Der Toyota Prius benötigt - wie viele saubere Energietechnologien - für seine Produktion Seltene Erden Mineralien.Foto: AFP Photo/Stan Honda/Getty Images

Chinas Würgegriff bei Seltene-Erde-Mineralien

Von 5. November 2010 Aktualisiert: 5. November 2010 23:35
Der Leichtsinn der USA bewirkte, dass China sich eine Dominanz bei den für die Hochtechnologie benötigten Seltenen Erden verschafft hat.

Im Rennen um die Herstellung überlegener industrieller und militärischer Produkte hat China einen entscheidenden Vorteil: Es verfügt über die weltweit größten Reserven der Seltene-Erden-Mineralien, die hauptsächlich für die Herstellung einiger Hightechprodukte erforderlich sind. Westliche Unternehmen sind über diese Dominanz zunehmend besorgt. Chinas jüngste Ankündigung, die Ausfuhr von Seltene-Erden-Materialien nach Japan einzustellen, sorgte dafür, dass diesem Thema oberste Priorität eingeräumt wurde.

China dominiert die Gewinnung von Seltenen Erden, die in einer immer breiter werdenden Palette von zivilen und militärischen Anwendungen eingesetzt werden. Seltene Erden sind für Hunderte von kommerziellen wie auch militärischen Anwendungen erforderlich: Elektromotoren und Batterien für Hybrid-Autos, Windkraftturbinen und Sonnenkollektoren, Mobiltelefone, Kameras, tragbare Röntgengeräte. Des Weiteren für energieeffiziente Glühbirnen und Stadionscheinwerfer, Glasfaser, Glas-Additive und Poliermittel. In einer technologie-intensiven Welt wurden Seltenen Erden zu einigen der begehrtesten Materialien in der modernen Fertigung, auch wenn sie in nur relativ kleinen Mengen verwendet werden.

Kontrolle über den Markt

Der verstorbene Führer Chinas, Deng Xiaoping, sagte einst, Seltene Erden wären für China das Gleiche wie Öl für den Nahen Osten. Jetzt beobachten Politiker und Unternehmenschefs in den Vereinigten Staaten, Japan, Europa und anderen hoch entwickelten Volkswirtschaften mit wachsender Sorge, wie China seine marktbeherrschende Position ausnutzt, indem es die Exporte einschränkt und die Preise hochtreibt.

Diese Sorge vergrößerte sich, als Japan, der weltweit größte Importeur von Seltenen Erden, im September berichtete, dass China aus politischen Gründen Lieferungen vorübergehend einstellte, nachdem Tokio einen chinesischen Trawler-Kapitän festgenommen hatte. Zwischen den beiden größten asiatischen Volkswirtschaften kam es zu einem erbitterten Streit um den Besitz von Inseln, wertvollen Fischereizonen und Energieressourcen des Meeresbodens im Ostchinesischen Meer.

Es kann allerdings sein, dass es Beijing übertrieben hat. Chinas Aktionen haben dazu geführt, dass sich wichtige Abnehmerländer schnell Bezugsquellen außerhalb Chinas sicherten: Dazu zählen der Aufbau von Lagerbeständen, die Schaffung von Anreizen für inländische Unternehmen, Seltene Erden zu fördern und zu verarbeiten sowie die Suche nach alternativen Möglichkeiten, um bei der Herstellung von High-Tech-Produkten weniger auf Seltene Erden angewiesen zu sein.

Laut US-Wissenschaftsbehörde Geological Survey stehen für viele Anwendungen Ersatzstoffe zur Verfügung, die im Allgemeinen allerdings weniger wirksam sind. Dennoch kündigte Japan im Oktober an, dass es den ersten Hochleistungsmotor für Benzin-Elektro-Hybrid-Fahrzeuge entwickelt hat, der frei von Seltenen Erden ist.

