BKK: Gesundheitszustand junger Erwachsener in Deutschland ist „alarmierend“

Es steht nicht gut um die Gesundheit der jungen Erwachsenen, wie aus dem im Dezember veröffentlichten BKK-Gesundheitsreport 2023 hervorgeht. Hier müsse die Politik gegensteuern.
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Berufsanfänger stehen vor der Herausforderung, den Stress und Leistungsdruck zu bewältigen. Alkohol ist ein mögliches VentilFoto: iStock
Von 19. Dezember 2023

„Wer glaubt, keine Zeit für seine Gesundheit zu haben, wird früher oder später Zeit zum Kranksein haben müssen.“ So lautet ein chinesisches Sprichwort. Die Gesundheit einer Gesellschaft entscheidet über deren soziale Sicherheit und Wohlstand. Die Betrachtung des Zustands der jungen Erwachsenen in Deutschland jedoch gibt Anlass zur Sorge. Um diesen Trend aufzuhalten, müsse man bereits im Grundschulalter ansetzen, meint der BKK (Betriebskrankenkasse) Dachverband.

„Entgegen weitverbreiteter Annahmen sind Heranwachsende in Deutschland nicht gesünder als ältere Bürgerinnen und Bürger“, heißt es im BKK-Gesundheitsreport 2023. Die Auswertung der internen und externen Daten zur körperlichen und seelischen Verfassung der Erwachsenen im Alter von 18 bis 29 Jahren sei „alarmierend“.

„Ihnen zufolge leidet rund ein Drittel der Heranwachsenden bereits in jungen Jahren unter chronischen Erkrankungen, neigt überdies zum Rauschtrinken, ungesunder Ernährung und treibt zu wenig Sport“, warnen die Autoren.

Einer von fünf Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren entwickele eine psychische Erkrankung, die oft bis zum Erwachsenenalter andauere, während nahezu jeder fünfte Auszubildende den Druck durch Betrieb oder Schule deutlich spürt.

Jede achte junge Frau depressiv

12 Prozent der heranwachsenden Frauen zeigen depressive Symptome. Damit ist jede achte junge Frau betroffen. Frauen unter 30 Jahren, die in nicht medizinischen Gesundheitsberufen wie der Altenpflege und vornehmlich in Teilzeit arbeiten, sind laut BKK-Bericht „überdurchschnittlich oft und lang wegen psychischer Erkrankungen in ambulanter und stationärer Behandlung“.

Dem gegenüber stehen Versorgungslücken, insbesondere in der Psychotherapie. Denn obwohl bekannt ist, dass gerade psychische Krisen und Suchtproblematiken schnell behandelt werden müssen, um einen Erfolg zu erzielen, sind monatelange Wartezeiten an der Tagesordnung.

„Es ist besorgniserregend, dass dem hohen Anteil psychischer Erkrankungen bei jungen Erwachsenen nach aktuellen Erkenntnissen derzeit nur eine geringe Behandlungsrate entgegensteht“, bemängelt der BKK Dachverband.

Hier müsse der Gesetzgeber dringend dafür sorgen, dass genügend Therapieplätze zur Verfügung stehen und Betroffene schnell behandelt werden können.

Gesundheit als Pflichtfach in der Schule

Mit dem Einstieg ins Berufsleben werden laut BKK-Gesundheitsreport Heranwachsende erstmals bewusst mit dem Thema Gesundheit konfrontiert. In Beruf oder Ausbildung gelte es, den Stress und Leistungsdruck zu bewältigen. Nicht immer ein leichtes Unterfangen. Ausbildungsabbrüche oder der Wechsel des Studienganges sowie andere Unterbrechungen des beruflichen Werdegangs seien heutzutage in vielen Lebensläufen eher die Regel als die Ausnahme, schildern die Autoren.

Doch wie kann man Beruf und Privatleben in Balance bekommen und für das eigene Wohlbefinden sorgen? Dazu gebe es viel zu wenig Informationen für Berufsanfänger, kritisiert die BKK. Insbesondere für weniger Gebildete „mit subjektiv empfundenen niedrigen sozialem Status“ und Auszubildenden in bestimmten Bereichen falle es schwer, „aufgrund von frei verfügbaren Informationen ‚gute‘ Entscheidungen für die eigene Gesundheit zu treffen“. Hier müsse Politik, Unternehmen und Akteure des Gesundheitswesens „nachsteuern“.

Aus Sicht des BKK Dachverbands ist es angebracht, dem Thema Gesundheit ein eigenes Schulfach zu widmen. Ab der Grundschule bis zum Ende der Schulzeit könnten den Kindern und Jugendlichen theoretisch und praktisch relevante Inhalte zu „gesundem Leben“ vermittelt werden.

Außerdem solle der Staat verstärkt in die Bildung sozial benachteiligter Heranwachsender investieren, „um vorhandene Wissens- und Informationsdefizite auszugleichen“. Letztlich müssten staatliche und institutionelle Gesundheitsakteure „einfach zugängliche, gut verständliche und besonders auch für jüngere Zielgruppen aufbereitete Informationen rund um das Thema Gesundheit bereitstellen“.



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