Josip und Alojz Markus verbringen oft Nachmittage mit Spaziergängen und Gesprächen in einem Park am Eriesee. Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Josip Markus und @josipmarkus

Verzichten für den Vater

Von 24. Januar 2023
Als sein an Parkinson leidender Vater nicht mehr in der Lage war, allein zu leben, kehrt Josip Markus in sein Elternhaus zurück. Er kümmert sich um seinen Vater und bewahrte ihn vor dem Gang ins Pflegeheim.

Im Jahr 2006 war Josip Markus dabei, seinen Master-Abschluss zu machen, als er einen Anruf erhielt. Sein Vater Alojz war in Tränen aufgelöst und erzählte ihm, dass er bei der Arbeit gestürzt sei, nachdem seine linke Körperhälfte versagt hatte. Josip eilte nach Hause und begleitete ihn über mehrere Monate hinweg zu zahlreichen Arztbesuchen. Danach stand die Diagnose fest: Parkinson.

„Es war verheerend für ihn“, sagt Josip (48) gegenüber der Epoch Times. „Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er nie die Kontrolle über seinen Körper verloren. Letzten Endes konnte er nicht mehr arbeiten. Ich erinnere mich, dass er deswegen sehr aufgewühlt war.“

Alojz wurde auf eine medikamentöse Behandlung eingestellt, die dazu beitrug, seine Symptome zu stabilisieren. Danach war er mehrere Jahre lang unabhängig und konnte sogar selbst Auto fahren. Während dieser Zeit besuchte Josip seinen Vater, wann immer er konnte.

Im Jahr 2019 reiste Josip als Coach für bewusste Lebensführung und Leadership durch die Welt, als er feststellen musste, dass sein Vater plötzlich Schwierigkeiten hatte, allein zu leben. Alojz erklärte seinem Sohn, dass er niemals in ein Pflegeheim gehen würde.

„Es war klar, dass er meine Unterstützung brauchte. Mein Vater sagte: ‚Ich würde lieber in ein Bestattungsinstitut gehen als in ein Pflegeheim’“, erzählt Josip, „Ich bin seine Familie. Mein Vater kommt nicht gut mit unbekannten Umgebungen oder Fremden zurecht.“

Zurück in die Heimatstadt

Er entschied sich, in seine Heimatstadt Willowick in Ohio zurückzukehren, um bei seinem Vater zu sein, der inzwischen 78 Jahre alt war. Er verkaufte sein Haus in Kalifornien und die meisten seiner Besitztümer und stellte sich auf eine neue Lebensweise ein.

„Er war mein Fels in der Brandung, mein ganzes Leben lang“, sagt er. „Unsere Rollen begannen sich gerade zum ersten Mal umzukehren.“

Die Parkinson-Krankheit wirkt sich bei jedem Menschen anders aus. Bei Alojz beeinträchtigte sie die Sprache und die Fortbewegung; er hatte Schwierigkeiten, zu sprechen und zu gehen und verlor schnell das Gleichgewicht. Jeden Morgen half Josip ihm, aus dem Bett aufzustehen und den Tag zu beginnen, er bereitete seine Mahlzeiten zu, fuhr ihn und half ihm bei verschiedenen Aktivitäten des täglichen Lebens.

„Sein Zustand verschlechtert sich langsam, und ich musste nach und nach immer mehr tun, um ihn zu unterstützen“, erklärt er.

Gemeinsame Momente

Die beiden, die in der Nähe des Eriesees leben, verbrachten ihre Nachmittage mit Spaziergängen und Gesprächen in einem Park am See, der nur fünf Minuten von ihrem Haus entfernt liegt. Oft besuchten sie danach ein türkisches Restaurant in der Nähe, um den Lieblingssnack von Alojz zu bestellen: Pommes frites. Abends sahen sie sich meist gemeinsam einen Film oder eine Serie an.

„Manchmal löste das, was wir uns ansahen, eine Erinnerung an etwas in seinem Leben aus, und er fing an, eine Geschichte zu erzählen. Das waren wertvolle Momente für uns“, sagt Josip. „Manchmal waren die Erinnerungen schmerzhaft für ihn und er begann zu weinen. Ich hörte ihm einfach zu und gab ihm Raum zum Erzählen, damit er seine Gefühle verarbeiten und trauern konnte, wenn er das mochte. So sahen unsere Tage aus.“

Josip war nicht das einzige Mitglied des Haushalts, das seinen Vater unterstützte. Aus seinem Haushalt in Kalifornien brachte er seine beiden Katzen mit. Die Ältere, Cocoa, hatte ein Faible für ihren älteren Mitbewohner und unterhielt ihn, während Josip arbeitete oder Besorgungen machte.

Jeden Morgen half Alojz dabei, die Katzen zu füttern und das Katzenklo zu kontrollieren; sich um jemand anderen zu kümmern, half ihm, sich von seiner Krankheit abzulenken.