Das Repräsentantenhaus in Washington verabschiedete vor Kurzem Rechtsvorschriften zur Wiederbelebung der einst hochmodernen Seltene-Erden-Industrie in den USA. Auch das Energieministerium kündigte an, es werde in diesem Herbst einen Plan herausgeben, um weitere Lieferungen von Seltene-Erden-Metallen zu ermöglichen, was teilweise dadurch erreicht werden soll, dass die Handelspartner der USA zur beschleunigten Ausweitung ihrer Produktion ermutigt werden.

Doch China konnte die Seltene-Erden-Industrie jahrelang weiter fest im Griff behalten. Es hält zwar nur 35 Prozent der weltweiten Reserven, bedient aber über 95 Prozent der Nachfrage nach Seltene-Erden-Oxiden, die zu 60 Prozent aus dem Inland kommen, wie das Beratungsunternehmen Industrial Minerals Company of Australia feststellt. Genauso wichtig ist die Tatsache, dass chinesische Unternehmen, von denen viele staatlich kontrolliert werden, verstärkt versuchten, China zum Weltmarktführer im Bereich der Verarbeitung von Seltene-Erden-Metallen zu fertigen Materialien zu machen.

Der Erfolg dieser Bestrebungen könnte China nicht nur in der zivilen Industrie einschließlich sauberer Energie, sondern auch in der militärischen Produktion zu einem entscheidenden Vorteil verhelfen, sollten die chinesischen Hersteller gegenüber ausländischen Konkurrenten bevorzugt werden.

Unverzichtbar in der Rüstungsproduktion

Cer ist das häufigste der 17 Seltenen Erden, die ähnliche chemische Eigenschaften besitzen. Eine Cer-Beschichtung ist nicht korrosiv und hat bedeutende militärische Anwendungsmöglichkeiten. Das Pentagon steht kurz vor der Fertigstellung eines Berichts über die Risiken der Abhängigkeit des US-Militärs von Seltenen Erden aus China. Sie finden breite Verwendung in den Abwehrsystemen der USA, ihrer Verbündeten und anderer Länder, die ihre Waffen und Ausrüstung kaufen.

In einem im April erschienenen Bericht an den US-Kongress schrieb der Oberste Rechnungshof, man hätte von Behörden und Führungskräften der Rüstungsindustrie erfahren, dass Seltene-Erden-Legierungen und andere Materialien dort, wo sie in militärischen Systemen eingesetzt werden, „für die Funktionalität der Komponenten von entscheidender Bedeutung sind und dass es schwierig sein würde, sie ohne Leistungsverlust zu ersetzen“.

So werden zum Beispiel die empfindlichen Auslöser in Präzisionsbomben speziell entworfen, um die Fähigkeiten der Neodym-Eisen-Bor-Seltene-Erden-Magnete zu nutzen. Der wichtigste US-Kampfpanzer, der M1A2 Abrams, hat ein Trägheits-Navigationssystem, das auf der Basis von Samarium-Kobalt-Magneten funktioniert, die aus China stammen. In einem offiziellen Bericht vom vergangenen Jahr über das Arsenal der US-Landesverteidigung stand, dass Engpässe bei vier Seltenen Erden – Lanthan, Cer, Europium und Gadolinium – bereits Verzögerungen bei der Herstellung einiger Waffen verursacht hätten. Dort werden weitere Untersuchungen empfohlen um festzustellen, wie schwerwiegend sich diese Verzögerungen auswirken.

Lieferungen werden eingeschränkt

China reduzierte vor Kurzem die Exportquoten von Seltenen Erden für die zweite Hälfte dieses Jahres um 72 Prozent. Die Industrie schätzt, dass die Nachfrage nach Seltenen Erden weltweit die Lieferungen von immerhin 50.000 Tonnen bis 2012 übersteigen wird, sofern keine umfangreichen neuen Produktionsmöglichkeiten erschlossen werden.

Nach Angaben chinesischer Behörden verursacht die Förderung großer Mengen von Seltenen Erden schwerwiegende Umweltschäden in China, weshalb die Regierung die Erforschung, die Produktion und den Handel stärker kontrolliere. Bei der Förderung von Seltenen Erden werden giftige Chemikalien verwendet, die die örtliche Wasserversorgung und die öffentliche Gesundheit gefährden.

