alles nix, aber wenn die Öffentliche Sicherheit kommt und mit den Handschellen winkt, wird’s ernst …“

So operieren die "schwarzen Hände"

Chinas Finanz- und Regierungsstrukturen sind so komplex, dass es selbst den Regierenden nicht möglich ist, die Machenschaften all der Leute im Blick zu haben, die hier intern und über verschiedene Bereiche des Machtapparates miteinander vernetzt sind. Deshalb gibt es immer wieder innen und außenpolitische Ereignisse, die von der Regierung gar nicht gewollt sind – wie zum Beispiel den aktuellen Börsencrash. Mit „Regierung“ ist der amtierende Staatschef Xi Jinping und sein Team gemeint. Deren Gegner sind das Ex-Staatsoberhaupt Jiang Zemin und sein mafiöses Netzwerk. Jiang ist 88 Jahre alt und seit 2004 offiziell im Ruhestand, verfolgt aber mit seinen Getreuen die Strategie, Xis gemäßigte Regierung zu stürzen. Erstens muss er verhindern, dass die von ihm begangenen Menschenrechtsverbrechen gegen die Falun Gong-Bewegung publik werden.

(Siehe: Warum Chinas Tabuthema Falun Gong die Welt betrifft)

Zweitens will er sich nicht die Pfründe abgraben lassen. Denn Jiang herrscht über weite Teile des Finanzsektors und hat ein paar hervorragende Beziehungen zu westlichen Investmentbanken, die ihm milliardenschwere Geldwäschegeschäfte ermöglichten. Mit dem Geld aus diesen Deals finanzierte er wiederum seine Machenschaften innerhalb Chinas – hier greift also ein Zahnrad ins andere. Mittlerweile ist Jiangs Einfluss auf den Finanzsektor zusammengeschmolzen, weshalb dieser zum Hauptschlachtfeld geworden ist.

Vor einigen Wochen hat Xi seine Korruptionsjäger auf Jiangs letzte Bastion losgelassen. Der Polit-Krieg um Chinas Finanzwelt hat also gerade erst begonnen und der Shanghaier Börsencrash hat ihn noch beschleunigt. Bis Xi die Börse stabil unter Kontrolle hat, werden noch viele Manager verhaftet und Milliarden verpulvert werden. Ob ihm das gelingt? Es bleibt spannend …

Siehe: Chinas Korruptions-Razzia erreicht die Finanzwelt!

Mächtige Manipulatoren: Chinas Börse ist jetzt politisches Schlachtfeld



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