Zu 100 Prozent abhängig

Josips Rolle als Betreuer seines Vaters intensivierte sich im Februar 2022, als Alojz in seinem Schlafzimmer stürzte und sich den rechten Oberarmknochen brach. Ein paar Wochen später wurde er operiert und erhielt eine Metallplatte und 12 Schrauben, die den Knochen zusammenhielten. Während sein Arm heilte, verlor der 78-Jährige seine Eigenständigkeit und wurde immer gebrechlicher.

„Er war zu 100 Prozent auf mich angewiesen“, erzählt Josip. „Jedes Mal, wenn er etwas brauchte, war ich sofort zur Stelle. Ich glaube, das hat ihm wirklich gezeigt, dass ich alles für ihn tun würde. Wir haben gesehen, wie tief und stark die Liebe und die Bindung zwischen uns ist.“

Da die Bedürfnisse seines Vaters größer geworden waren als je zuvor, gab Josip sich der Situation hin. Alle ungelösten Spannungen von früher, die zwischen ihnen bestanden, lösten sich auf.

Er erinnert sich: „Am Anfang [des erneuten Zusammenlebens] haben wir uns oft gegenseitig provoziert. Ich ärgerte ihn und er ärgerte mich, während wir wieder lernten, miteinander zu leben – zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten.“

Bei ihrem gemeinsamen Zusammenleben meisterte er verschiedene Herausforderungen. „Als ich aufwuchs, hieß es immer: ‚Tu, was Papa sagt‘, also brauchte ich einige Zeit, um mich als Mann zu fühlen und nicht nur als sein Sohn. Ich begann ihm gegenüber sehr klare Grenzen zu ziehen“, sagt er. „Manchmal hat ihn das zum Weinen gebracht oder wir hatten einen emotionalen Austausch, aber unsere Dynamik hat sich zum Positiven verändert. Jetzt haben wir ein unglaublich friedliches Verhältnis zueinander.“

„Ich würde alles für ihn tun“

Alojz wurde in Kroatien geboren und wuchs in dem kleinen, armen Dorf Roženica in der Nähe der Hauptstadt Zagreb auf. Er kam im Jahr 1967 als politischer Flüchtling in die Vereinigten Staaten. Kurz nach der Geburt von Josip geriet Alojz in einen vierjährigen Scheidungsstreit mit Josips Mutter. Dieser endete damit, dass er das volle Sorgerecht für seinen Sohn erhielt.

„Er hat sehr hart in einer Fabrik gearbeitet, um mir den Lebensunterhalt zu sichern“, sagt Josip. „Er war mein Ein und Alles; er war ein unglaublicher Vater. Er war immer sehr freundlich, sehr fürsorglich und liebte es, Dinge zu reparieren. Wenn etwas kaputt war, fing er an zu tüfteln und versuchte herauszufinden, wie man es reparieren konnte. Genau so habe ich ihn in Erinnerung behalten.“

Indem er Opfer brachte, um seinen Sohn aufzuziehen, lebte Alojz bedingungslose Liebe vor. In den letzten mehr als drei Jahren hatte Josip als Pfleger die Möglichkeit, seinem Vater dieselbe Liebe zurückzugeben. „Er ist für mich der wichtigste Mann auf der Welt und ich würde alles für ihn tun“, sagt er.

„Mein Vater war nicht sehr gefühlsbetont, als ich aufgewachsen bin, aber in den letzten Jahren hat er sich unglaublich verändert. Er empfindet sehr viel, aber er gehört zu einer Generation und einer Kultur, in der er nicht gelernt hat, seine Gefühle zu zeigen. Ich weiß, dass er sehr dankbar für meine Anwesenheit ist. Er hat mir gesagt, dass er nur deshalb noch lebt, weil ich hier bin und ihn unterstütze.“

Der engagierte Sohn, der seit 2018 sein eigenes professionelles Coaching-Geschäft betreibt, hat sich entschieden, seine Rolle als Teil einer spirituellen Reise zu verstehen.

„Jeder Aspekt dieser Reise, bei der ich ihn pflege, wird zu einem Teil dessen, was ich bin. Mein Geschäft ist ein Spiegelbild von mir; alles, was ich meinen Kunden biete, ist das Ergebnis der Weisheit, die ich durch meine Lebenserfahrungen erworben habe“, sagt er.

Jedem, der einen schweren Tag erlebt, rät Josip: „Nehmen Sie ihn an. Atmen Sie tief durch und beruhigen Sie sich. Sie können sich dafür entscheiden, durch diesen herausfordernden Moment zu lernen, indem Sie demütig fragen: ‚Wie kann ich auf dieser Reise ein Lernender sein?‘.“

Er habe zwar keinen Einfluss auf die Krankheit seines Vaters, könne aber die verbleibende Zeit mit ihm genießen – was er auch tut.

„Ich könnte nachtragend und wütend sein, dass niemand da ist, um mir zu helfen“, sagt er, „aber das ist eine sehr entmachtende Denkweise. Ich ziehe es vor, meine Geschichte zu erzählen, die eine der tiefgreifendsten spirituellen Erfahrungen in meinem Leben ist.“



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