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Unterdessen scheinen die USA das Opfer ihres eigenen erstaunlichen Mangels an Voraussicht im Bereich der sicherheitsrelevanten Industriepolitik zu sein. Bis etwa 1990 waren die USA Selbstversorger bei Seltenen Erden und weltweit führend in deren Verarbeitung und Nutzung. Doch innerhalb eines Jahrzehnts wurden die USA zu mehr als 90 Prozent vom Import Seltener Erden abhängig. Diese kamen entweder direkt aus China oder aus Ländern, die Lieferungen aus China für ihre eigenen Ausrüstungen erhielten.

Umwelt- und Regulierungsprobleme machten die Gewinnung und Verarbeitung auf der Abbaustelle von Seltenen Erden am Mountain Pass in Kalifornien, die 2002 geschlossen wurde, unattraktiv. In der Zwischenzeit verschaffte sich China weitere Wettbewerbsvorteile gegenüber den USA: Die Kosten in China sind niedriger und die Elektronik sowie andere Produktionszweige in Asien, die auf Seltenen Erden basieren, werden weiter ausgebaut. Auch die Umfang und die Konzentrierung der chinesischen Vorkommen von Seltenen Erden spielen eine Rolle.

Obwohl die Seltenen Erden als „selten“ bezeichnet werden, kommen sie relativ häufig vor und sind über die ganze Welt verstreut. Doch im Gegensatz zu gewöhnlichen Basis- und Edelmetallen konzentrieren sie sich selten in großen Vorkommen.

Von den insgesamt ca. 100 Millionen Tonnen der weltweit bekannten Reserven, die wirtschaftlich ausgeschöpft werden können, befinden sich 36.000 Tonnen an den entgegengesetzten Enden Chinas, nämlich in Südchina und im Norden der Inneren Mongolei. Russland und andere Staaten der früheren Sowjetunion verfügen über Reserven von 19 Millionen Tonnen; die USA über 13 Millionen Tonnen; Australien über 5,4 Millionen Tonnen und Indien über 3,1 Millionen Tonnen.

Der Anstieg der chinesischen Ausfuhren von Seltenen Erden überschwemmte zunächst den Markt, führte zu Preissenkungen und schuf Anreize für neue Anwendungsmöglichkeiten. Jetzt, da China versucht, aus seinem Vorteil Kapital zu schlagen, versuchen die USA und andere entwickelte Volkswirtschaften, alternative Minen von Seltenen Erden für die Produktion zu finden, um die Abhängigkeit von China zu verringern und die Versorgungssicherheit zu verbessern.

Während die Nachfrage in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich um rund zwei Drittel weiter zunimmt, seien die unentdeckten Vorkommen laut US Geological Survey im Verhältnis zur erwarteten Nachfrage sehr groß. Allerdings wird es einige Jahre dauern, bis neue Minen in die Produktion gehen können. Und obwohl der GAO-Bericht feststellte, dass die Vorkommen von Seltenen Erden in den USA, Kanada, Australien und Südafrika bis zum Jahr 2014 abgebaut werden könnten, würde der Wiederaufbau der Versorgungskette der USA von Seltenen Erden möglicherweise bis zu 15 Jahre dauern. In der Zwischenzeit wird China seinen Vorteil nutzen und uns einen Warnhinweis für globale Verflechtung und Abhängigkeit von Hochtechnologie geben.

Michael Richardson, ein ehemaliger Asien-Redakteur von International Herald Tribune, ist Gastwissenschaftler am Institute for South East Asian Studies in Singapur. Mit freundlicher Genehmigung von YaleGlobal Online. Copyright © 2010, Yale Center for the Study of Globalization, Yale University.

 

Artikel auf Englisch: China’s Chokehold on Rare-Earth Minerals Raises Concerns